Am 24. April 2026 kamen in der ersten Beiratssitzung 2026 des Projekts Fachstelle politische Bildung – Wissens-Hub Vertreter*innen aus Wissenschaft, Praxis und Unterstützung politischer Bildung zusammen. Die Sitzung widmete sich der Wirkungsforschung zur nonformalen politischen Bildung, dem aktuellen Arbeitsschwerpunkt des Projekts Fachstelle politische Bildung – Wissens Hub.
Wirkungsforschung zur nonformalen politischen Bildung: Bestandsaufnahme und Problemlagen
Zum Auftakt gab Dirk Posenau, wissenschaftlicher Referent von Transfer für Bildung e.V., einen systematischen Überblick über den Stand der empirischen Wirkungsforschung im Feld der nonformalen politischen Bildung. Dafür wurden die Ergebnisse des Monitors der Fachstelle „Wirkungsforschung zur nonformalen politischen Bildung“ einer ersten vertieften Analyse unterzogen. In seinem Input zeigte er auf, welche Akteure Wirkungsforschung einfordern, welche Interessen damit jeweils verbunden sind und was das für die Wahl geeigneter Forschungsdesigns bedeutet.
In einer Übersicht stellte er dar, dass Bildungsziele und Wirkungserwartungen der verschiedenen Akteure sehr unterschiedlich sein können und von kurzfristigen Wissens- und Kompetenzzielen bis zu langfristigen gesellschaftlichen Wirkungen reichen können – und was dies für die Wahl der Forschungsansätze bedeutet. Als weitere grundlegende methodische Herausforderung beschrieb er, dass Bildungsprozesse in der nonformale Bildung langfristig, stark kontextabhängig und gering standardisierbar sind. Eine besonders sorgfältige und gegenstandsbewusste Herangehensweise sei daher erforderlich, und auch möglich, wie Dirk Posenau an Beispielen zeigte.
Analysepapier zu gegenstandsangemessener Wirkungsevaluation am Beispiel von „Demokratie leben!“
Marcel Hansek, wissenschaftlicher Referent von Transfer für Bildung e.V., stellte das neue Analysepapier des Projekts „Fachstelle politische Bildung – Wissenshub“ vor: „Gegenstandsangemessene Wirkungsevaluation in der Demokratieförderung und nonformaler politischer Bildung. Eine fachliche Einordnung am Beispiel des Bundesprogramms ‚Demokratie leben!'". Ausgangspunkt ist die Frage, welcher Wirkungsbegriff in Feldern wie Demokratieförderung und nonformale politische Bildung angemessen ist und welche Untersuchungsansätze belastbare Belege erzeugen können, die den strukturellen Eigenschaften des Gegenstands gerecht werden.
Das Papier macht deutlich, warum kausale Wirkungsnachweise in den genannten Feldern in den meisten Kontexten nicht realisierbar sind und welche wissenschaftlich anerkannten Forschungsansätze stattdessen möglich sind. Einige Projekte im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ teilen zahlreiche strukturelle Eigenschaften mit der nonformalen politischen Bildung. Die Erkenntnisse und Lösungsansätze aus dem Bundesprogramm, die das Analysepapier aufführt, verweisen auf wertvolle Anknüpfungspunkte.
Das Papier ist in einer Lang- und einer Kurzfassung erschienen und steht hier zum Download bereit.
Lebhafte Diskussion mit wichtigen Impulsen
Beide Inputs regten eine intensive, engagierte Diskussion an. Die Beiratsmitglieder brachten viele fachliche und strategische Perspektiven ein. Themen waren unter anderem die Frage nach geeigneten Begrifflichkeiten für gegenstandsangemessene Evaluationsansätze, danach, wie Träger und Verbände in der Praxis mit externen Wirkungserwartungen umgehen können, sowie die Notwendigkeit, die nonformale politische Bildung mit Impulsen aus benachbarten Feldern wie der Sozialpädagogik und der Kulturellen Bildung weiterzuentwickeln.
Ausblick auf die Arbeit im weitere Jahresverlauf
Das Projekt Fachstelle politische Bildung – Wissenshub wird die Arbeiten zum Schwerpunkt Wirkungsforschung im Jahresverlauf fortsetzen. Geplant ist die Fortsetzung einer vertiefenden Auswertung vorliegender Wirkungsstudien, ein erweiterter Blick auf methodische Ansätze aus benachbarten Praxisfeldern sowie weitere Veröffentlichungen und Fachforen mit Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis politischer Bildung.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie in diesem Factsheet und regelmäßig in unserem Newsletter.
Foto (v.l.n.r.): Dr.in Helle Becker (Transfer für Bildung e.V./TfB e.V.), Julia Schreier (TfB e.V.) Prof. em. Dr. Benedikt Sturzenhecker (Universität Hamburg), Dr.in Antje Gansewig (Bundeszentrale für politische Bildung), Marita Klink, Andrea Rühmann (Bundesausschuss politische Bildung / bap), Marcel Hansek (TfB e.V.), Prof. Dr. Andreas Thimmel (TH Köln), JunProf.in Dr.in Luisa Girnus (Deutsche Vereinigung für Politische Bildung e.V. / DVPB), Prof. Dr. Marc Partetzke (Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung / GPJE), Dirk Posenau (TfB e.V.).
Veröffentlicht am 22.05.2026
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