„Kinder können Demokratie, und sie beteiligen sich auch gerne, wenn Entscheidungen anstehen, von denen sie betroffen sind." Fünf Fragen an Elisabeth Richter

Prof.in Dr.in Elisabeth Richter ist an der MSH Medical School Hamburg im Department Family, Child and Social Work tätig. Ihre Schwerpunkte sind Demokratiebildung in Kindertageseinrichtungen und Jugendarbeit, gemeinwesenbezogene Bildungsarbeit sowie partizipative Forschung. Sie verweist im Gespräch mit der Fachstelle auf verschiedene Forschungsergebnisse und betont das Thema Reichweite und Grenzen von Partizipation.


Prof.in Dr.in Elisabeth Richter (Foto: © Elfriede Liebenow)

Prof.in Dr.in Elisabeth Richter ist an der MSH Medical School Hamburg im Department Family, Child and Social Work tätig. Ihre Schwerpunkte sind Demokratiebildung in Kindertageseinrichtungen und Jugendarbeit, gemeinwesenbezogene Bildungsarbeit sowie partizipative Forschung. Sie verweist im Gespräch mit der Fachstelle auf verschiedene Forschungsergebnisse und betont das Thema Reichweite und Grenzen von Partizipation.

1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung?

Aktuell habe ich ein Projekt mit dem Titel „Demokratische Partizipation Jugendlicher auf dem Lande. Potenziale und Perspektiven des ehrenamtlichen Engagements in Jugendverband und Kommune" beantragt. Von 2013 bis 2016 habe ich an dem Projekt „Demokratiebildung in Kindertageseinrichtungen“ gearbeitet. Ziel des Projekts unter Leitung von Prof. Benedikt Sturzenhecker war es zu erforschen, wie auf der Basis des Konzepts „Die Kinderstube der Demokratie“ Demokratiebildung mit Kindern in Kindertageseinrichtungen gelingt, ob und wie also die Ansprüche der Bildung in und zur Demokratie in der Praxis wirksam werden.

2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse halten Sie für besonders relevant für die Praxis politischer Bildung?

Es gab wichtige Erkenntnisse aus dem Projekt:

Um Demokratiebildung zu gewährleisten, brauchen Bildungsinstitutionen demokratische Strukturen, müssen also Rechte, Gremien und Verfahren der demokratischen Partizipation gewährt werden.

Kinder „können“ Demokratie und sie beteiligen sich auch gern, wenn Entscheidungen anstehen, von denen sie betroffen sind.

Über die demokratische Haltung in der Profession Sozialer Arbeit hinaus ist die Einführung demokratischer Strukturen in allen Bildungsfeldern eine zentrale Herausforderung.

3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?

Aus meiner Sicht sollten die Themen Reichweite und Grenzen von Partizipation in verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit, z. B. Familienzentren, sowie Reichweite und Grenzen von Partizipation in verschiedenen sozialen Räumen, z. B. auf dem Land weiter erforscht werden.

Wichtig wäre auch die Erforschung demokratischer Beteiligungsmöglichkeiten und -strukturen für Kinder und Jugendliche in der Kommune, z. B. im Jugendhilfeausschuss.

4. Welchen Gewinn für die politische Bildung kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis bringen sowie ein Austausch sowohl zwischen den Wissenschaftsdisziplinen als auch innerhalb dieser?

Ziel wäre es, politische Bildung als Bildung in und zur Demokratie in der Sozialen Arbeit konzeptionell zu verankern, im Rahmen partizipativer Forschungspraxis zu evaluieren und im Lichte verschiedener Wissenschaftsdisziplinen zu bewerten.

5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern: zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen, aber auch zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten.  Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler_innen, Praktiker_innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Ich würde mich über Austausch und Kontaktaufnahme aus den folgenden Bereichen freuen: Politologie, Soziologie, Jugend- und Sozialbehörden, Stiftungen, die Projekte der politischen Bildung fördern, Träger von Kindertagesstätten und von Einrichtungen und der Kinder- und Jugend- sowie Erwachsenenbildung

 

Zum Weiterlesen:

  • Sie finden Elisabeth Richter in der Landkarte zur Forschung politischer Bildung
  • Datenbankeintrag: Richter, Elisabeth/Lehmann, Teresa/Sturzenhecker, Benedikt (2017): So machen Kitas Demokratiebildung. mehr 
  • Datenbankeintrag: Sturzenhecker, Benedikt / Richter, Elisabeth / Karolczak, Martin (2014): Kooperative Steuerung des Ganztags zwischen Jugendarbeit und Schule. mehr 


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