Die Schule als Ort zum Lernen demokratischer Tugenden?!– Vertiefte Auswertung der FES-Jugendstudie 2015
Bibliografische Angaben
Pfanzelt, Hannah / Gaiser, Wolfgang / Ott, Kerstin (2018): Die Schule als Ort zum Lernen demokratischer Tugenden?! Ergebnisse der FES-Jugendstudie 2015. Vertiefte Auswertung der Jugendstudie zu „Politische Bildung in der Schule“. Berlin. (8 S.)
Pfanzelt, Gaiser und Ott 2018 führten eine vertiefte Auswertung der Jugendstudie 2015 der Friedrich Ebert Stiftung (FES) zu der Frage durch, „wie und inwieweit Schule Ort der Aneignung demokratischer Tugenden sein kann“ (a.a.O.: 1). Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Schule ein wichtiger Möglichkeits- und Handlungsraum für Jugendliche ist, um sich aktiv einzubringen. Es wurde auch festgestellt, dass Schule Politikverständnis fördern kann, „aber das alleine überträgt sich kaum in politisches Handeln“ (ebd.).
Forschungsdesign
Die FES-Jugendstudie 2015 untersuchte politische Einstellungen und politisches Engagement junger Menschen im Alter von 14 bis 20 Jahren. In einer vertieften Auswertung arbeiten Pfanzelt, Gaiser und Ott nun das Verhältnis zwischen außerschulischer und schulischer politischer Bildung und Merkmalen demokratischer Tugenden unter Berücksichtigung von motivationalen und sozialen Faktoren heraus. Bei der Analyse von demokratischen Tugenden beleuchten die Autor_innen die Wissens- und Kompetenzebene, Einstellungen zu demokratischen Werten, politischen Institutionen und Akteuren sowie Partizipationsbereitschaft. Insbesondere betrachten die Autor_innen in der vertiefenden Auswertung „1. die Förderung des Politikverständnisses in der Schule (Wissen), 2. Partizipationsmöglichkeiten im schulischen Kontext (Handeln) und 3. [die; FpB] Wahrnehmung von Angeboten politischer Bildung außerhalb des schulischen Kontextes (Netze).“ (a.a.O.: 2).
Ergebnisse
Vertiefte Auswertung 2018
In Bezug auf die Frage nach der Förderung des Politikverständnisses in der Schule kommen die Forscher_innen zu dem Schluss, dass politisches Wissen, das die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Schule erlernen, sich nicht direkt in politisches Handeln überträgt. Diejenigen Jugendlichen, die die Förderung ihres Verständnisses als stark einschätzen, sind nur geringfügig aufgeschlossener für aktive politische Partizipation als solche, die aus der Schule nur wenig Wissen mitgenommen haben.
Eine größere Rolle für das Lernen in der Schule für das Leben in der Demokratie können Erfahrungen aktiver Beteiligung im Schulkontext spielen (a.a.O.: 3). In der Jugendstudie von 2015 konnten die befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen Angaben zu acht unterschiedlichen Partizipationsmöglichkeiten im Schulkontext machen. Pfanzelt, Gaiser und Ott kommen zu dem Ergebnis, dass vielfältige Beteiligungsformen in der Schule, die die Schüler_innen zur Partizipation ermutigen, ausgleichend gegenüber sozialer Ungleichheit und integrierend für Schüler_innen mit Migrationshintergrund wirken (a.a.O.: 4). In besonderer Weise geht ein hohes Maß an Beteiligung in der Schule mit deutlich stärkerem Selbstvertrauen in die eigene politische Handlungsfähigkeit und Gestaltungsfähigkeit innerhalb einer Gruppe einher. Auch die Hürden für politische Beteiligung werden als geringer wahrgenommen (a.a.O.: 5). „Junge Menschen, die in der Schule aktiv waren, sind häufiger auch außerschulisch aktiv, sowohl in gesellschaftlichem Umfeld (d.h. in Vereinen und Organisationen) als auch politisch (institutionell wie nicht-institutionell)“ (a.a.O.: 6).
Bei der vertieften Auswertung der Wahrnehmung von Angeboten politischer Bildung stellten die Forscher_innen fest, dass die Vielfalt der Angebote von schulischer und außerschulischer politischer Bildungsarbeit „zahlreiche Möglichkeiten bietet, Kompetenzen zu stärken, Zugangschancen zu eröffnen und Demokratie für alle erlebbar zu machen“ (a.a.O.: 6). „Gerade junge Menschen, die sozial (durch aktive Freundeskreise und politisch interessierte Eltern), organisationell (durch Engagement in Vereinen und NGOs) und institutionell (in Gewerkschaften oder Parteien) eingebunden sind, nutzen Angebote politischer Bildung. Anders herum interpretiert, werden so wichtige Zugänge und Netze gestärkt, weshalb diesen Angeboten eine wesentliche Rolle zur Stärkung junger engagementbereiter Demokratinnen und Demokraten zukommt“ (a.a.O.:6).
Schlussfolgerungen für die Bildungsarbeit
Abschließend stellen die Autor_innen fest, dass die Ergebnisse der FES-Jugendstudie 2015 zeigen, dass politische Bildung und Beteiligung im schulischen wie außerschulischen Kontext zur Aneignung demokratischer Tugenden beitragen kann: 1. Politische Bildung fördert demokratische
Einstellungen! 2. Politische Bildung fördert demokratische Teilhabe! 3. Politische Bildung stärkt das
Gleichheitsprinzip! (a.a.O.: 6f.)
„Die Chance für politische Bildungsarbeit besteht in der Vielfalt ihrer Angebote: von institutionalisierten Beteiligungsmöglichkeiten in der Schule, über Projekttage, Arbeitsgemeinschaften bis hin zu außerschulischen Planspielen und BarCamps sowie Informations- und Beteiligungsgelegenheiten im Netz. Damit zeigen sich zahlreiche Möglichkeiten, Kompetenzen zu stärken, Zugangschancen zu eröffnen und Demokratie für alle erlebbar zu machen“ (a.a.O.:6).
Download der vertieften Untersuchung [ PDF | 781 KB ]
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