Dr. Pascal Alscher ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Empirische Bildungsforschung mit dem Schwerpunkt Lehren und Lernen im schulischen Kontext am Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund. Im Interview gibt er Einblick in aktuelle Forschungsprojekte und Erkenntnisse zu politischen Kompetenzen im Jugendalter und Zielen schulischer politischer Bildung bzw. dazu, wie diese erreicht werden können. Er fordert hierzu mehr und vor allem kontinuierliche empirische Forschung.
1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung?
In meinem letzten Forschungsprojekt „Studie zur Entwicklung politischer und gesellschaftlicher Kompetenz im Jugendalter (EPKO)“ habe ich gemeinsam mit Kolleg*innen ein Rahmenmodell zur Erfassung von Civic Literacy, also der Kompetenz für politische und gesellschaftliche Teilhabe, entwickelt. Darauf aufbauend untersuchen wir im Projekt „Studie zur Entwicklung von Civic Literacy im Jugendalter (CIVIC)“, welche schulischen und unterrichtlichen Faktoren die Vermittlung politischer Inhalte begünstigen und wie sich Civic Literacy über die Zeit entwickelt. In einem Kooperationsprojekt mit Kolleg*innen aus Los Angeles forsche ich außerdem zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten politischer Bildung in den USA und in Deutschland. Schließlich bin ich an der Erfassung von Civic Literacy im Nationalen Bildungspanel beteiligt.
2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse schätzen Sie als besonders relevant für die Praxis politischer Bildung ein?
Zwei Befunde erscheinen mir für die Praxis besonders relevant. Erstens zeigt unsere Forschung, dass politische Bildung unterschiedliche Ziele verfolgt – etwa Wissen, Motivation, Einstellungen und Handlungsbereitschaften – und dass diese nicht über dieselben Unterrichtsmerkmale erreicht werden. Unterricht sollte daher zielsensibel gestaltet werden. Hierfür ist es wichtig, dass wir verstehen, welche Merkmale mit welchen Zielen zusammenhängen. Zweitens sehen wir, dass sich die Komponenten der Civic Literacy im Laufe der Sekundarstufe I unterschiedlich entwickeln. Das zeigt uns, dass politisches Wissen zwar wichtig ist, aber nicht automatisch zu weiteren Zielen politischer Bildung führt.
3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?
Ich wünsche mir, dass stärker beforscht wird, wie sich Kompetenzen für politische und gesellschaftliche Teilhabe entwickeln und wie antidemokratische Einstellungen frühzeitig erkannt und präventiv adressiert werden können. Politische Bildung braucht dafür eine empirisch fundierte Grundlage (z.B. über ein systematisches bundesweites Monitoring), um wirksam und zielgerichtet zu handeln.
4. Welchen Gewinn kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis und ein Austausch zwischen den Wissenschaftsdisziplinen für die politische Bildung bringen?
Der Austausch mit Bildungspraktiker*innen und insbesondere Lehrkräften ist für uns zentral, um konkrete Bedarfe und Herausforderungen der politischen Bildung zu erkennen. Zugleich ist die Rückbindung unserer Forschungsergebnisse an die schulische Realität anspruchsvoll und wir sind uns der besonderen Bedeutung dieser Aufgabe bewusst. Über Formate wie Tuesdays for Education versuchen wir daher gezielt, unsere Forschungsergebnisse für die Bildungspraxis zugänglich und diskutierbar zu machen.
5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?
Grundsätzlich freue ich mich über jede Kontaktaufnahme, die das Ziel verfolgt, politische Bildung weiterzuentwickeln, den Transfer zwischen Forschung und Praxis zu stärken oder zu diesen Themen in einen gemeinsamen Austausch zu treten. Besonders interessiert bin ich an Austausch und Kooperationen rund um die Frage, wie der Erfolg politischer Bildung empirisch fundiert erfasst werden kann.
Veröffentlicht am 27.02.2026
Zum Weiterlesen
- Sie finden Dr. Pascal Alscher in der Landkarte der Forschung zur politischen Bildung.