Information und Vernetzung – Bedarfe und Erwartungen an online-gestützte Fortbildungsangebote
Bibliografische Angaben
Schöb, Sabine et. al. (2015): Information und Vernetzung – Bedarfe und Erwartungen an online-gestützte Fortbildungsangebote. URL: http://www.wb-web.de/downloads.html (abgerufen am 25.06.2015) (18 S.)
Erwartungen und Bedarfe von Weiterbildner_innen an ein Online-LernportalErwartungen und Bedarfe von Weiterbildner_innen an ein Online-LernportalErwartungen und Bedarfe von Weiterbildner_innen an ein Online-Lernportal
In der Veröffentlichung werden die Ergebnisse einer Umfrage der Universität Tübingen zum Bedarf und Erwartungen an online-gestützte Fortbildungsangebote von Lehrkräften in der Weiterbildung dargestellt. Aus den Ergebnissen, die Aufschluss über benötigtes Wissen und den Wunsch nach Austausch geben, wurde das Informations-, Vernetzungs- und Lernportal `wb-web` entwickelt.
Untersuchungsdesign
Die Umfrage wurde im Frühjahr 2014 im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) von der Universität Tübingen durchgeführt. Mit Hilfe eines Online-Fragebogens (offene und geschlossene Fragen) wurden 1.305 Personen aus Deutschland Österreich und der Schweiz befragt, die im Feld der Erwachsenenbildung/Weiterbildung tätig waren. Ziel war die Bedarfserhebung zur Entwicklung des "nicht kommerziellen Informations-, Vernetzungs- und Lernportal[s] >>wb-web<<, das auf die Kompetenzentwicklung aller Lehrkräfte in der Weiterbildung abzielt." (Schöb et. al. 2015, S. 4).
Ergebnisse
Ausgangslage: Mangel an Fachportalen und Austausch über Grenzen von Einrichtungen und Fachbereichen hinaus
Ein Ergebnis der Befragung war, dass die Lehrkräfte einen Mangel an Fachportalen für die Erwachsenen- und Weiterbildung beklagten. "Nur ein Drittel […] gab an, Fachportale zu nutzen, wobei die Internetseiten des DIE und des Deutschen Bildungsservers als zentrale Informationsquellen genannt werden." (a.a.O., S. 6).
Zwar tauschten sich die Befragten mit Kolleg_innen aus, dies bezog sich jedoch nur auf die eigenen Einrichtungen oder den eigenen Fachbereich. Die Lehrkräfte wünschten sich einen Austausch über diese Grenzen hinweg.
Bedarfe: Theoretisches Wissen und konkrete Handlungshilfen
Ein hohes Interesse bestand an theoretischem Wissen. Hier meldeten die Lehrkräfte Bedarf an Wissen über didaktische Konzeptionen und methodisch-mediale Umsetzungen an. Sie wünschten sich außerdem mehr über Lernprozesse und -barrieren von Lernenden zu erfahren. Weitere Themen waren die Diagnose von Lernständen, die Kommunikation und Interaktion mit heterogenen Lerngruppen sowie der Umgang mit Konflikten im sozialen Bereich. "Aus Sicht der Befragten besteht dabei nicht nur Bedarf an Wissen zu den genannten Themen, vielmehr sind konkrete Handlungshilfen – möglichst in Form von Open Educational Resources (OER) – besonders begehrt." (ebd.). Hierfür wünschten sich die Befragten "konkrete Hinweise zur Qualität der OER und zu deren Einsetzbarkeit in der Praxis" (S. 11). Daneben wurden Checklisten und Handlungsanleitungen zur Qualitätssicherung des eigenen pädagogischen Handelns genannt. Es wurde aber auch Interesse an empirischen Erkenntnissen zur Wirksamkeit didaktischer Werkzeuge und Konzepte, sowie Fallbeispiele zur praktischen Durchführung, geäußert.
"Bei den Lehrkräften besteht ein hoher Bedarf an orientierendem Wissen über den Markt, die organisationalen Anbieter sowie die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen der Weiterbildungslandschaft." (a.a.O., S. 14). Als nützlich empfanden sie Porträts von Handlungsfeldern und Einrichtungen der Erwachsenen- und Weiterbildung, Jobbörsen und Fortbildungsmöglichkeiten. Diese würden "hilfreiche Informationen bieten, das Feld zu sondieren und dieses anhand von News und Trends zur Erwachsenenbildung/Weiterbildung […] kritisch zu hinterfragen." (ebd.).
Bedarfe: Gemeinsames Lernen und Austausch
Als weiteres wurde ein Bedarf nach Lernräume geäußert, in denen Kompetenzen trainiert und das erlangte Wissen erprobt werden kann. Hierzu zählten auch Online-Arbeitsumgebungen und virtuelle Klassenzimmer. "Des Weiteren zeigen die Befragten auch eine ausgeprägte Affinität gegenüber der Bilanzierung ihrer eigenen Kompetenzen." (a.a.O., S. 12). Die gewünschten Bilanzierungstools auf dem geplanten Onlineportal sollten daher der Selbsteinschätzung und Verbesserung der eigenen Lernumgebungen dienen. Die Lehrkräfte wünschten sich auch den Austausch mit Kolleg_innen und Expert_innen. Dies "spricht für die Einrichtung einer Vernetzungsstruktur und die Initiierung von communities of practice, die durch ein gemeinsames Lernen geprägt sind." (a.a.O., S. 6). Die Befragten zeigten sich bereit Mitglied in einer geschützten Community zu werden, was die Erstellung eines eigenen Profils und die Vernetzung mit weiteren Nutzer_innen beinhalten würde. Jedoch bestand Zweifel gegenüber dem Austausch von Video- und Bilddaten.
Erwartungen: Flexible Nutzung, geringer Aufwand und Anpassungsfähigkeit
Als Wünsche und Erwartungen an ein Onlineportal äußerten die Befragten, dass dieses nicht nur die zuvor genannten Ansprüche an die Qualität erfüllen müsste, sondern auch zeitlich und örtlich flexibel nutzbar sein sollte. Eine möglichst große Selbststeuerung bei der Nutzung der Lernangebote und -inhalte wurde gewünscht. Die Angebote sollten sich für die individuelle Nutzung anpassen lassen. "Davon versprechen sie sich, ihre Interessenschwerpunkte vertiefen bzw. situative Hilfen für Fragen und Problemstellungen in ihrem alltäglichen Lehrhandeln erlangen zu können." (a.a.O., S. 13). Jedoch sollte dies mit möglichst geringen zeitlichen (Koordinations-)Aufwand und Präsenzzeiten vor dem PC verbunden sein. Dennoch wollten die Lehrkräfte sich gerne an der Erstellung neuer Inhalte beteiligen.
Erwartungen: Soziales Netzwerk mit Kommentierungsmöglichkeiten
Der gewünschte Austausch mit Kolleg_innen und Expert_innen müsste anonymisiert und zeitlich versetzt erfolgen können (z.B. in Foren). Ein Wunsch bestand darin, die Erfahrungen anderer Lehrkräfte beim Einsatz von Methoden und Material bezüglich ihrer Reichweite und Anwendbarkeit zu erfahren. "Reviews und Kommentierungsmöglichkeiten zur Einschätzung und Diskussion […] könnten hier Ansatzmöglichkeiten bieten." (ebd.).
"Technische Niedrigschwelligkeit, inhaltliche Seriosität, Freiwilligkeit der Teilnahme sowie gegenseitiges Geben und Nehmen innerhalb des sozialen Netzwerks stellen zentrale Entwicklungsherausforderungen für den Aufbau und Betrieb eines Onlineportals dar." (a.a.O., S. 6).
Schlussfolgerungen
"Ausgehend von den dargelegten Voraussetzungen und Bedarfen der Lehrenden soll im Rahmen einer Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung mit >>wb-web<< ein Internetportal zunächst als Informations- und Informationsinfrastruktur aufgebaut werden." (a.a.O., S. 17). Für dieses Angebot sollen die Bedarfe und Erwartungen der Lehrenden berücksichtigt werden. Es soll Angebote von Planung über Umsetzung bis zur Evaluation enthalten. Auf einer Austauschplattform wird die Möglichkeit zur Diskussion mit Kolleg_innen und gemeinsamen Lernprozessen gegeben. "Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Portal um konkrete Trainings und Tests zur Kompetenzentwicklung Lehrender erweitert werden." (ebd.).
Anmerkungen der Transferstelle politische Bildung
Die Veröffentlichung zeigt kurz und übersichtlich auf, welche Bedarfe und Erwartungen Lehrende in der Erwachsenen- und Weiterbildung an ein Online-Lernportal haben. Deutlich wird, welches Wissen und Handlungshilfen benötigt werden und wie ein Lernportal aussehen sollte, dass den Wünschen der Lehrkräfte gerecht wird. Auch für die politische (Erwachsenen-)Bildung sind diese Ergebnisse interessant, da sie Aufschluss darüber geben, dass ein Wunsch nach Vernetzung, Austausch und (praktischer) Information der (teilweise nebenberuflichen oder ehrenamtlichen) Lehrkräfte besteht.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.wb-web.de
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