Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Theoretische Reflexionen über einen zivilgesellschaftlichen Ansatz zur Stärkung demokratischer Kultur an Schulen

Bibliografische Angaben

Guthmann, Thomas (2011): Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Theoretische Reflexionen über einen zivilgesellschaftlichen Ansatz zur Stärkung demokratischer Kultur an Schulen. Frankfurt

Bei der Studie von Thomas Guthmann handelt es sich um die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des bundesweiten Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR-SMC). Für die Studie wurden 2007 sieben Gruppen- und Einzelinterviews in einem Zeitraum von sechs Monaten erhoben und mit der Grounded Theory ausgewertet. Es wurden Expert_inneninterviews mit zwei Landeskoordinationen und der Bundeskoordination des Projekts sowie Gruppendiskussionen an je zwei Schulen mit Schüler_innen in Brandenburg und Berlin geführt. Außerdem wurden Publikationen aus dem Projekt ausgewertet. Von den befragten Landes- und Bundeskoordinierungsstellen wird das Projekt SOR-SMC als eine Basisbewegung an einer Schule, aus der „langfristig eine Kultur der Gewalt- und Diskriminierungsfreiheit erwachsen soll, die auch Auswirkungen auf die Demokratisierung der Schule insgesamt haben soll“ verstanden (Guthmann 2011, S. 17). Die Koordinator_innen stellen mangelnde Partizipationsmöglichkeiten an bundesdeutschen Schulen fest. Demokratische Kultur muss nach Ansicht der interviewten Mitarbeiter_innen von unten wachsen (a.a.O., S. 31). Das Programm aber wirkt nach Guthmann zwar auf die soziale Interaktion, bewirkt aber impliziert keine nachhaltigen Strukturveränderungen: „Schule wird zwar als Teil des Problems identifiziert, die Art der Intervention fokussiert jedoch mehr den sozialen Raum der Schule und berücksichtigt weniger die strukturellen Determinanten. Die Unterscheidungs-, Sozialisierungs- und Normalisierungsfunktionen von Schule, in der vorherrschende Formen der Diskriminierung – wie soziale Ungleichheit oder Rassismus – in der Struktur reproduziert werden, werden dadurch vernachlässigt“ (a.a.O., S. 32). Thomas Guthmann stellt fest, dass der aktive Teil der Schüler_innenschaft sich auf relativ wenige Akteure beschränkt. Ihr Handeln ist durch ein normatives Selbstverständnis und lebensweltliche Erfahrungen der Schüler_innen vorstrukturiert (a.a.O., S. 54). Diese berichten nicht von eigenen Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus, sondern formulieren unpersönliche Aussagen. Die Zusammenarbeit mit den Koordinierungsstellen wird von den Schüler_innen wiederum sehr unterschiedlich beschrieben (a.a.O., S. 55). „Die Untersuchung macht deutlich, dass sich die Befragten darüber im Klaren sind, dass an einer ‚Schule ohne Rassismus‘ Rassismus nicht verschwunden ist, sondern dass der Titel bedeutet, dass sich an dieser Schule Schüler_innen und Lehrer_innen verpflichtet haben, sich aktiv mit dem Thema Diskriminierung, und in diesem Zusammenhang auch mit Rassismus, zu beschäftigen“ (a.a.O., S. 73f). Für weitere Studien empfiehlt der Autor, auch marginalisierte Gruppen zu Wort kommen zu lassen, da diese im Sample unterrepräsentiert waren. 
 

Bezugsquelle
 

Zum Weiterlesen

  • Jahresthema 2017 „Gemeinsam stärker!? Kooperationen zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule“ mehr lesen

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