Partizipationsbiographien Jugendlicher. Zur subjektiven Bedeutung von Partizipation im Kontext sozialer Ungleichheit

Bibliografische Angaben

von Schwanenflügel, Larissa (2015): Partizipationsbiographien Jugendlicher. Zur subjektiven Bedeutung von Partizipation im Kontext sozialer Ungleichheit, Wiesbaden. (300 S.)

Larissa von Schwanenflügel untersucht mit Hilfe eines biografischen Zugangs die Partizipationserfahrungen benachteiligter Jugendlicher in der Offenen Jugendarbeit. Hierzu analysierte sie vergleichend die Partizipationsbiografien von neun Jugendlichen. Zusätzlich wurden die Partizipationserfahrungen von drei Jugendlichen detailliert rekonstruiert. Sie zeigt auf, dass Anerkennung und Sichtbarkeit für die Jugendlichen zentral waren. „Im Hinblick auf die subjektiven Bedeutungsdimensionen von Partizipation zeigt sich, dass für die interviewten Jugendlichen das Jugendhaus auf unterschiedliche Weise einen zentralen sozialen Ort darstellt, an dem sie Zugehörigkeit, Geborgenheit und emotionalen Rückhalt suchen.“ (von Schwanenflügel 2015, S. 194f).

Darüber hinaus war Selbstwirksamkeit für die Jugendlichen wichtig. Aus den Interviews wird deutlich, dass Anlässe und Motive zum Engagement von den biografischen Bewältigungsthemen und Erfahrungen der Jugendlichen geprägt waren. Aus den Ergebnissen folgert die Autorin, „dass Partizipationskompetenz weniger eine Frage formaler Bildung und Kompetenz, eines Wissens um demokratische Verfahrensfragen oder zivilgesellschaftlicher Einstellungsmuster ist, sondern in erster Linie ein Aneignungs- und Subjektbildungsprozess.“ (a.a.O., S. 271). Sie zeigt auf, dass die Jugendlichen nicht in dem Bewusstsein handelten, sich politisch einzumischen. Sie deuteten ihr Partizipationshandeln viel mehr als Aktivsein, Arbeit oder Aufopferung. „Wie die Rekonstruktionen der Partizipationsbiografien zeigen, können ein öffentlicher Ort und pädagogischer Kontext, für die Jugendarbeit hier exemplarisch steht, dazu beitragen, dass junge Menschen Partizipation als subjektiv sinnvolles Handeln erfahren und dadurch so weit gestärkt werden, dass es gelingt, diese Erfahrung von diesem eher geschützten, öffentlichen Ort auch auf andere Lebensbereiche zu übertragen.“ (a.a.O., S. 275). Sie beschreibt, dass, um Jugendliche mit (auch politischen) Partizipationsmöglichkeiten zu erreichen, zuvorderst Subjektentwicklung ermöglicht werden muss und weniger in Kategorien von Angeboten und Bildungsmaßnahmen gedacht werden sollte. 

 

Bezugsquelle: Springer-Verlag

 

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