„Zum Verhältnis von Emotionalität und Professionalität in der politischen Bildung“
Anja Besand beginnt ihren Beitrag zum Thema Emotionen im Band 42 „Ideologien der Ungleichwertigkeit“ der Schriftenreihe zur Demokratie der Heinrich Böll Stiftung mit drei persönlichen Beobachtungen aus den Anfängen der „Pegida-Bewegung“ in Sachsen. Ihr fällt auf, dass die Anforderungen an die politische Bildung aus einer rein emotionalen Perspektive heraus gestellt werden (a.a.O.: 78). Ausgehend von diesen Beobachtungen, in denen es konkret um die Emotionen Angst und Überforderung in der politischen Bildung geht, formuliert Besand vier zentrale Fragen, mit der sie die möglichen Reaktionen auf Emotionalität in der politischen Bildung umreißt.
Als Antwort auf die erste Frage „An wen richten sich Angebote politischer Bildung?“ (a.a.O.: 78) plädiert die Autorin dafür, dass politische Bildung inklusiver werden solle (a.a.O.: 79). Zur zweiten Frage „Was bedeutet der Beutelsbacher Konsens?“ (ebd.) weist sie darauf hin, dass das Sichtbarwerden emotionaler Aspekte selbstverständlich zur politischen Bildung dazugehöre. Durch eine bestimmte Auslegung des Beutelsbacher Konsenses, die kognitive Prozesse in den Vordergrund stellt, werde dieser Aspekt oftmals übersehen. In Bezug auf die dritte Frage „Wie ist das Verhältnis von Emotionalität und Professionalität?“ (ebd.) fordert Besand, Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen und politischen Fragen im Sinne des Beutelsbacher Konsenses offen auszutragen und Emotionen damit explizit in Bildungsprozesse zu integrieren. Laut Besand ist „die Auseinandersetzung mit politischen Fragen grundsätzlich emotional fundiert“ (ebd.). Die vierte Frage „Hat die politische Bildung (in Sachsen) versagt – oder brauchen wir eine ganz andere politische Bildung?“ (a.a.O.: 80) beantwortet die Autorin schließlich mit der Forderung nach einer „Stärkung der institutionellen Strukturen politischer Bildung“ (a.a.O.: 81). Sie beschreibt politische Bildung als „kontroverse Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Fragen“ (ebd.) und plädiert für mehr politische Bildung und der Möglichkeit zu konstruktiven und leidenschaftlichen Auseinandersetzungen.
Anmerkung der Fachstelle politische Bildung
Anja Besand verdeutlicht mit diesem Artikel die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit Emotionen in der politischen Bildung. Im Kontext des Leitthemas für den Bundeskongress Politische Bildung 2019 „Emotionen“ bildet ihr Artikel einen wichtigen Beitrag zur Diskussion.
Bibliografische Angaben: Besand, Anja (2016): Zum Verhältnis von Emotionalität und Professionalität in der politischen Bildung. In: Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.): Ideologien der Ungleichwertigkeit. Berlin, S. 77-83
Bezugsquelle: Heinrich Böll Stiftung
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