Wirkungen politischer Erwachsenenbildung verstehen. Eine Machbarkeitsstudie

Bibliografische Angaben

Straßer, Peter/Petter, Isabell (2015): Wirkungen politischer Erwachsenenbildung verstehen. Eine Machbarkeitsstudie, Norderstedt. (122 S.)

Studie gibt Einblick in die Wirkungen einer Veranstaltung zur politischen ErwachsenenbildungStudie gibt Einblick in die Wirkungen einer Veranstaltung zur politischen ErwachsenenbildungStudie gibt Einblick in die Wirkungen einer Veranstaltung zur politischen Erwachsenenbildung

Die Studie, die 2014 vom Bildungszentrum Heimvolkshochschule Hustedt e. V. in Zusammenarbeit mit dem Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Leibniz Universität Hannover durchgeführt wurde, beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Lernkultur und persönlichen Wirkungsempfindungen. Hierzu wurde ein Akademiekurs zur politischen Grundbildung untersucht. Mit der Studie sollte gleichzeitig auch ein Erhebungs- und Auswertungsverfahren entwickelt und erprobt werden. Die Ergebnisse sollen dabei helfen pädagogische Angebote und individuelle Lernvoraussetzungen noch besser aufeinander abzustimmen.
 

Untersuchungsdesign

Insgesamt bestand die Datenerhebung aus drei Teilbereichen: narrativ-fokussierte Interviews mit Teilnehmenden, Expert_inneninterviews mit Lehrenden und eine teilnehmende Beobachtung im Akademiekurs. Eine Zufallsauswahl von 14 Teilnehmenden zwischen 39 und 56 Jahren aus Akademiekursen der Jahre 1998, 2003, 2008 und 2014 wurde in die Erhebung einbezogen. Alle Teilnehmenden waren gewerkschaftlich engagiert. Insgesamt nahmen vier Frauen und zehn Männer an der Befragung teil. Die teilnehmende Beobachtung der Lehr-Lernsituation fand an zwei Tagen in der Mitte des Akademiekurses statt. Ergänzend wurden drei leitfadengestützte Expert_inneninterviews mit Lehrenden durchgeführt.

Die Studie sollte Einblicke in die Wirkungen politischer Bildungsangebote, deren Einfluss auf biographische Entwicklungen und auf das politische Handeln bieten. Neben einer qualitativen Inhaltsanalyse wurde eine rekonstruktive Analyse von zwei Interviews durchgeführt, um die Wirkungen politischer Erwachsenenbildung besser zu verstehen. Außerdem sollten so individuelle Anschlüsse und Verwertungsinteressen identifiziert werden. „Im Rahmen der Machbarkeitsstudie sollte zunächst geprüft werden, ob anhand der Rekonstruktion einer Kategorie – hier der Kategorie »Biografie: Zugang, Ausprägung politisches Interesse« - Informationen gewonnen werden können, die in Kombination mit einer inhaltsanalytischen Auswertung differenzierte Einschätzungen von Wirkungszuschreibungen ermöglichen.“ (Straßer/Petter 2015, S. 89). Die Autor_innen betonen, dass es in der Studie nicht um die Frage geht, welche Vorgehensweisen, welche Veränderungen hervorbringen, sondern darum individuelle Wirkungszuschreibungen nachvollziehbar zu machen. Der Fokus lag auf subjektiv empfundenen Wirkungsverständnissen und nicht auf objektiven kausalen Zusammenhängen.

Die Heimvolkshochschule ist eine Einrichtung der Jugend- und Erwachsenenbildung. Angeboten werden Kurse im Bereich allgemeiner Erwachsenenbildung und politischer Bildung für Arbeitnehmende. Der sechswöchige Kurs zu Grundlagen politischer Bildung mit jeweils 15 bis 20 Personen besteht bereits seit mehreren Jahren. Im Kurs sollten „politische Meinungsbildungsprozesse und Umsetzungsfähigkeiten politischer Mitwirkung im Rahmen kollektiver Lernerfahrungen“ (a.a.O., S. 19) entwickelt werden. Zudem sollte er für gesellschaftliches und politisches Engagement in der lokalpolitischen und gewerkschaftlichen Interessenvertretung qualifizieren. Neben biografischen Bezügen standen gesellschaftspolitische Kontexte im Vordergrund.
 

Ergebnisse

Qualifikation und Wissenserweiterung waren häufige Wünsche

Das häufigste Motiv zur Teilnahme war das Interesse sich zu qualifizieren, insbesondere wenn die Teilnahme im Rahmen einer gewerkschaftlichen Qualifizierung stattfand. Weiterhin wünschten sich die Teilnehmenden häufig, ihr Wissen zu erweitern. Oft wurde auch eine Verbindung von beidem genannt. Vier Teilnehmende wurden von außen (durch die Gewerkschaft) auf den Kurs aufmerksam gemacht und wurden hierdurch zur Teilnahme motiviert.

 

Kurs war eine wichtige Station der gewerkschaftlichen Entwicklung

Viele Interviewaussagen der Teilnehmenden betrafen die Anregung des gewerkschaftlichen Engagements. „Durch die politische Einstellung hat sich ein Willen zum politischen Handeln verfestigt, der sich auch noch über Jahre nach dem Kurs zeigt“ (a.a.O., S. 58). Für viele war der Kurs eine wichtige Station in ihrer gewerkschaftlichen Entwicklung. Die Teilnehmenden erlangten dort Handlungswissen für ihre gewerkschaftliche Arbeit. Aufgrund dieses Handlungswissens wurden auch neue Handlungsmöglichkeiten ersichtlich und genutzt. Im Kurs wurde außerdem das Verständnis von Strukturen und Prozessen gefördert und die Teilnehmenden auf die angestrebte Position vorbereitet. Für zwei Teilnehmende war der Kurs eine Bestätigung ihrer gewerkschaftlichen Arbeit, ein Teilnehmender nannte ihn als Möglichkeit die eigene Position in der Gewerkschaft besser vertreten zu können. Durch die Teilnahme am Kurs empfanden einige Teilnehmende, dass ihre Arbeit von der Gewerkschaft gewertschätzt wurde. Insgesamt wurde die Gewerkschaftsarbeit als Chance betrachtet, anderen Menschen helfen zu können.

 

Stärkung und Veränderung des politischen Interesses

Sowohl durch die Inhaltsanalyse, als auch durch die rekonstruktive Analyse zeigen die Autor_innen auf, dass politisches Interesse bei den Teilnehmenden schon vor dem Akademiekurs vorhanden war. Als häufigste Gründe dafür wurden „»Vorbilder/Personen«, »Erfahrungen im Arbeitsleben«, »Qualifikationen/Werdegang«, und »Familie, Freunde und Sozialisation«“ (a.a.O., S. 38) genannt.

Auch außerhalb des Betriebs wuchs für viele Teilnehmende, vor allem bei den Teilnehmenden aus dem Kurs 2014, der Wunsch nach mehr politischem Engagement, insbesondere in der Region oder im eigenen Stadtteil. 13 von 14 Teilnehmer_innen machten Aussagen darüber, wie sich ihre politische Position oder ihr politisches Handeln nach dem Kurs veränderten oder verstärkten. Fünf gaben an, dass sich ihre politische Haltung durch den Kurs verstärkt hatte oder bestätigt, geklärt bzw. vertieft wurde. Weitere fünf der insgesamt 14 Teilnehmenden gaben an, dass sich ihr generelles politisches Interesse und ihr Interesse an politischen Themen verstärkte. „Dazu zählt auch eine stärker politisch ausgerichtete Denkweise […], die sich vom bisherigen arbeitsbezogenen Denken unterscheidet und neue Perspektiven eröffnet […] und sich im Alltag im kritischen Umgang mit Informationen oder in Diskussionen zeigt“ (a.a.O., S. 57). 
 

Veränderte Einstellungen zu Weiterbildung und Lernen

Insgesamt neun Teilnehmende machten Aussagen darüber, wie sich durch den Kurs ihre Einstellungen und Möglichkeiten des Lernens veränderten. Viele gaben an, durch den Kurs das Lernen erneut „erlernt“ zu haben. Hierdurch erlangten einige Teilnehmende wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und wünschten sich, sich weiterzubilden. Ihre Einstellung zum lebenslangen Lernen änderte sich und Bildungsprozesse wurden angeregt. Eine Besonderheit war, dass sich die Teilnehmenden auch noch Jahre nach der Teilnahme am Kurs an didaktische Aspekte der Kursgestaltung erinnerten. 
 

Neu gewonnenes Orientierungs- und Zusammenhangswissen

Im Seminar war für die Teilnehmenden besonders die Textarbeit wichtig und nachhaltig. Nach dem Kurs konnten viele systematischer mit Texten und Sachverhalten arbeiten. Bei den älteren Teilnehmenden hatten sich die Techniken auch längerfristig etabliert und fanden Anwendung in ihrer (gewerkschaftlichen) Arbeit, dies traf besonders auf Techniken des strukturierten Arbeitens zu. „Interessant ist, dass oftmals die konkreten Inhalte des Kurses hinter den Methoden zurückstehen und die Teilnehmenden vielmehr zusammenfassend von einem neu gewonnen Orientierungs- und Zusammenhangswissen berichten“ (a.a.O., S. 63). Vier der befragten Teilnehmer_innen versuchten die Techniken auch in eigenen Diskussionen oder Seminaren zu vermitteln. Durch den Kurs hatten viele eine differenzierte Sichtweise auf Themen und Argumentationen erworben.
 

Kurs wurde oft als Gesamtbild erinnert

Wissen wurde in verschiedensten Formen erworben. In den Interviews wurden entweder konkrete Themenbereiche benannt oder Aussagen getroffen, in denen die Wissenserweiterung implizit geäußert wurde z. B. in Form eines Hintergrundwissens oder Fundaments. Die letzten Punkte wurden auch am häufigsten von den Teilnehmenden benannt. Danach folgten Aussagen, in denen generell aber unspezifisch von einem Wissenserwerb gesprochen wurde. „Diese Verteilung macht deutlich, dass die TeilnehmerInnen sich weniger an konkrete Inhalte des Kurses, sondern vielmehr an das Gesamtbild erinnern, welches bei ihnen eine Wirkung entfaltet hat.“ (a.a.O., S. 70). Die Teilnehmenden sprachen davon, dieses Hintergrundwissen im Alltag oder im Betrieb einbinden zu können und im Kurs Informationsquellen erhalten zu haben. 
 

Kritische Sichtweise und Erkennen von Zusammenhängen

Die Teilnehmenden berichten von veränderten Ansichten und Denkprozessen in zwei Bereichen: Zum einen gewannen sie eine kritischere Sichtweise auch auf gewerkschaftliche Arbeit. Zum anderen erlangten sie ein verbessertes Verständnis und Erkennen von Zusammenhängen und Verbindungen, wodurch wiederum weiteres Nachdenken angeregt wurde. Neben Hintergrundinformationen (z. B. historische Hintergründe) wurden Verbindungen zwischen Themen aufgezeigt. „Besonders förderlich für die veränderten Einstellungen und Ansichten waren nach Angaben der TeilnehmerInnen die verschiedenen Perspektiven, die im Kurs vermittelt wurden“ (a.a.O., S. 69). Die Veränderungen hatten Einfluss auf die Arbeit im Betrieb, jedoch standen die Teilnehmenden vor der Herausforderung ihre Erkenntnisse einzubringen. „Durch die Ausführungen der älteren TeilnehmerInnen wird ersichtlich, dass eine Rückkopplung des betrieblichen Alltag an die theoretischen Inhalte und Methoden des Kurses erfolgt ist und die »Denkarbeit« im Kurs als Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung betrachtet wird.“ (a.a.O., S. 68). Teilweise kam es auch zu Verhaltensänderungen. Dazu zählten ein selbstsichereres und toleranteres Auftreten sowie größere Eigeninitiative im Umgang mit Wissen und Lernprozessen. Fast allen war es wichtig, die Erkenntnisse auch weiterzugeben. 

Sehr individuell waren die Veränderungen des Menschenbilds und das verbesserte Verständnis für Entscheidungen und Prozesse einiger Teilnehmenden. Vor allem durch die soziologischen Inhalte des Kurses konnten sie menschliche Verhaltensweisen besser verstehen. Dies war besonders für die gewerkschaftliche Arbeit bedeutend. Einige gaben an, mehr Toleranz gegenüber anderen Meinungen sowie eine ausgeprägtere Sicht auf Ungleichheit erworben zu haben. 
 

Wirkung als langfristiger Eindruck

In der Studie wurden die Wirkungszuschreibungen von ehemaligen und aktuellen Teilnehmer_innen verglichen. Bei den neuen Teilnehmenden kam es vorwiegend zu veränderten Ansichten und zur Wissenserweiterung. Besonders wichtig war für sie die Verknüpfung der Inhalte untereinander. Dennoch wurde der Kurs trotz inhaltlicher Schwerpunkte bereits zu diesem Zeitpunkt als Gesamtbild wahrgenommen. Die ehemaligen Teilnehmenden nahmen weniger Bezug auf die konkrete Wissenserweiterung, diese wurde dann als Wissensfundament wahrgenommen. Die Autor_innen stellen dar „dass es sich bei dem Gefühl, nun kritischer zu denken und zu handeln, zuerst um eine Momentaufnahme und ein Vorhaben handelt. In den Aussagen der älteren TeilnhemerInnen schlägt sich die Wirkung vor allem als langfristiger Eindruck, durch den Kurs in der politischen Haltung und dem politischen Handeln gestärkt worden zu sein, nieder.“ (a.a.O., S. 74). Die ehemaligen Teilnehmenden nutzten langfristig die erworbenen Lerntechniken in ihrem (beruflichen) Alltag. Dies war ein langfristiger Effekt, der zu Beginn nicht sichtbar wurde. 
 

Kurs soll zu kritischem Handeln und Denken befähigen

Insgesamt decken sich die Aussagen der Dozierenden größtenteils mit denen der Teilnehmenden bzw. ihre Aussagen wurden von den Teilnehmenden bestätigt. Die Lehrenden waren sich einig, dass die Teilnehmenden zu kritischem Handeln und Denken befähigt werden sollen. Das Lernen im Kurs benötigt viel Eigenarbeit der Teilnehmenden, insbesondere da das angebotene Wissen mit dem eigenen Vorwissen verknüpft werden soll. Neben Bewältigungs- und Handlungswissen, soll auch Orientierungswissen vermittelt werden: „Darunter verstehen die Dozierenden die Fähigkeit, Erscheinungen und Phänomene der Welt zu hinterfragen und in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen.“ (a.a.O., S. 76). 
 

Fragen nach beruflicher Verwertbarkeit sind gestiegen

Im Laufe der Jahre hat sich der Kurs von starker gewerkschaftlicher Orientierung in Richtung einer breiten politischen Bildung verändert, so die Dozierenden. Die Nachfrage an beruflicher Verwertbarkeit ist gestiegen, die sich verschärfende Arbeitsmarktlage führt auch zu einer veränderten Ausrichtung des Kurses. „Die Dozierenden sehen eine Aufgabe des Akademiekurses in der Ausbalancierung individueller und institutioneller Anforderungen, da von den Teilnehmenden im Anschluss auch Leistungen von einer Organisation erwartet werden“ (a.a.O., S. 79). Ein wichtiges Prinzip des Kurses ist die Orientierung an den Teilnehmenden. Die situative Spontanität wird von den Teilnehmenden gewürdigt, so die Lehrenden. Trotz der Homogenität der Gruppe aus ehrenamtlich Aktiven gibt es auch unterschiedliche, individuelle Erfahrungen und Bedürfnisse.
 

Methoden sind abgestimmt auf Intentionen des Kurses

Die Methoden, so die Lehrenden, sind abgestimmt auf die Intentionen des Kurses. Die Lerninhalte sollten nicht isoliert voneinander vermittelt werden. Außerdem sollte ein demokratisches Verhältnis herrschen, hierarchische Ordnungen aufgelöst werden. „Insgesamt sehen sich die Dozenten als Begleiter oder Anleiter für den Lernprozess, den die TeilnehmerInnen nach ihren eigenen Erwartungen gestalten“ (a.a.O., S. 85). Lehrgespräche und aktivierende Methoden überwiegen, um Teilnehmende einzubinden und erfahrungsbasiertes Lernen zu ermöglichen. Auch hat das selbstorganisierte Lernen hat laut Dozierenden über die Jahre zugenommen.
 

Wirkungsentfaltungen aus Sicht der Lehrenden

Die Dozierenden wiesen darauf hin, dass man Anzeichen für Wirkungsentfaltungen ausmachen könnte, aber nie wisse, ob diese Wirkungen auch wirklich dem Kurs zuzuschreiben seien. „Unter anderem melden Teilnehmer_innen zurück, dass der Kurs eine wichtige Station ihrer gewerkschaftlichen Entwicklung oder auch »ebensprägend« war“ (a.a.O., S. 81). Die Dozierenden sahen, dass die Teilnehmenden zum Beispiel bei späteren Vorträgen selbstbewusster waren, was sie auf das Orientierungs- und Spezialwissen aus dem Kurs zurückführten. Auch bekleideten einige Teilnehmende im Anschluss an den Kurs höhere Ämter. Durch den Kurs wurden Ihnen Handlungschancen bewusst und sie konnten Kritikfähigkeit herausbilden, so die Dozierenden.

Weiterhin gaben die Dozierenden an, dass der Kurs Lust und Neugier aufs Lernen und die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Themen fördert. Sie beschreiben ähnlich wie die Teilnehmenden, dass der Akademiekurs als Ganzes in Erinnerung bleibt. „Beschrieben wird er als »Auszeit« mit Zeit zum Nachdenken“ (a.a.O., S. 82). Trotz der großen Anzahl an Wirkungszuschreibungen wiesen die Dozierenden auf die Grenzen ihrer pädagogischen Arbeit hin. Sie gaben an, nur einen Grundstein legen zu können. Besonders die Rückkehr in die betriebliche Praxis wurde von ihnen problematisiert. „Ein großes Problem wird darin gesehen, dass der Akademiekurs sich in der Mitte des Dreischritts Praxis-Theorie-Praxis befindet und nur vorbereiten kann.“ (a.a.O., S. 83). 
 

Besondere Bedeutung von Zeit und Lernort

„Insbesondere weisen die Aussagen der TeilnehmerInnen und Lehrenden auf die besondere Bedeutung der zeitlichen Dimension politischer Bildung hin. Wirkung entfaltet politische Bildung, so zeigt sich, vor allem durch die Zeit zum Nachdenken, das Kennenlernen anderer Sichtweisen, das Bilden von Netzwerken und die Auszeit vom Alltag.“ (a.a.O., S. 12). Die Lehrenden wiesen darauf hin, dass sich durch die Dauer von sechs Wochen auch schon Wirkungen während des Kurses zeigen können. Sie erhielten die Rückmeldung, dass ein Gefühl der Entschleunigung und die Zeit für Eigenarbeit für die Teilnehmenden wichtig waren. Auch der Lernort Heimvolkshochschule trägt zur Distanz vom Alltag bei. Zeit und Ort führten laut Aussagen der Lehrenden dazu, dass enge Beziehungen zwischen den Lernenden untereinander und den Dozierenden entstehen konnten. Feste soziale Strukturen und Kollektiverfahrungen spielten hierbei eine wichtige Rolle.
 

Anmerkungen der Transferstelle politische Bildung

Die Studie zeigt auf, welche Wirkungen ein Kurs politischer Erwachsenenbildung bei Teilnehmenden haben kann. Neben Anregungen des gewerkschaftlichen und allgemeinen politischen Engagements gab es vor allem Veränderungen der Art des Lernens und der Einstellung zur Weiterbildung. Politische Bildung, wie sie in diesem Kurs praktiziert wurde, kann das Verstehen von Zusammenhängen und eine kritische Sichtweise fördern. Durch die Interviews mit Dozierenden zeigen die Autor_innen auf, unter welchen Bedingungen solche langfristigen Wirkungen zustande kommen können. Hierbei weisen die Aussagen von Teilnehmenden und Dozierenden immer wieder auf die besondere Bedeutung von Zeit und Lernort hin.  
 

Kontakt

Dr. phil. Peter Straßer
Bildungszentrum Heimvolkshochschule Hustedt e.V.
Zur Jägerei 81, 29229 Celle
Telefon: 05086 989719
E-Mail: strasser@hvhs-hustedt.de
www.hvhs-hustedt.de

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