Solange die sich im Klassenzimmer anständig benehmen. Politiklehrer/innen und ihr Umgang mit rechtsextremer Jugendkultur in der Schule

Bibliografische Angaben

Behrens, Rico (2014): Solange die sich im Klassenzimmer anständig benehmen. Politiklehrer/innen und ihr Umgang mit rechtsextremer Jugendkultur in der Schule, Schwalbach/Ts. (256 S.)

Die qualitative Studie beschäftigt sich mit Politiklehrer_innen und ihrem Umgang mit rechtsextremer Jugendkultur in der Schule. Rico Behrens interviewte hierfür acht Lehrer_innen. Die Ergebnisse dieser Interviews zeigen, dass die Professionsorientierungen von Lehrpersonen starke Auswirkungen auf die Interpretation von Situationen und die Wahl ihrer Handlungsstrategien hatten. Rico Behrens weist darauf hin, dass sich kein universelles Handlungskonzept aus der Forschung ableiten lässt, wohl aber Orientierungslinien für schulische politische Bildung. Handlungsstrategien, die Aufklärungsarbeit über Rechtsextremismus leisten sollen, funktionierten bei Schüler_innen, die keine rechtsextremen Orientierungen aufwiesen, aber nicht bei Schüler_innen, die stärker rechtsextrem orientiert waren. Ein weiteres Spannungsfeld ergab sich, wenn Lehrer_innen die Auseinandersetzung suchten und Überlegenheit demonstrierten. Auf der einen Seite kam es zu einer Vorbildwirkung und Motivation bei Zielgruppen ohne rechtsextreme Orientierungen, auf der anderen Seite zu einer Art Ritualisierung und Kontaktverlust in Bezug auf rechtsextrem orientierte Schüler_innen. Eine weitere Strategie war, eine vertrauensvolle Beziehung zu Schüler_innen mit rechtsextremen Orientierungen aufzubauen. „Gegenseitiger Respekt trug in diesen Fällen dazu bei, dass Lehrkräfte rechtsextreme Orientierungen hinterfragen und erschüttern konnten.“ (Behrens 2014, S. 218). Diese Reaktion birgt die Gefahr, dass politische Bildung mehr zu einer Art praktischer Lebenshilfe wird und dass es zu einer Verharmlosung rechtsextremer Verhaltensweisen kommen kann, so der Autor. Rico Behrens beschreibt einige Faktoren gelingender Auseinandersetzung. Hierzu zählen der Aufbau von Hintergrundwissen zu rechtsextremer Jugendkultur, der Aufbau einer von Vertrauen geprägten Lehrer_innen-Schüler_innen-Beziehung und eine unterstützende, offene Atmosphäre im Kollegium. Außerdem sollten die Unterstützung durch Vorgesetzte sichergestellt werden und eine Vernetzung mit Angeboten der außerschulischen politischen Bildung und der Jugendsozialarbeit angestrebt werden. Um subjektive pädagogische und fachdidaktische Theorien zu reflektieren, können supervisorische Unterstützungssysteme genutzt werden. Aus den Ergebnissen der Forschung wurde ein Reflexionstool konzipiert, das für persönliche und kollegiale Reflexionsprozesse genutzt werden kann. 

 

Bezugsquelle: Wochenschau Verlag
 

Zum Weiterlesen

  • Fünf Fragen an Prof. Dr. Rico Behrens „Die erste Regel im Umgang mit rechtsextremer Jugendkultur: Nicht ignorieren!“ mehr lesen
  • Jahresthema 2016 „Wenig erreichte Zielgruppen der politischen Bildung – Forschung zu Zugangsmöglichkeiten“ mehr lesen
  • Dossier „Emotionen und politische Bildung“ mehr lesen

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