„Welche Emotionen werden im Unterricht erlebt und wie hängen sie mit dem Lernverhalten im Bereich politischer Bildung zusammen?“ Fünf Fragen an Elisabeth Graf

Portraitfoto Elisabeth Graf

Dr.in Elisabeth Graf (Foto: © Ines Blatterer)

Dr.in Elisabeth Graf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund. Schwerpunktmäßig widmet sie sich der Erforschung der psychologischen Prozesse beim Lernen über Politik. Im Interview berichtet sie über ihre Forschung zur Rolle von Emotionen und Motivation in der politischen Bildung.


1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung? 

Im Moment beschäftige ich mich im Projekt MIiCE (Motivational Interventions in Civic Education) mit der Förderung von Motivation in der politischen Bildung. Ziel des Projekts ist es, Möglichkeiten für die Förderung des politischen Interesses und der politischen Wirksamkeitserwartung von Jugendlichen in Bildungskontexten zu untersuchen. Zuvor hatte ich mich in meiner Dissertation mit der Rolle von Emotionen in der politischen Bildung beschäftigt.


2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse schätzen Sie als besonders relevant für die Praxis politischer Bildung ein?

Meine Forschung hat ergeben, dass unterschiedlichste Emotionen erlebt werden und dass Emotionen bedeutend mit Zielen politischer Bildung zusammenhängen. Dabei kann sich die Wirkrichtung einer Emotion unterscheiden: Während etwa Angst, bezogen auf den Unterricht in der politischen Bildung, negativ mit Wissen zusammenhängt, zeigten sich positive Zusammenhänge mit der erwarteten politischen Beteiligung (z.B. Teilnahme an Demonstrationen, Unterschriften für Petitionen sammeln). Eindeutig negativ waren hingegen die Zusammenhänge von im Unterricht erlebter Langeweile mit Lernen. Schüler*innen, die von mehr Langeweile im Unterricht berichteten, gaben auch weniger richtige Antworten auf Wissensfragen zu politischen Themen und sprachen von einer geringeren Wahrscheinlichkeit, sich in Zukunft politisch zu beteiligen.

 

3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?

Die Forschung zu Emotionen und Motivation ist für mich weiterhin ein sehr spannendes Feld. Auch im Kontext von politischer Bildung im Unterricht wissen wir noch weit weniger als in anderen Fächern, wie etwa Mathematik. Hier sollte die Forschung die Mikroprozesse des Lernens über Politik in den Fokus nehmen, um die Unterrichtspraxis in der politischen Bildung besser zu verstehen. Zum Beispiel wäre es spannend, sich auch Dynamiken innerhalb einer Unterrichtsstunde anzusehen: Welche Emotionen werden erlebt und wie hängen sie mit dem Lernverhalten der Schüler*innen zusammen? Wir wissen bereits sehr viel über Zusammenhänge, wie etwa zwischen einem offenen Klassenklima und politischem Wissen. Es fehlt aber oft an Studien, die gezielt auch Ursache-Wirkungs-Beziehungen identifizieren.

 

4. Welchen Gewinn kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis und ein Austausch zwischen den Wissenschaftsdisziplinen für die politische Bildung bringen?

Wissenschaft ist kein Selbstzweck, sondern strebt auch immer den Transfer in die Praxis an. Um das möglich zu machen, auch schon bei der Planung und bei der Durchführung von empirischen Studien, ist eine enge Kooperation mit Expert*innen aus der Praxis erforderlich. Umgekehrt können Personen aus der Praxis von neuen Erkenntnissen und Ansätzen aus der Wissenschaft profitieren. 


5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Alle Anfragen mit Interesse an Kooperationen oder an meiner Forschung sind sehr willkommen. Besonders freue ich mich über Anfragen, die sich auf involvierte psychologische Prozesse beim Lernen über Politik beziehen.
 

 

Veröffentlicht am 19.03.2026


Zum Weiterlesen

  • Sie finden Dr.in Elisabeth Graf auch in der Landkarte der Forschung zur politischen Bildung
  • Graf, Elisabeth / Goetz, Thomas / Bieleke, Maik / Murano, Dana (2024): Feeling politics at high school: Antecedents and effects of emotions in civic education. In: Political Psychology. 45. Jg., H. 1. mehr lesen
  • Graf, Elisabeth / Stempfer, Lisa / Muis, Krista R. / Goetz, Thomas (2024): Classroom emotions in civic education: A multilevel approach to antecedents and effects. Learning and Instruction H. 90, Artikel 101869 mehr lesen
  • Graf, Elisabeth / Donath, J. L. / Botes, E. / Voracek, M. / Goetz, Thomas (2024): The associations between discrete emotions and political learning: A cross-disciplinary systematic review and meta-analysis. Educational Psychology Review. 36. Jg., H. 3, Artikel 77 mehr lesen 
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