Partizipation von Kindern an (Ganztags-)Grundschulen. Ziele Möglichkeiten und Bedingungen aus Sicht verschiedener Akteure.

Bibliografische Angaben

Wagener, Anna Lena (2013): Partizipation von Kindern an (Ganztags-)Grundschulen. Ziele Möglichkeiten und Bedingungen aus Sicht verschiedener Akteure. Beltz Juventa: Weinheim und Basel. (336 S.).

Anna Lena Wagener widmet sich in ihrer Dissertation dem Thema Partizipation von Kindern in Ganztagsgrundschulen. Ihr Forschungsdesign untersucht mit qualitativen und quantitativen Teilfragen zehn Ganztagsgrundschulen in drei verschiedenen Bundesländern (NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz). Die Daten wurden im Rahmen der PKGG-Studie (Partizipation von Kindern an (Ganztags-)Grundschulen) ausgewertet (Wagener 2013., S. 9).

Es wurden Schüler_innen, Lehrer_innen und das weitere pädagogisch tätige Personal mit Fragebögen und Leitfadeninterviews befragt (a.a.O., S. 127). Für jede Schule wurde in der Auswertung ein ausführlicher Fallbericht verfasst, in welchem die mehrperspektivischen Betrachtungen dargestellt wurden.  Die Studie zeigt, dass die Erwachsenen Schülerpartizipation „vor allem als Mitbestimmung bei Angelegenheiten des Klassen- und Schullebens oder in Schülergremien, weniger im Unterricht oder in gemeinsamen Gremien von Schülern und Erwachsenen“ (a.a.O. S. 235) verstehen. Zwar wird der Partizipation von Schüler_innen allgemein große Bedeutung zu gesprochen und nach demokratischen Ansprüchen verwirklicht, doch fürchtet ein Viertel der Lehrer_innen Autoritätsverlust. Mit steigendem Alter (also von den befragten Kindern der ersten Klasse bis zu den befragten Erwachsenen) steigen auch die Kenntnisse zu Partizipationsmöglichkeiten, so Wagener. Gleichzeitig wird auch deren Wichtigkeit als höher angesehen (a.a.O., S. 236). Die tatsächlich realisierte Partizipation wird von Kindern und Erwachsenen unterschiedlich eingeschätzt. Die Lehrer_innen geben an, dass Partizipation in Angelegenheiten, die das Schul- und Klassenleben betreffen, wesentlich häufiger erfolgt, als  die Schüler_innen. Die Schüler_innen sehen diese Form der Partizipation deutlich seltener realisiert. Weniger große Differenzen gibt es bei der Einschätzung hinsichtlich des Stellenwerts von Partizipation bei sozialer Interaktion und Klassenleben, die von allen Befragten hoch eingeschätzt wird (a.a.O., S. 237).

Die Forscherin kommt zu dem Schluss, „dass die Strukturveränderung an sich [durch den Ganztag, Anm. TpB] offenbar als Maßnahme nicht ausreicht, mehr Partizipation zu ermöglichen, und in Ganztags-Settings nicht per se mehr Partizipationsmöglichkeiten bestehen“ (a.a.O., S. 239). Das Argument, es stehe durch den Ganztag mehr Zeit zu Verfügung, wirkt sich nicht automatisch als Vorteil für mehr Partizipation aus. Partizipation findet weiterhin eher in Projekten statt als in formalen Prozessen (a.a.O., S. 240). Wagener sieht unter anderem als Konsequenz für die Praxis die Notwendigkeit einer gemeinsamen Zielformulierung von allen Akteuren für die Förderung von Partizipation (a.a.O., S. 312).

Bezugsquelle: Beltz Juventa
 

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