„Empirische politische Bildungsforschung kann an allen Themen ansetzen, hat aber noch Aufholbedarf.“ Fünf Fragen an Sabine Manzel

Sabine Manzel ist Professorin für Didaktik der Sozialwissenschaften am Institut für Politikwissenschaft und Leiterin der Cives! School of Civic Education der Universität Duisburg-Essen. Sie forscht und publiziert unter anderem zur politischen Kompetenzentwicklung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zu Emotionen und Wissen im Unterricht, zu sprachsensiblem Fachunterricht sowie zur Lehrer_innenprofession.


Prof.in Dr.in Sabine Manzel (Foto: UDE)

Prof.in Dr.in Sabine Manzel (Foto: UDE)

Sabine Manzel ist Professorin für Didaktik der Sozialwissenschaften am Institut für Politikwissenschaft und Leiterin der Cives! School of Civic Education der Universität Duisburg-Essen. Sie forscht und publiziert unter anderem zur politischen Kompetenzentwicklung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zu Emotionen und Wissen im Unterricht, zu sprachsensiblem Fachunterricht sowie zur Lehrer_innenprofession.


1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung?

Derzeit arbeite ich in drei Forschungsprojekten: SchriFT II (Schreiben im Fachunterricht der Sekundarstufe I unter Einbeziehung des Türkischen – Eine empirische Studie zur Wirksamkeit von schreibfördernden Konzepten im Fachunterricht und im Herkunftssprachenunterricht Türkisch), ProViel I (Professionalisierung für Vielfalt. dynamisch, reflexiv, evidenzbasiert) und Cassis (Chemie, Sozialwissenschaften und Ingenieurwissenschaften: Studienerfolg und Studienabbruch). Das Projekt ProViel I ist ein Teilprojekt des Handlungsfelds Qualitätsentwicklung und -sicherung. Ein Testinstrument zur Erhebung des Professionswissens von Lehramtsstudierenden der Universität Duisburg-Essen mit Studienfach Sozialwissenschaften wurde dazu entwickelt. Das Projekt Cassis untersucht institutionelle und individuelle Variablen, die den Studienabbruch beeinflussen. Zudem betreue ich die Dissertation von Frank Zischke zur Planungskompetenz angehender Politiklehrkräfte vor und nach dem Praxissemester.

Abgeschlossen sind einige Forschungsarbeiten meiner Doktorand_innen. Im Forschungsprojekt SchriFT I von Farina Nagel erfolgte die Analyse für eine sprachliche Förderung im Fachunterricht Politik von Kindern mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Schichten am Beispiel von politischen Schaubildern und der sprachlich-kognitiven Handlung des funktionalen Beschreibens. Abgeschlossen ist auch die Dissertation von Dorothee Gronostay, die zum Argumentieren im Klassenraum mit der Fish-Bowl-Methode geforscht hat und die Begleitung von Matthias Sowinski im Projekt SuSe I (Sachunterricht / Sekundarstufe I). Untersucht wurden Vorstellungen zu Wahlen von Schüler_innen im Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule sowie die Diagnosefähigkeiten von Lehrkräften.


2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse halten Sie für besonders relevant für die Praxis politischer Bildung?

Relevant sind alle empirischen Erkenntnisse zur Lehrer_innenprofessionalität, zur Ausbildung von Schüler_innenkompetenzen und der Verbesserung von Unterrichtsinteraktionen.'

3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?

Empirische politische Bildungsforschung kann an allen Themen ansetzen, da die Disziplin – als immer noch junge Disziplin im Vergleich mit Fachdidaktiken anderer Fächer – Aufholbedarf hat.

4. Welchen Gewinn für die politische Bildung kann ein Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis sowie ein Austausch zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen bringen?

Dialog und Austausch können dabei helfen, sich gegenseitig kennenzulernen und voneinander zulernen. Sie können Impulse für Forschungsprojekte geben, Perspektivvielfalt sowie Updates der Praxis durch wissenschaftliche Erkenntnisse und Updates der Wissenschaft durch offene Fragen aus der Praxis ermöglichen.

5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern: zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen, aber auch zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler_innen, Praktiker_innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Ich freue mich beispielsweise über einen interdisziplinären Austausch mit Fachkolleg_innen zur Vorbereitung eines gemeinsamen Forschungsprojektes. Aber auch über Anfragen und einen kollegialen Austausch mit Lehrkräften freue ich mich, um mehr über aktuelle Herausforderungen im Schulalltag zu erfahren, gemeinsam zu überlegen, welche Unterstützung die Wissenschaft für die Praxis bieten kann und welche Forschungsdesiderata noch bestehen. Diese können dann von Wissenschaftler_innen aufgegriffen werden, um empirische Forschung voranzubringen und Erkenntnisse daraus für die Praxis nutzbar zu machen. Das können beispielweise die gemeinsame Entwicklung von Unterrichtsmaterialien sein oder ein Austausch über neueste empirische Erkenntnisse zum Unterricht.

 

Veröffentlicht am 01.07.2019

 

Zum Weiterlesen

  • Sie finden Sabine Manzel in der Landkarte der Forschung zur politischen Bildung.
  • Datenbankeintrag: Manzel, Sabine (2016) Diskussionen im Politikunterricht – nur was für lautstarke Jungen ohne Migrationshintergrund? In: Thomas Goll / Monika Oberle / Stefan Rappenglück (Hrsg.) Herausforderung Migration. Perspektiven der politischen Bildung. Schriftenreihe der GPJE. Schwalbach/Ts, S. 143-151. Mehr lesen
  • Datenbankeintrag: Manzel, Sabine (2007): Kompetenzzuwachs im Politikunterricht. Ergebnisse einer Interventionsstudie zum Kernkonzept Europa, Münster [u.a.]. Mehr lesen


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