„Politische Partizipation kann nicht nur als Ziel politischer Bildung angesehen werden, sondern auch als Mittel, um das Ziel zu erreichen.“ Fünf Fragen an Alexander Wohnig

Alexander Wohnig ist Juniorprofessor für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Universität Siegen. Im Kurzinterview gibt er Einblicke in seine Forschung aus dem Modellprojekt „Politische Partizipation als Ziel der politischen Bildung“ und erläutert, wieso die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis für beide Seiten ein Gewinn ist.


Jun.-Prof. Alexander Wohnig (Foto: Heidelberg School of Education)

Jun.-Prof. Alexander Wohnig (Foto: Heidelberg School of Education)

Alexander Wohnig ist Juniorprofessor für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Universität Siegen. Im Kurzinterview gibt er Einblicke in seine Forschung aus dem Modellprojekt „Politische Partizipation als Ziel der politischen Bildung“ und erläutert, wieso die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis für beide Seiten ein Gewinn ist.


1. Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte zu politischer Bildung?

Aktuell forsche ich im Rahmen des Modellprojekts „Politische Partizipation als Ziel der politischen Bildung“  zu didaktischen, pädagogischen und methodischen Bedingungen, unter denen die Anleitung, Begleitung und Reflexion politischer Partizipation in der politischen Bildung mit Kindern und Jugendlichen gelingen kann. Im Zentrum steht dabei auch die Beforschung von Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen politischen Bildungsträgern. Zudem arbeite ich zu Bedarfen von Lehramtsstudierenden in Hinblick auf Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen, ebenfalls im Kontext von Schule und außerschulischer politischer Bildung.


2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse halten Sie für besonders relevant für die Praxis politischer Bildung?

Die Ergebnisse aus dem Modellprojekt „Politische Partizipation als Ziel der politischen Bildung“ sind aus theoretischer und praktischer Sicht unter anderem für die Weiterentwicklung der Didaktik der politischen Bildung, für das Gelingen von Kooperationen sowie für eine ungleichheitssensible politische Bildung relevant. Wird echte politische Partizipation ermöglicht, wirkt sie als Bildungsgelegenheit und kann auch Jugendlichen, die aus einer intersektionalen Perspektive benachteiligt sind, zu politischer Partizipation an Politik und Gesellschaft ermutigen. Die Ergebnisse des Projekts weisen damit darauf hin, dass politische Partizipation nicht nur als Ziel politischer Bildung angesehen werden kann, sondern auch als Mittel, um das Ziel zu erreichen.


3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?

Im Kontext der Auseinandersetzung mit politischer Bildung und Fragen des Zugangs brauchen wir mehr Forschung zum Thema Ungleichheit. Außerdem wäre in der Debatte um politische Bildung, Demokratiebildung und -förderung etc. Forschung hilfreich, die empirisch untersucht, welche der genannten Bereiche wie und woran arbeiten und welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es gibt. Zudem wird Forschung an den Schnittstellen von schulischer und außerschulischer politischer Bildung sowie schulischer politischer Bildung und Jugendsozialarbeit benötigt.


4. Welchen Gewinn für die politische Bildung kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis bringen sowie ein Austausch sowohl zwischen den Wissenschaftsdisziplinen als auch innerhalb dieser?

Ich arbeite, mit einem partizipativen Ansatz, mit schulischen und außerschulischen politischen Bildungspraktiker_innen zusammen, stehe also in permanentem Austausch mit der Praxis. Die Sichtweisen auf die Praxis sind von der jeweiligen Profession geprägt. Werden beispielweise Seminarkonzepte wissenschaftlich begleitet und gemeinsam von Bildungspraktiker_innen und Wissenschaftler_innen permanent weiterentwickelt, wird pädagogische und wissenschaftliche Arbeit durch diese Pluralität der Sichtweisen verbessert und deutlich reflexiver – ein enormer Gewinn für beide Seiten.

 

5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern: zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen, aber auch zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler_innen, Praktiker_innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Ich halte – neben Kooperationen mit Kolleg_innen aus der Didaktik der politischen Bildung – den Austausch mit Kolleg_innen aus der Sozialen Arbeit, der Jugendarbeit und der außerschulischen (politischen) Bildung für besonders wertvoll. Ebenso freue ich mich über Anfragen und den Austausch mit Praktiker_innen der schulischen wie außerschulischen politischen Bildung, zum Beispiel zur Umsetzung von partizipativen Praxis-Forschungsprojekten.

Veröffentlicht am 26.08.2019

 

Zum Weiterlesen

  •  Sie finden Alexander Wohnig in der Landkarte der Forschung zur politischen Bildung.
  • Wohnig, Alexander (2017): Mit Kooperationen politischer Bildung politische Aktion ermöglichen. In: Transfer für Bildung e.V. (Hrsg.): Gemeinsam stärker!? Kooperationen zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule. S. 35-40 (vollständiger Beitrag abrufbar). Mehr lesen


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