Offene Ganztagsschule – Schule als Lebensort aus Sicht der Kinder: Studie, Bausteine, Methodenkoffer

Bibliografische Angaben

Deinet, Ulrich / Gumz, Heike / Muscutt, Christina / Thomas, Sophie (Hrsg.) (2018): Offene Ganztagsschule – Schule als Lebensort aus Sicht der Kinder: Studie, Bausteine, Methodenkoffer (130 S.)

Die empirische Untersuchung „Offene Ganztagsschule – Schule als Lebensort aus Sicht der Kinder“ wurde 2015 an sechs Standorten in Düsseldorf von der örtlichen Hochschule durchgeführt. Ausgangslage des Projektes war es, dass die Offene Ganztagsschule (OGS) im Primarbereich in Nordrhein-Westfalen in einer Kooperation von Schule und außerschulischen Trägern (meist der Kinder- und Jugendhilfe) organisiert ist. Den Forscher_innen war es wichtig, die Perspektive der Kinder in den Fokus der Forschung zu rücken. Die zugrundeliegenden Forschungsfragen bezogen sich auf das Erleben der Kinder, ihre Nutzung der Räumlichkeiten und ihrem subjektiv wahrgenommenen Grad an Partizipation bei der Gestaltung der OGS. Insgesamt wurden 362 Schüler_innen mit einem Fragebogen befragt. Der Befragungszeitraum lag zwischen April und Juni 2015.

Für die Studie wurden unterschiedliche klassische Methoden eingesetzt, wie Fragebögen und Gruppendiskussionen, aber auch partizipative Methoden wie beispielsweise die Nadelmethode (Markierung des Sozialraumes) und Autofotographie (Fotos von für die Kinder bedeutsamen Orten und Gegebenheiten).

Es konnte auch nachgewiesen werden, dass die OGS den Kindern nicht den Raum bietet, den sie für ihre Entwicklung benötigen. Das bedeutet, dass  die durch die Erweiterung der Halbtagsschule möglichen Potenziale aktuell noch nicht im vollen Umfang genutzt werden. Im Gegensatz dazu wäre es aus entwicklungspsychologischer Perspektive wichtiger, den Handlungsraum in räumlicher, personaler und sozialer Weise zu erweitern. Diese Handlungsräume werden im Moment eher eingeschränkt als gefördert, so ein Ergebnis der Studie. Die Problematik fehlender Rückzugsräume wird dadurch verschärft, dass es allgemein zu wenige Räume gibt. Besonders kritisch sehen die Autor_innen, dass es kaum Räume zum Ausruhen gibt, die zur Vermeidung von Stress bei den Kindern dienlich wären.
Des Weiteren wurde das soziale Klima aus Sicht der Kinder untersucht. Die Untersuchung führte u. a. zu dem Ergebnis, dass die Schule für die Kinder ein sozialer Lebensort ist, der vor allem durch ihre Mitschüler_innen geprägt wird. Vor allem die Peers sind zentrale Ansprechpartner_innen. Das soziale Klima zwischen Kindern, Betreuer_innen, Lehrerkräften und Eltern spielt aber ebenfalls eine zentrale Rolle. Zum Thema Partizipation zeigte die Befragung, dass 45,3 Prozent der OGS-Kinder ihr Arbeitsgruppen-Angebot mitbestimmen dürfen, allerdings handelt es sich dabei jedoch häufig um Wahlpflichtangebote. Als ein weiteres zentrales Ergebnis der Untersuchung konnte festgestellt werden, dass „Zuhause“ bzw. „bei der Familie“ bei den meisten Kindern als Aufenthaltsort besonders beliebt ist. Als Erklärung thematisieren die Verfasser_innen die zunehmende „Verhäuslichung“ von Kindheit.
Aus  Sicht der Autor_innen gibt es hinsichtlich der Partizipationsmöglichkeiten noch viel Potenzial, welches sich auch in der engagierten Mitarbeit der Kinder in dem Forschungsprojekt wiederspiegelte.

 

Bezugsquelle: Verlag Barbara Budrich
 

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