„Praxis ohne Wissenschaft ist Bodenturnen, Wissenschaft ohne Praxis ist Artistik in der Zirkuskuppel.“ Fünf Fragen an Klaus-Peter Hufer

Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer ist an der Fakultät Bildungswissenschaft der Universität Duisburg-Essen tätig. Seine Schwerpunkte sind Politische Erwachsenenbildung, Bildungspolitik und Bildungstheorie sowie Rechtsextremismus/Rassismus. Er beschäftigt sich aktuell vor allem mit den Auswirkungen und den Folgen der Corona-Pandemie für die politische Bildung.


Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer

Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer ist an der Fakultät Bildungswissenschaft der Universität Duisburg-Essen tätig. Seine Schwerpunkte sind Politische Erwachsenenbildung, Bildungspolitik und Bildungstheorie sowie Rechtsextremismus/Rassismus. Er beschäftigt sich aktuell vor allem mit den Auswirkungen und den Folgen der Corona-Pandemie für die politische Bildung.

 

1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung?

Mein letztes Projekt drehte sich um Zivilcourage. Jetzt beschäftige ich mich mit der Rhetorik von „Corona-Leugner_innen“ und mit den Folgen für politische Bildung. Von der neuesten Zwillingsforschung gibt es interessante Erkenntnisse, die zeigen, welche Faktoren für politische Einstellungen ausschlaggebend sind. Das arbeite ich gerade auf. Außerdem arbeite ich an einem Buchprojekt zur Neuen Rechten.

 

2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse halten Sie für besonders relevant für die Praxis politischer Bildung?

Das Thema Zivilcourage, denn dafür haben wir noch keine ausschlaggebenden Erklärungen. Die Corona-Pandemie zeigt, dass unsere Demokratie nur bedingt stabil ist. Die neuste  Zwillingsforschung zeigt: Biologie und Umwelt beeinflussen interaktiv und wechselseitig politische Einstellungen. Das Thema Neue Rechte ist insofern relevant, weils die rote Linie zur Demokratie und Zivilgesellschaft überschritten bzw. preisgegeben worden ist. Zugleich ist dies ein Berührungspunkt zum ersten und zweiten Thema.

 

3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?

Ich bin der Meinung, dass das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis politischer Bildung weiterhin beforscht werden sollte. Darüber halte ich die Frage für wichtig, welche Ideologien und Interessen hinter dem, auch durch die Corona-Pandemie befeuerten Druck zur Digitalisierung stehen und welche politischen, sozialen, kulturellen Folgen sich ergeben sowie ob und wie der Bildungsbegriff dann neu diskutiert werden muss. Schließlich brauchen wir eine ungetrübte Auseinandersetzung mit Identitätspolitik.

 

4. Welchen Gewinn kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis sowie ein Austausch sowohl zwischen und in den Wissenschaftsdisziplinen für die politische Bildung bringen?

Praxis ohne Wissenschaft ist Bodenturnen, Wissenschaft ohne Praxis ist Artistik in der Zirkuskuppel. Es gibt Autismus auf beiden Seiten, dazu eine beziehungsarme Segmentierung von Politikdidaktik, Erwachsenenbildung und Jugendbildung. Das schadet der Professionalität des gesamten Faches und führt zu Legitimitätszweifeln. Auch muss vermehrt ein Dialog mit anderen Wissenschaften gesucht werden.

 

5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, zwischen und in den Wissenschaftsdisziplinen sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler_innen, Praktiker_innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Ich bin in der außerschulischen Bildungsarbeit aktiv. Die Anfragen kommen zum weit überwiegenden Teil von Institutionen und Organisationen, die nicht zu den etablierten Bildungseinrichtungen zählen. Ich bin mit vielen Kolleg_innen eng verbunden, die freiberuflich tätig sind. Sie machen höchst qualifizierte, aber sozial wenig anerkannte politische Bildung. Ich möchte, dass ihre Arbeit gewürdigt wird.

 

Veröffentlicht am 17.02.2021

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