„Es braucht Ressourcen und Kapazitäten für Forschungsbeteiligung!“ Interview mit der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung

Dr.in Anne Jordan

Ole Jantschek (Fotos: ET / Vanja Obad)

Im Nachgang des Fachstellen-Fachforums „Grundlagenforschung zur nonformalen politischen Jugend- und Erwachsenenbildung“ am 5. September 2025 in Berlin haben wir mit Dr.in Anne Jordan und Ole Jantschek von der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung gesprochen. Im Interview geht es um die Bedeutung von Grundlagenforschung für die Praxis nonformaler politischer Bildung, aber auch um Wirkungsforschung, Evaluation und Legitimationsdruck. Sie geben Einblick in bisherige Erfahrungen des Verbands und sprechen über Herausforderungen, Bedarfe und Ideen für die Zusammenarbeit mit Wissenschaft.

 

Bedeutung von Grundlagenforschung zur Praxis

Fachstelle politische Bildung (FpB): Inwiefern ist Grundlagenforschung zur Praxis nonformaler politischer Bildung für Ihre Arbeit relevant und wo fehlt sie? Mit Grundlagenforschung zur Praxis meinen wir die systematische Beobachtung, Beschreibung und Analyse der alltäglichen Bildungsarbeit, also ihrer Strukturen, Prozesse, Rahmenbedingungen und Kontexte. Es geht nicht primär um Wirkungsmessung oder Qualitätsbewertung, sondern darum, die Praxis selbst besser zu verstehen.

Dr.in Anne Jordan und Ole Jantschek, Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (ET): Grundlagenforschung zur Praxis nonformaler politischer Bildung kann dazu beitragen, grundlegende Muster und Logiken sichtbar zu machen, vorhandene Expertise, implizites Praxiswissen und erprobte Konzepte zu systematisieren. Forschung kann dieses aufbereiten und auch über einzelne Kontexte hinaus zugänglich und verallgemeinerbar machen. Dies gelingt jedoch nur, wenn die Forschenden die Relevanz der jeweiligen Fragestellungen und Forschungsperspektiven für die Praxis transparent machen, um Anschlussfähigkeit und Akzeptanz zu sichern. 

Relevant wird Grundlagenforschung insbesondere bei der Weiterentwicklung von Konzepten und Formaten. Sie bietet Orientierungswissen, um bestehende Ansätze zu reflektieren und neue zu entwickeln. Zudem unterstützt sie die Kommunikation gegenüber Fördermittelgebern, indem sie die Komplexität und Bedeutung der Arbeit nachvollziehbar macht. Auch für die kontinuierliche Reflexion von Zielgruppen, Teilnehmendenerreichung und Methoden ist sie ein wichtiger Bezugspunkt.

Gleichzeitig zeigen sich hier noch Bedarfe. Es fehlen detaillierte Einblicke in alltägliche Praxisprozesse, insbesondere in informelle Lernprozesse der nonformalen politischen Bildung. Auch Langzeitperspektiven, die Entwicklungen im Feld abbilden, sind bislang kaum vorhanden.

 

Forschungslücken und Bedarfe der Praxis

FpB: Der Monitor Grundlagenforschung der „Fachstelle politische Bildung – Wissens-Hub“ hat erhebliche Wissenslücken zur Praxis nonformaler politischer Bildung identifiziert. Welche Aspekte der Praxis wären aus Sicht Ihres Verbandes besonders wichtig zu beforschen? Welche Themen werden in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen und welche Erkenntnisse aus der Forschung bräuchte es dazu?

ET: Eine zentrale Herausforderung ist die Zersplitterung des vorhandenen Wissens. Viele Studien stehen weitgehend unverbunden nebeneinander und sind nur eingeschränkt übertragbar, wodurch Erkenntnisse in der Praxis oft nur punktuell nutzbar sind. Zugleich werden einige Perspektiven bislang zu wenig in der Forschung berücksichtigt, wie zum Beispiel die Sichtweisen der Teilnehmenden in den Bildungsprozessen. Es fehlt an Wissen über ihre Erwartungen, Erfahrungen und Aneignungsprozesse. Auch die Perspektiven von politischen Bildner*innen werden bislang nur begrenzt systematisch einbezogen. Insgesamt wird Praxis noch zu selten aus der Sicht derjenigen analysiert, die sie gestalten oder erfahren. Um die Komplexität alltäglicher Bildungsprozesse abzubilden, bräuchte es verstärkt qualitative und kontinuierliche Zugänge, wie z.B. Beobachtungen oder ethnografische Ansätze. 

Es wächst aus Sicht der Praxis auch der Bedarf, Forschung so weiterzuentwickeln, dass sie für die Praxis anschlussfähig wird. Dazu gehört zum einen, den bisherigen starken Fokus auf methodische Fragen zu erweitern und stärker auch Lern- und Wirkungsziele in den Blick zu nehmen. Zum anderen braucht es mehr Erkenntnisse zur Teilnehmendenerreichung: Wer fühlt sich von nonformalen politischen Bildungsangeboten angesprochen und wer nicht? Welche Formen der Ansprache und welche Formate sind geeignet, unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich zu erreichen? Darüber hinaus benötigt die Praxis unter anderem niedrigschwellige und praxistaugliche Formate zur Wirkungserfassung. Diese sollten unterschiedliche Dimensionen politischer Bildung berücksichtigen, wie z.B. die Förderung von Urteils- und Handlungsfähigkeit, Wissen, Analysekompetenz oder politische Medienkompetenz. 

 

Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Forschenden

FpB: Eine Kritik aus dem Fachstellen-Fachforum am 5. September 2025 lautete, dass Forschende häufig mit standardisierten Verfahren an die Praxis herantreten, die der Vielfalt politischer Bildungsarbeit nicht gerecht werden. Welche Erfahrungen hat Ihr Verband in der Zusammenarbeit mit Forschenden gemacht? Wo gab es positive Beispiele, wo Herausforderungen? Und wo sehen Sie Verbesserungspotenziale auf beiden Seiten?

ET: 2021/22 hatten wir eine Begleitforschung im Projekt „Alles Glaubenssache?“ durch Prof. Alexander Wohnig, deren Fokus auf der Beforschung der Kooperation von Schule, Jugendsozialarbeit und außerschulischer politischer Bildung lag. Die Motivation für eine wissenschaftlichen Begleitung entstand bereits in der Anfangsphase des Projektes und durch die Frage nach den Grundlagen, die diese Kooperation benötigt. Unklarheiten bestanden beispielsweise aufgrund unterschiedlicher Professionsverständnisse sowie Handlungslogiken der Akteure. Uns interessierten also die Gelingensbedingungen, die eine solche Kooperation benötigt. Der wissenschaftliche Blick von außen war für uns sehr hilfreich, um die eigene Praxis und deren Bedingungen kritisch zu reflektieren. 

Die Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl von Prof. Wohnig hat unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht und einen gemeinsamen Blick auf bestehende Bedarfe ermöglicht. Solche Prozesse benötigen Zeit und sind insbesondere zu Beginn von Aushandlungen zu Erwartungen, Logiken und Verständnissen geprägt. Langfristige Formen der Zusammenarbeit sind von daher hilfreicher als punktuelle Datenerhebungen, weil sie Raum für Vertrauen, gemeinsames Lernen und eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Praxis bieten. Entscheidend ist zudem eine Offenheit seitens der Forschung für die Komplexität und Kontextgebundenheit politischer Bildungsarbeit. Als förderlich erleben wir auch das gemeinsame Entwickeln von Fragestellungen sowie den Einbezug eines Critical Friends während des Prozesses. Unterschiedliche fachliche Sprachen und Begrifflichkeiten können die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis erschweren. In unserem Forschungsprojekt haben wir zwar nicht die Erfahrung gemacht, lediglich als „Datenlieferant“ eingebunden zu sein, jedoch ist dies ein strukturelles Risiko in der Zusammenarbeit mit Forschung. Vor dem Hintergrund der förderpolitischen Rahmenbedingungen liegt hier auch ein mögliches Spannungsfeld: Wenn wissenschaftliche Partner*innen im Rahmen ihrer Forschungsfreiheit sehr kritische Bewertungen der Praxis oder des Förderkontextes vornehmen oder erhobene Daten für weitergehende Fragestellungen nutzen, kann dies für Zuwendungsempfänger potenziell herausfordernd sein. Hier braucht es aus unserer Sicht frühzeitige Transparenz, klare Absprachen zu Zielsetzungen und Verwertungslogiken sowie ein gemeinsames Verständnis der jeweiligen Verantwortlichkeiten.
 

Es braucht Ressourcen und Kapazitäten für Forschungsbeteiligung!

FpB: Die Beteiligung an Forschungsprojekten erfordert für Träger häufig erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen. Zugleich werden fehlende Kapazitäten als zentrales Hindernis für eine engere Zusammenarbeit zwischen Praxis und Wissenschaft benannt. Wie erleben Sie dieses Spannungsfeld in Ihrem Verband? Welche Voraussetzungen müssten geschaffen werden, damit sich Träger stärker an Forschung beteiligen können, ohne dass dies zu Lasten der Bildungsarbeit geht?

ET: Das Spannungsfeld zwischen Interesse an Forschung und begrenzten Ressourcen ist für uns deutlich spürbar. Während die Beteiligung an Forschung als wichtiger Beitrag zur Professionalisierung gesehen wird, fehlen im Arbeitsalltag oft die notwendigen personellen und finanziellen Kapazitäten. Entscheidend ist daher eine verlässliche strukturelle und finanzielle Absicherung. Gefördert werden sollte nicht nur Forschung selbst, sondern auch die Beteiligung der Praxis, also Zeit, Personal und organisatorischer Aufwand. Ebenso wichtig sind stabile Schnittstellenstrukturen für den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Hiermit sind verlässliche Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis gemeint, etwa feste Ansprechpartner*innen, Transfer- oder Koordinierungsstellen sowie regelmäßige Austausch- und Arbeitsformate. Sie können dazu beitragen, unterschiedliche fachliche Perspektiven besser zu verbinden und Kooperationen langfristig und nachhaltig zu gestalten.

In der ET wurde mit der stärkeren Fokussierung auf Qualitätssicherung, Wirkungsmanagement und Wissenschaft-Praxis-Transfer bereits eine wichtige Grundlage geschaffen, um solche Prozesse systematisch zu verankern und professionell zu gestalten. Gleichzeitig zeigt sich aber auch hier die bereits erwähnte Herausforderung: Ohne eine langfristige und verlässliche strukturelle Absicherung bleiben diese Ansätze fragil und können ihr Potenzial nur eingeschränkt entfalten. 
 

Partizipative Forschung – Potenziale und Rahmenbedingungen

FpB: Partizipative Forschungsansätze, bei denen Praktiker*innen, Teilnehmende und Forschende gemeinsam Fragestellungen entwickeln und Ergebnisse interpretieren, fanden breite Zustimmung in unserem Fachforum. Welche Erfahrungen hat Ihr Verband damit gemacht? Welche Voraussetzungen müssten erfüllt sein, damit solche Ansätze gelingen? Und wo sehen Sie Hindernisse?

ET: Partizipative Forschungsansätze sind vielversprechend, da sie die Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis verringern und zu praxisnäheren, relevanteren Erkenntnissen führen können. Sie sind ein wichtiger Weg, um Forschung stärker an der Praxis auszurichten und deren Bedarfe zu bedienen. Gleichzeitig fördern solche Ansätze die Identifikation mit den Ergebnissen und stärken das Verständnis für unterschiedliche Perspektiven innerhalb des Feldes. 

Auch hier sind gute Kooperationsbedingungen notwendig für die Entwicklung von geeigneten Forschungsdesigns und bei der Interpretation und Einordnung der Daten, damit die Ergebnisse und Inhalte zielführend rückgebunden werden. Angesichts der Rahmenbedingungen von nonformaler politischer Bildung stellt die Einbindung von partizipativen Forschungsansätzen eine weitere Dimension dar, die in der Planung von Veranstaltung zu bedenken ist. Diese kann in eine Spannung zu den Zielen der Veranstaltung treten, etwa wenn bei kürzeren Formaten, in denen die Bildner*innen selbst die Gruppe noch kaum kennen, die Präsenz zusätzlicher Personen zu einer (potenziellen) Störung wird oder Anforderungen der Forschung in einem ohnehin schon engen Zeitraster Berücksichtigung finden sollen.

Zugleich bieten partizipative Ansätze die Chance, dass Forschung ein differenzierteres Verständnis der Rahmenbedingungen nonformaler politischer Bildung entwickelt. In der Praxis erleben wir mitunter, dass entweder klassische politikdidaktische Maßstäbe angelegt oder sehr weitreichende normative Erwartungen formuliert werden, die den spezifischen Kontexten und die Möglichkeiten nonformaler Bildung nicht immer gerecht werden. Der enge Austausch kann hier dazu beitragen, Perspektiven realitätsnäher auszubalancieren.

 

Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis

FpB: Welche Formate der Zusammenarbeit zwischen Praxis und Forschung wünschen Sie sich? Und wie könnten Forschungsergebnisse so aufbereitet werden, dass sie für Ihre Arbeit tatsächlich nutzbar sind?

ET: Ein zentrales Problem besteht darin, dass viele Forschungserkenntnisse im wissenschaftlichen Diskurs verbleiben und nur begrenzt Anschluss an den Arbeitsalltag politischer Bildung finden. Beispielsweise werden Ergebnisse in Fachpublikationen aufbereitet, die für Praktiker*innen schwer zugänglich oder durch eine fehlende Anwendbarkeit charakterisiert sind. Damit Forschung in der Praxis tatsächlich wirksam werden kann, braucht es Verständlichkeit in der Aufbereitung, eine klare Anschlussfähigkeit an konkrete Problemstellungen, eine zeitnahe Verfügbarkeit der Ergebnisse sowie die Möglichkeit zur Rückkopplung an die Praxis. Häufig sind Praktiker*innen vor allem in der Rolle, Forschungsergebnisse aufzunehmen, ohne aktiv an deren Einordnung oder Weiterentwicklung beteiligt zu sein. Rückkopplung bedeutet aus unserer Sicht daher, Räume zu schaffen, in denen Erfahrungen und Einschätzungen aus der Praxis systematisch in die Reflexion und Weiterentwicklung von Forschungsergebnissen einfließen können. So kann überprüft werden, inwiefern Erkenntnisse für den Praxisalltag tatsächlich anschlussfähig und nutzbar sind. Besonders wertvoll sind dialogische Formate wie Workshops oder Austauschforen, in denen Ergebnisse gemeinsam mit Praxispartner*innen eingeordnet, reflektiert und weiterentwickelt werden. Transfer sollte dabei nicht als einseitiger Prozess verstanden werden, sondern als wechselseitiger Austausch, da Praxis häufig sehr nah an aktuellen Herausforderungen arbeitet und der Forschung in bestimmten Fragen auch voraus sein kann. 


Beteiligung am Pilotmonitor politische Bildung

FpB: Der Pilotmonitor politische Bildung ist ein aktuelles Beispiel für eine großangelegte wissenschaftliche Grundlagenarbeit. Ihr Verband hat sich daran beteiligt und interne Daten zur Verfügung gestellt. Was hat Sie zur Mitwirkung bewogen? Was nehmen Sie als Stärken und Grenzen eines solchen Monitoring-Ansatzes wahr? Was müsste aus Ihrer Sicht weiterentwickelt werden, damit ein solches Monitoring für die Praxis gewinnbringend ist?

ET: Der Pilotmonitor hat sich der Herausforderung gestellt, die Vielfalt außerschulischer politischer Bildung systematisch in der Breite zu erfassen und ihr damit Sichtbarkeit zu verleihen. Vor diesem Hintergrund war es für uns naheliegend, uns an diesem Prozess zu beteiligen und eigene Daten einzubringen. Auf dieser Grundlage kann nun weiterentwickelt werden, welche Kategorien und Indikatoren langfristig sinnvoll sind und welche Zielperspektive für den praktischen Einsatz eines solchen Monitors zugrunde gelegt werden sollte. Grenzen des Pilotmonitors zeigen sich vor allem in der Definition der Grundgesamtheit, die dazu führt, dass die Vielfalt des Feldes nicht ausreichend abgebildet wird. Aufgrund der Komplexität sind die Darstellungen zudem stark deskriptiv und berücksichtigen kaum Kontextualisierungen oder Zusammenhänge. Dadurch besteht die Gefahr von Fehlinterpretationen. Für die Weiterentwicklung wäre es daher sinnvoll, mit weniger, dafür vertiefenden Indikatoren zu arbeiten und diese stärker mit qualitativer Forschung zu verbinden.

 

Zwischen Legitimationsdruck und Eigeninteresse an Wirkungsforschung und Evaluation

FpB: Der Legitimationsdruck auf Träger politischer Bildung wächst. Zunehmend wird nach Evidenz gefragt. Im Fachforum wurde betont, dass Forschung nicht primär der Legitimation gegenüber Politik dienen sollte, sondern "im eigenen Interesse" der Praxis entstehen müsse. Wie erleben Sie dieses Spannungsfeld zwischen Legitimationserwartungen und dem Anspruch, durch Forschung zur Professionalisierung des Feldes beizutragen?

ET: Dieses Spannungsfeld prägt unsere Arbeit. Die zunehmende Nachfrage nach messbaren Effekten birgt die Gefahr, komplexe Bildungsprozesse zu verkürzen. Gleichzeitig ist die Auseinandersetzung mit Wirkung sinnvoll und wird in unserem Netzwerk mit einer hohen intrinsischen Motivation geführt. Wir tauschen uns organisationsintern praxisnah über Wirkungsmanagement aus und nehmen es zum Ausgangspunkt für kollegiale Beratung. Dadurch nehmen die Jugendbildner*innen Wirkungsorientierung immer weniger als externen Rechtfertigungsdruck wahr, sondern zunehmend als Chance für die Weiterentwicklung der eigenen Praxis, zur Reflexion und zur Professionalisierung. Wichtig ist dabei auch eine realistische Einschätzung der Rahmenbedingungen sowie die Frage, wie niedrigschwellig entsprechende Ansätze umsetzbar sind. Gleichzeitig erschweren unsichere Förderstrukturen und anhaltender Legitimationsdruck diesen Prozess. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn Förderlogiken die inhaltliche Arbeit zu stark bestimmen. Ein zu enges und starres Monitoring wie wir es insbesondere in „Demokratie leben!“ wahrnehmen, kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich politische Bildungsarbeit stärker an Anforderungen der Messbarkeit und Legitimation orientiert als an langfristigen pädagogischen Zielen und gesellschaftlichen Bedarfen. Politische Bildung lässt sich nur begrenzt quantifizieren, weshalb Forschung primär lern- und entwicklungsorientiert sein sollte. Legitimationsaspekte sind relevant, sollten aber nicht im Vordergrund stehen.

 

Perspektiven für die Zusammenarbeit

FpB: Zum Abschluss: Was wäre aus Ihrer Sicht der wichtigste nächste Schritt, um Grundlagenforschung zur nonformalen politischen Bildung gemeinsam mit und für die Praxis voranzubringen? Welche konkreten Angebote oder Ressourcen der „Fachstelle politische Bildung – Wissens-Hub“ würden Ihnen dabei helfen, von Forschung zu profitieren und sich aktiv an Forschungsprozessen zu beteiligen?

ET: Der wichtigste nächste Schritt ist der Aufbau nachhaltiger Strukturen für die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Forschung. Nur so können Forschungsprozesse kontinuierlich, praxisnah und auf Augenhöhe gestaltet werden. Die Fachstelle politische Bildung kann hierbei eine unterstützende Rolle übernehmen, wenn sie die Expertise der Praxis auf Augenhöhe einbezieht und zugleich die strukturellen und politischen Rahmenbedingungen anerkennt. Austausch- und Vernetzungsformate müssen so konzipiert sein, dass sie es Praxisakteur*innen und Forschenden ermöglichen, regelmäßig in den Dialog zu treten, um in beide Richtungen voneinander zu lernen. Dies kann sinnvollerweise nur in Kooperation mit der Fachpraxis passieren. Ebenso wichtig ist die Unterstützung bei der Datenerhebung der Träger, in Form von praxisgerechten Methoden, Werkzeugen und niedrigschwelligen Erhebungsformaten. Wertvoll wären dabei dialogische Formate, möglichst anhand von konkreten Fallbeispielen, um die praktische Umsetzung gemeinsam zu reflektieren. Voraussetzung ist daher die Konzeption von Forschungsprojekten, die auch für die Praxispartner*innen zusätzliche Ressourcen bereitstellen, um an solchen Kooperationen angemessen partizipieren zu können.


Zum Weiterlesen

  • Webseite der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
  • Leseempfehlungen zum Ansatz des Projekts „Alles Glaubenssache?“:
    • Hellinghausen, Jan / Jantschek, Ole / Wohnig, Alexander (2021): Professionsreflexion und Stärkung von Kooperationsbeziehungen zwischen Schule, Jugendsozialarbeit und außerschulischer politischer Bildung im Programm „Respekt Coaches“. In: Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit 1/2021. S. 142-156 mehr lesen
    • Jantschek, Ole / Wohnig Alexander (2024): Begleitforschung in und aus der Praxis politischer Bildung. Journal für politische Bildung 2/2024, S. 22-55 mehr lesen
  • Bericht zum Fachstellen-Fachforum „Grundlagenforschung zur nonformalen politischen Jugend- und Erwachsenenbildung“ am 5. September 2025 in Berlin mehr lesen
  • Monitor: Empirische Grundlagenforschung zur Praxis nonformaler politischer Bildung. Bestandsaufnahme und Analyse von Forschungssituation und Fachdebatte mehr lesen
  • Datenbank der Fachstelle politische Bildung mit Vorstellungen empirischer Studien  
  • Datenbankeintrag: Pilotmonitor politische Bildung. Indikatoren zur datengestützten Berichterstattung. Kapitel 6: Außerschulische politische Bildung mehr lesen
  • Geloneck, Patrik / Ohlig, Louise / Oberle, Monika (2026): Qualifikation und Vergütung in der außerschulischen politischen Bildung. Ergebnisse der Trägerbefragung im Rahmen der Machbarkeitsstudie „Monitor politische Bildung". In: Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (Hrsg.): Zeitschrift Außerschulische Bildung. 1/2026 mehr lesen
    Im Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse einer über den Pilotmonitor hinausgehenden Analyse der Daten einer Trägerbefragung im Bereich nonformaler politischer Bildung vorgestellt.

     

Veröffentlicht am 08.06.2026

 

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