Planspiele im Politikunterricht – nur etwas für politisch interessierte Schüler/innen?
Bibliografische Angaben
Oberle, Monika/Leunig, Johanna (2016). Planspiele im Politikunterricht - nur etwas für politisch interessierte Schüler/innen? In: Goll, Thomas/Oberle, Monika/Rappenglück, Stefan (Hrsg.) (2016): Herausforderung Migration. Perspektiven der politischen Bildung, Schwalbach/Ts., S. 125 - 133.
Im Sammelbandbeitrag beschreiben die Autorinnen die Ergebnisse einer Befragung von 270 Schüler_innen der Mittel- bzw. Oberstufe in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die zwischen 2013 und 2015 durchgeführt wurde. Die vorgestellte Teilstudie fokussiert die Frage, inwiefern sich politisch interessierte und desinteressierte Schüler_innen nach einem Planspiel zur Europäischen Union unterschieden. Insgesamt waren die Schüler_innen zufrieden mit dem Planspiel und seinen Effekten. Auch wurde der Lerneffekt als eher hoch eingeschätzt. Im mittleren Bereich lagen die Bewertungen, ob das Planspiel das Interesse an der Politik der EU erhöht und zur weiteren Beschäftigung mit der EU bzw. zur politischen Beteiligung motiviert hat. „Die Schüler_innen äußern einen deutlichen Zuwachs an Verständnis für politische Prozesse und die Funktionsweise der EU […]. Besonders eindrücklich war für die Lernenden die Einsicht, wie schwierig es ist, zu gemeinsamen Entscheidungen, Kompromissen bzw. »Lösungen« zu kommen. Auch ein positiver Planspieleffekt auf den wahrgenommenen Alltagsbezug der EU […] wird aus Schülersicht bestätigt.“ (Oberle/Leunig 2016, S. 129). Beim Wissenszuwachs fanden sich keine Unterschiede, die durch das Geschlecht, das Alter oder das kulturelle Kapital bedingt waren. Besonders hoch war der Wissenzuwachs bei Schüler_innen mit geringem Vorwissen und bei Berufsschüler_innen. Politisch interessierte Schüler_innen waren zufriedener und fühlten sich stärker motiviert, sich nach dem Planspiel weiter mit der EU zu beschäftigen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass selbst stark desinteressierte Schüler_innen vom Planspiel profitieren konnten. „Bei den EU-Kenntnissen sowie dem diskursbezogenen internen Effektivitätsgefühl und dem subjektiven EU-Wissen sind besonders starke Zuwächse zu verzeichnen.“ (a.a.O., S. 131). Die Autor_innen folgern: „Ein solches Planspiel alleine ist sicher kein »Allheilmittel«. Ergänzend scheinen weitere Ansätze, wie die reale Begegnung mit Politik […], die Verdeutlichung der Relevanz politischer Entscheidungen für das eigene Leben sowie bestehender Partizipationsmöglichkeiten, vielversprechend.“ (a.a.O., S. 132).
Bezugsquelle: Wochenschau Verlag
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- Jahresthema 2016 „Wenig erreichte Zielgruppen der politischen Bildung – Forschung zu Zugangsmöglichkeiten“ mehr lesen
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