Entwicklungspolitische Bildung. Basiskonzepte und empirische Befunde.
Bibliografische Angaben
Weber-Blaser, Timo (2011): Entwicklungspolitische Bildung. Basiskonzepte und empirische Befunde. Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag (231 S.)
Timo Weber-Blaser untersuchte empirisch Deutungsmuster von Fünfzehnjährigen zum Thema Entwicklungspolitik. Die Arbeit ist inhaltlich im Bereich des Globalen Lernens zu verorten und stützt sich auf die Theorie des kognitionspsychologischen Konzeptlernens. Der Forscher arbeitet mit didaktisch begründeten Gegensatzpaaren wie Armut vs. Reichtum oder Protektionismus vs. Freihandel. Ziel war es, Hypothesen zu den entwicklungspolitischen Basiskonzepten von Realschüler_innen zu entwickeln.
Dafür wurden zwölf qualitative, problemzentrierte Interviews mit Schüler_innen im ländlichen Raum in Baden-Württemberg geführt (a.a.O.: 125). Zu allgemeinen Begriffen der Entwicklungspolitik sowie weiteren Kategorien wie Rohstoffe, Armut und Reichtum, Ländergrößen, Afrika, Umwelt, Kultur, Krieg und Frieden, Krankheiten und Medizin, Migration, Brunnen, Demographie, Hilfe, Globalisierung, Kolonialismus und Governance konnten jeweils Hypothesen für Deutungsmuster gebildet werden. Die Konzepte der Schüler_innen stellen aus Sicht des Autors einen „Wissensanker“ für politische Urteile dar (a.a.O.: 218). Die Studie zeigt, welches Wissen bereits vorliegt und bietet beispielsweise Anknüpfungsmöglichkeiten für die Unterrichtsgestaltung.
Es konnten, aus der Sicht des Autors, auch problematische Konzepte identifiziert werden, wie die Ablehnung von „Trade not Aid“ („Handel statt Hilfe“) und die Betrachtung des Islam als Bedrohung. Zudem konnte ein Fehlen von Wissen zu ökonomischen Zusammenhängen nachgewiesen werden. Ausreichendes Wissen ist laut Weber-Blaser jedoch zentral, um angemessen politisch urteilen zu können. Er kommt zu folgendem Schluss: „Will politische Bildung sich den tatsächlichen epochaltypischen globalen Herausforderungen stellen und die Trivialisierung komplexer Zusammenhänge verhindern, so ist teilweise ein inhaltliches Umsteuern unabdingbar“ (a.a.O.: 219). Die Untersuchung zeigt außerdem, dass zwar der Begriff der Demokratie von den Jugendlichen befürwortet wird, sie deren Prinzipien jedoch „skeptisch bis ablehnend“ gegenüberstehen (a.a.O.: 220).
Anmerkungen der Transferstelle politische Bildung
Die didaktische Relevanz der Arbeit für das Globale Lernen ergibt sich aus den Herausforderungen der Globalisierung, die sich Schüler_innen gegenwärtig und zukünftig stellen. Die subjektiven Ansichten der befragten Jugendlichen geben darüber Auskunft, welche Perspektiven von Gemeinwohl sie in ihren Positionen zu entwicklungspolitischen Fragestellungen vertreten. Werden eher nationale oder weltbürgerliche Interessen berücksichtigt? Politikunterricht kann ein Gegengewicht zu diesen Perspektiven bieten und die Konzepte der Jugendlichen können als Ausgangspunkt für die Entwicklung von vernetztem Wissen dienen.
Bezugsquelle: Wochenschau Verlag
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