Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen im Schulwesen. Eine Studie zu Ungleichheitspraktiken im Berufskontext
Bibliografische Angaben
Fereidooni, Karim (2016): Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen im Schulwesen. Eine Studie zu Ungleichheitspraktiken im Berufskontext. Wiesbaden: Springer VS (400 S.)
Karim Fereidooni widmet sich in seiner empirischen Studie Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen von Lehrer_innen und Referendar_innen. Ziel der Studie war es, Antworten auf die Fragen zu bekommen, ob, in welchem Ausmaß und durch wen Lehrpersonen mit Migrationshintergrund Diskriminierung bzw. Rassismus in der Schule erfahren. Des Weiteren wurden die Bewältigungsstrategien dieser Personen untersucht, das heißt wie sie mit ihren Erfahrungen umgehen, um trotz (rassistischer) Diskriminierung, weiterhin als Lehrkraft tätig sein zu können.
Nach zehn Pre-Interviews wurden zwei umfangreiche Teilstudien konzipiert und durchgeführt.
Der quantitative Teil umfasste einen Fragebogen, den 159 Lehrkräfte mit Migrationshintergrund ausfüllten. Im Fragebogen wurden personenbezogene Daten, wie beispielsweise Geschlecht, aber auch Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen abgefragt. Im qualitativen Teil wurden insgesamt zehn ausgewählte Untersuchungsteilnehmer_innen interviewt und ihnen Fragen zu Diskriminierungserfahrungen, jedoch nicht zu Rassismuserfahrungen , im beruflichen Kontext gestellt. Dadurch wurde der Fokus erweitert und Diskriminierung nicht auf Rassismus beschränkt. Die leitfadengestützten Interviews wurden mit der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet.
Im Fragebogen gaben 60 Prozent der befragten Lehrkräfte an, Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen im Berufskontext erlebt zu haben. Im qualitativen Teil der Studie wurden von den Befragten anschließend zehn Lehrpersonen interviewt. Die Hälfte dieser zehn Personen hatte im Fragebogen angegeben, dass sie Diskriminierungserfahrungen im Arbeitskontext machen, die andere Hälfte gab an, keine gemacht zu haben. Fereidooni kommt in der qualitativen Teilstudie zu dem Ergebnis, dass alle zehn Interviewpartner_innen, auch die Lehrkräfte, die im Fragebogen angegeben hatten, keine Diskriminierungserfahrungen im Arbeitskontext gemacht zu haben, diskriminiert wurden. Diese Diskrepanz zwischen den eigenen Angaben der Lehrpersonen im Fragebogen und der qualitativen Analyse könnte laut Fereidooni daran liegen, dass sie sich nicht diskriminiert fühlen oder sich scheuen, Diskriminierung als solche zu benennen (a.a.O.: 316). Als Bewältigungsstrategien identifiziert er Anpassung, Authentizität, Idealismus, Distanzierung und Resignation (a.a.O., 217 ff.). Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der soziale Interaktionsraum Schule diskriminierungs- und rassismusrelevant vorgeprägt ist und diskriminierendes Verhalten begünstigt (a.a.O.: 325).
Bezugsquelle: Springer VS
Zum Weiterlesen
- „Man kann hundert Mal sagen, ,Ich bin Deutscher‘. Es kommt darauf an, wie die Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten einen sehen.“ Interview mit Karim Fereidooni (Teil 1) mehr lesen
- „Politische Bildung braucht Forschung zu Alltagsrassismus.“ Interview mit Karim Fereidooni (Teil 2) mehr lesen
Ähnliche Studien/Autor_innen: