Entwicklung politischen Wissens in der Grundschule
Bibliografische Angaben
Götzmann, Anke (2015): Entwicklung politischen Wissens in der Grundschule, Wiesbaden. (204 S.)
In ihrer Studie untersucht Anke Götzmann die Entwicklung politischen Wissens in der Grundschule. Hierzu wurden mit 653 Schüler_innen der Klassenstufen 1 (333) und 4 (320) Interviews geführt, die offene und geschlossene Fragen zu den Fachkonzepten Macht, Öffentlichkeit und Wahlen (nach Weißeno) beinhalteten. Bei den Interviews wurde jeweils ein Kind zu einem der Fachkonzepte befragt.
Götzmann zeigt auf, dass sich insbesondere der Migrationshintergrund auf das Wissen der Kinder auswirkte. „Kinder, die angeben, zu Hause nicht nur Deutsch zu sprechen, wissen weniger über die entsprechenden Konzepte.“ (Götzmann 2015, S. 186). Dies ließ sich bereits in den Interviews der ersten Klasse feststellen, wobei sich der Effekt bis zur vierten Klasse verfestigte. Nur auf die Beantwortung der offenen Fragen in der ersten Klasse hatte der Migrationshintergrund keine Auswirkungen. Generell war es für die Kinder schwieriger die offenen Fragen zu beantworten. Die Autorin weist darauf hin, dass trotzdem bei den Kindern bereits Wissen zu politischen Fachkonzepten vorhanden ist, die sie auch anwenden können. Sie stellt jedoch auch fest, dass den Kindern häufig die nötigen Fachbegriffe fehlten. Besonders gut ausgebildet war das Fachkonzept Macht. „Es ist anzunehmen, dass die Artikulation den Kindern hier besser gelingt, da diese Begriffe in einigen Fällen auch Teil der Alltagssprache sind. Zudem kommen sie regelmäßig bei Wahlen (z. B. auch Klassensprecherwahlen) vor und wurden somit vielleicht auch im Unterricht eingeführt.“ (a.a.O., S. 190).
Die Autorin folgert aus den Ergebnissen der Interviews, dass Grundschüler_innen nur dann in der Lage sind, sich über politische Inhalte zu äußern, wenn sie über die nötige Fachsprache verfügen. Diese Fachbegriffe sollten anhand politischer Inhalte erarbeitet werden. Hierzu müsste das politische Lernen als verbindlicher Teil in die Lehr- und Bildungspläne aufgenommen werden, so Götzmann. Außerdem empfiehlt sie politische Themen häufiger in Schulbüchern und Materialien für den Sachunterricht zu berücksichtigen. Auch die Forschung in diesem Bereich sollte ausgebaut werden, um mehr darüber zu erfahren, ob und wie politisches Lernen im Grundschulunterricht umgesetzt wird. „Es stellt sich die Frage, wodurch und gegebenenfalls wann die Schüler/-innen trotz fehlenden Unterrichts politisches Wissen erwerben.“ (a.a.O., S. 191).
Bezugsquelle: Springer VS
Zum Weiterlesen
- Weisseno, G. & Götzmann, A. (2016). Politisches Wissen und Selbstkonzept von Grundschüler/-innen. transfer Forschung <> Schule, Heft 2, 162-172. Download [ PDF | 845 KB ]
Ähnliche Studien/Autor_innen:
Asal, Katrin/Burth, Hans Peter
Schülervorstellungen zur Politik in der Grundschule. Lebensweltliche Rahmenbedingungen, politische Inhalte und didaktische Relevanz
In der Studie aus dem Jahr 2016 untersuchen die Autor_innen die Vorstellungen zur Politik von Schüler_innen in der Grundschule. Die Untersuchung zeigt, dass…
2016
Richter, Elisabeth/Lehmann, Teresa/Sturzenhecker, Benedikt
So machen Kitas Demokratiebildung. Empirische Erkenntnisse zur Umsetzung des Konzepts »Die Kinderstube der Demokratie«
Zwischen 2013 und 2016 untersuchten die Autor_innen sechs Kindertageseinrichtungen, die das Konzept „Die Kinderstube der Demokratie“ realisierten.…
2017
Blöcker, Yvonne/Hölscher, Nina (Hrsg.)
Kinder und Demokratie. Zwischen Theorie und Praxis
Im Sammelband werden die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Göttinger Kinderdemokratie“ dargestellt, das zwischen 2011 und 2014 durchgeführt wurde. Im…
2014