„Politische Bildung ist inter- und transdisziplinär angelegt.“ Fünf Fragen an Nina Kolleck

Nina Kolleck ist Professorin für Politische Bildung und Bildungssysteme am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig. Aktuell forscht sie unter anderem zu Chancenungleichheit sowie Zusammenhängen zwischen kultureller Bildung und Demokratiebildung in ländlichen Räumen und weist darauf hin, dass regionale Disparitäten im Bildungsbereich beachtet werden müssen.


Prof.in Nina Kolleck, Foto: Bernd Wannenmacher

Prof.in Nina Kolleck, Foto: Bernd Wannenmacher

Nina Kolleck ist Professorin für Politische Bildung und Bildungssysteme am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig. Aktuell forscht sie unter anderem zu Chancenungleichheit sowie Zusammenhängen zwischen kultureller Bildung und Demokratiebildung in ländlichen Räumen und weist darauf hin, dass regionale Disparitäten im Bildungsbereich beachtet werden müssen.


1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung?

In drei aktuellen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten, Projekten erforsche ich unter anderem die Zusammenhänge zwischen kultureller Bildung und Demokratiebildung in ländlichen Räumen.

In der Studie „Was uns zusammenhält – Wie erreichen wir mehr Teilhabechancen in unseren Schulen?“ (gefördert von der Friedrich-Ebert-Stiftung) habe ich die Zugangs- und Teilhabechancen im Bildungsbereich analysiert und Vorschläge zur Bewältigung der Fragen sozialen Zusammenhalts diskutiert.

In den letzten sechs Jahren habe ich in zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekten „Macht und Einfluss internationaler Verwaltungen“ sowie „Transnationale Netzwerke im Kontext multilateraler Verhandlungen“ in den Feldern Klimabildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie Inklusion untersucht. Für Akteur_innen der politischen Bildung sind die Befunde dieser Studien wichtig, da politische Bildung nicht mehr allein nationalstaatlich gedacht werden kann, sondern zunehmend durch globale Prozesse beeinflusst wird. Zugleich mangelt es noch an einer Sichtbarkeit dieser globalen und transnationalen Einflussnahmen. In den DFG-Projekten ist es uns gelungen, diese teils „verdeckten“ Einflussnahmen sichtbar zu machen.


2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse halten Sie für besonders relevant für die Praxis politischer Bildung?

Ich kann eine Auswahl von drei Ergebnissen nennen, die ich für relevant halte:

In dem Projekt „The start of a beautiful friendship?“ (zusammen mit der Tel Aviv University, gefördert von der Max-Planck-Gesellschaft und dem BMBF) konnten wir darstellen, wie nicht-staatliche Akteur_innen zunehmend Einfluss auf die nationale politische Bildung, Schulen und Bildungspolitik ausüben.

In unserer Forschung zu Bildungsnetzwerken zeigt sich wiederholt, wie relevant Vertrauen zwischen den involvierten Personen ist, wobei die unterschiedlichen Dimensionen von Vertrauen mitberücksichtigt werden müssen.

In verschiedenen Studien zur politischen und kulturellen Teilhabe treten außerdem wiederholt regionale Disparitäten im Bildungsbereich zu Tage. Das können verschiedene Faktoren sein, zum Beispiel: Unterschiede in der sozialstrukturellen Zusammensetzung der Bevölkerung, in Bildungsangeboten und ihrer Erreichbarkeit oder in der Schulinfrastruktur. Allerdings zeigt sich auch, dass diese nicht über Regionen hinweg generalisierbar sind, sondern lokale Akteur_innen, Strukturen und Spezifika bei der Förderung von Teilhabe systematisch mitberücksichtigt werden müssen.


3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?

Themen, zu denen wir mehr Forschung benötigen sind: Die Förderung politischer Bildung und Teilhabe in (sehr) peripheren Räumen, Einflussnahmen nicht-staatlicher Akteure in der politischen Bildung, Global sowie European Citizenship Education, Netzwerke zur Förderung von Citizenship Education, Kooperation in und mit Schulen, Netzwerke, multiprofessionelle Verbünde und Bildungslandschaften in der politischen Bildung, demokratietheoretische Grundlagen und empirische Effekte von Kooperationen in der politischen Bildung.


4. Welchen Gewinn für die politische Bildung kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis bringen sowie ein Austausch sowohl zwischen den Wissenschaftsdisziplinen als auch innerhalb dieser?

Politische Bildung ist inter- und transdisziplinär angelegt. Sie greift auf Ansätze, Theorien und Erkenntnisse unterschiedlicher Disziplinen (unter anderen Politikwissenschaft, Soziologie, Erziehungswissenschaft und Psychologie) zurück. Der wechselseitige Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis ist elementar. Fragen der politischen Bildung sowie Maßnahmen zur Stärkung der politischen Bildung werden in permanentem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis weiterentwickelt.

5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler_innen, Praktiker_innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?


Ich freue mich über inspirierenden Austausch und Kooperationen zu aktuellen Fragen der politischen Bildung und Bildungspolitik.

 

Veröffentlicht am 29.03.2021

 

Zum Weiterlesen

  • Sie finden Nina Kolleck in der Landkarte der Forschung zur politischen Bildung.
  • Kolleck, Nina / Yemini, Miri (2019): Understanding third sector participation in public schooling: partnerships, collaborations and entrepreneurialism, Journal of Educational Administration 57(4), S. 318-321. mehr lesen
  • Kolleck, Nina (2019): The power of third sector organizations in public education, Journal of Educational Administration 57(4), S. 411-425 mehr lesen
  • Kolleck, Nina (2017): How (German) foundations shape the concept of education: Towards an understanding of their use of discourses, Discourse: Studies in the Cultural Politics of Education 38(2), S. 249-261
  • Kolleck, Nina (2014): Qualität, Netzwerke und Vertrauen. Der Einsatz von Netzwerkanalysen in Qualitätsentwicklungsprozessen, Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 17(6), S. 159-177
  • Kappauf, Zola & Kolleck, Nina (2018): Vertrauen im Bildungsverbund: Skizze einer Theorie zu Dimensionen interpersonalen Vertrauens, Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 21(5), S. 1045-1062.






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