„Disziplinübergreifend gilt es, politische Ansprüche mit pädagogischem Denken zu relationieren.“ Fünf Fragen an May Jehle

Dr.in May Jehle ist wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Schwerpunkt politische Bildung am Lehrstuhl für Didaktik der Sozialwissenschaften am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt. Im Interview gibt sie Einblick in ihre Arbeitsschwerpunkte Unterrichtsvideographie und bildungshistorische Fachunterrichtsforschung.


Portraitfoto Dr.in May Jehle

Dr.in May Jehle (Foto: privat)

Dr.in May Jehle ist wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Schwerpunkt politische Bildung am Lehrstuhl für Didaktik der Sozialwissenschaften am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt. Im Interview gibt sie Einblick in ihre Arbeitsschwerpunkte Unterrichtsvideographie und bildungshistorische Fachunterrichtsforschung.

 

1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung?

Ein umfängliches Projekt bestand aus systematisch kontrastierend angelegten Fallstudien zu Videoaufzeichnungen aus dem politischen Fachunterricht in Ost-, West- und Gesamtberlin aus der Zeit von 1978 bis 1993. Diese Arbeit wird in weiteren Projekten zu videobasierten Unterrichtsanalysen fortgeführt. Dazu gehörten auch Studien zur Durchführung von Planspielen im Fachunterricht sowie zur Verwendung solcher Videoaufzeichnungen in der Lehrkräftebildung.

 

2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse schätzen Sie als besonders relevant für die Praxis politischer Bildung ein?

Ein übergreifender praxisbezogener Schwerpunkt dieser Forschungen lag in der Analyse von Interaktions- und Kommunikationsstrukturen im Fachunterricht und wie dabei auch implizite Vorstellungen verhandelt werden. Die Ergebnisse bieten die Möglichkeit, Kriterien zu konkretisieren, wie im Unterricht mündigkeitsorientierte Lernprozesse ermöglicht und unterstützt werden können.

 

3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?

Angesichts der Vielfalt aktueller gesellschaftlicher Problemlagen und Krisen ist eine umfassende Antwort kaum möglich. Wichtig scheint es mir aber, den gesellschaftlichen Umgang mit Kontroversen, Pluralismus und nicht einfach aufzulösenden Konflikten, Divergenzen und Ambiguitäten zu thematisieren sowie der Frage nach gesellschaftlicher Solidarität und Fragen eines Wertschätzung und Akzeptanz voraussetzenden und gewaltfreien Umgangs miteinander nachzugehen.

 

4. Welchen Gewinn kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis und ein Austausch zwischen den Wissenschaftsdisziplinen für die politische Bildung bringen?

Einen Gewinn eines solchen Dialogs sehe ich in Relationierungen, die einen Transfer fachwissenschaftlicher Konzepte mit realistischen Zielsetzungen in die Praxis ermöglichen. Ebenso gewinnbringend können Kombinationen und Variationen von Denkansätzen sein, die Möglichkeitsräume aufzeigen und reflexive Distanz ermöglichen. Disziplinübergreifend gilt es, politische Ansprüche mit pädagogischem Denken zu relationieren und Fragen der impliziten Normativität kritikfreudiger zur Diskussion zu stellen.

 

5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Grundsätzlich freue ich mich über alle Anfragen von Menschen, die sich für meine in erster Linie qualitativ und theoretisch ausgerichteten Forschungsarbeiten interessieren. Vor allem begleite und unterstütze ich gerne beratend die Planung und Analyse mündigkeitsorientierter Bildungsformate unterschiedlicher Art.



Veröffentlicht am 11.04.2022

 

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