Globale Entwicklung als Lernbereich an Schulen? Kooperationen zwischen Lehrkräften und Nichtregierungsorganisationen

Bibliografische Angaben

Bludau, Marie (2016): Globale Entwicklung als Lernbereich an Schulen? Kooperationen zwischen Lehrkräften und Nichtregierungsorganisationen. Budrich, Opladen, Berlin, Toronto. (S. 441).

Bei der Dissertationsstudie von Marie Bludau handelt es sich um die Beforschung des Pilotprojekts „Schule gestaltet Globalisierung“. Dieses Projekt wurde in Niedersachsen im Zeitraum 2010 bis 2012 in der Sekundarstufe I erprobt. Im Fokus standen die Umsetzung des Orientierungsrahmens zum Lernbereich Globale Entwicklung und die Kooperation zwischen Schule und Nichtregierungsorganisationen (NRO). Das Pilotprojekt ist ein Beispiel für einen Top-Down- Schulentwicklungsprozess und sollte in der Studie ebenfalls hinsichtlich dieser Implementationsstrategie beurteilt werden. Die zentrale Fragestellung der Arbeit richtet sich auf die Gestaltung der Kooperation, die Gelingens- bzw. Misslingensbedingungen und die Frage, ob Kooperationen Träger für Innovationen sein können. 

In der Studie wurden neun Schulen unterschiedlicher Schulformen untersucht. Dafür wurden zehn leitfadengestützte Interviews mit Lehrkräften, neun mit NRO-Vertreter_innen und teilnehmende Beobachtung in den Netzwerk- und Fortbildungssituationen durchgeführt. Die Daten zum Prozess und zum Ergebnis des Pilotprojektes wurden mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet.

Zu der Frage nach den Spielräumen von Kooperationen stellt Bludau auf der strukturellen Ebene heraus, dass neben personellen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen auch die „schulinterne Unterstützung“ (a.a.O., S. 376) einen großen Einfluss hat. Die Professionalität der Kooperationspartner spielt allerdings auch eine wichtige Rolle. Ebenso stellt die Forscherin fest: „Eine Steigerung der allgemeinen Belastung der Lehrkräfte durch Entscheidungen der Bildungsadministration erschwert zusätzlich die Zusammenarbeit in diesem

speziellen Feld“ (ebd.). Auf interpersoneller Ebene wurden von Bludau alle Kooperationsformen als emphatisch charakterisiert (a.a.O., S. 377). Als Bedingung für eine gelungene Kooperation wurden das Interesse und die Bereitschaft zur Kooperation genannt. Auf der individuellen Ebene konnte u.a. Mut und Offenheit der Lehrkräfte als Gelingensbedingung identifiziert werden. Die Autorin resümiert: „Soll Globales Lernen im Sinne des Orientierungsrahmens Verbreitung finden, so müssen auch die Kooperationen, auf die sich hier bezogen wird, weiterentwickelt und gesteuert werden“ (a.a.O., S. 384), denn gelungene Kooperationsstrukturen konnten nur in Einzelfällen nachgewiesen werden. Um das Ziel der Mündigkeit des Menschen in einer globalisierten Welt zu ermöglichen, braucht es nach Bludau eine „Veränderung der schulischen Lernkultur“ (a.a.O., S. 389), welche sich u.a. in einer Öffnung der Schule gegenüber dem (zivil-)gesellschaftlichem Umfeld umsetzen lässt.

 

Bezugsquelle: Budrich Verlag
 

Zum Weiterlesen

  • Auf der Studie bassierende Handreichung „Gemeinsam für Zukunftsfähigkeit. Formen und Bedingungen von Kooperationen zwischen Schulen und dem gesellschaftlichen Umfeld im Sinne des Whole School Approach“ [ PDF | 602 KB ]
  • Jahresthema 2017 „Gemeinsam stärker!? Kooperationen zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule“ mehr lesen

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