16. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung: Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter

Die Fachstelle politische Bildung hat ihre Expertise mit unterschiedlichen Beiträgen in den 16. Kinder- und Jugendbericht eingebracht. Gegenwärtig beteiligt sie sich daran, Erkenntnisse und Empfehlungen des Berichts durch Berichterstattung, unter Nutzung der Reichweite ihrer (digitalen) Kanäle und Netzwerke, sowie die Teilnahme am Fachaustausch zu verbreiten.


Foto: Christoph Honig

Die Fachstelle politische Bildung hat ihre Expertise mit unterschiedlichen Beiträgen in den 16. Kinder- und Jugendbericht eingebracht. Gegenwärtig beteiligt sie sich daran, Erkenntnisse und Empfehlungen des Berichts durch Berichterstattung, unter Nutzung der Reichweite ihrer (digitalen) Kanäle und Netzwerke, sowie die Teilnahme am Fachaustausch zu verbreiten.

 

Beiträge der Fachstelle politische Bildung zum 16. Kinder- und Jugendbericht

Der 16. Kinder- und Jugendbericht ist ein wichtiger Wegweiser für die politische Bildungsarbeit in den verschiedenen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe (und darüber hinaus) und für zukünftiges kinder- und jugendpolitisches Handeln in Kommunen, Ländern und Bund. Für die Fachstelle ist es eine große Auszeichnung und Motivation, dass ihre Arbeit darin gewürdigt wird und ihr Bemühen, die Felder politischer Bildung als Ganzes zu sehen und miteinander zu verbinden, einen deutlichen Schub bekommt.

Dr.in Helle Becker, Leitung der Fachstelle politische Bildung, erstellte eine umfangreiche Studie zu „Demokratiebildung und politische Bildung in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendarbeit (SGB VIII § 11-13)“. Die Studie ist im Rahmen der „Materialien zum 16. Kinder- und Jugendbericht“ des Deutschen Jugendinstituts (dji) erschienen. Die Beauftragung erfolgte durch die Sachverständigenkommission für den 16. Kinder- und Jugendbericht.

In einem von drei Hearings der Sachverständigenkommission gab Helle Becker anhand der Topografie der Praxis politischer Bildung der Fachstelle politische Bildung einen „Strukturellen Überblick zum Stand der empirischen Forschung im Bereich der politischen Bildung junger Menschen“. Daneben hat die Fachstelle durch Beratungen einzelner Mitglieder der Sachverständigenkommission zum Kinder- und Jugendbericht beigetragen.

Die Ergebnisse der Zuarbeiten durch die Fachstelle sind umfänglich und namentlich in den 16. Kinder- und Jugendbericht eingegangen. Aus der Studie und weiteren Publikationen der Transferstelle politische Bildung / Fachstelle politische Bildung wird mehrfach zitiert. Der Bericht verzeichnet die Transferstelle/Fachstelle bzw. den Verein Transfer für Bildung e.V. wiederholt bei den Literaturangaben. Daneben wird Helle Becker als (Mit-)Autorin oder (Mit-)Herausgeberin aufgeführt. Auf die Topografie der Praxis politischer Bildung und die Landkarte der Forschung zur politischen Bildung wird im Bericht ebenso verwiesen wie auf die Datenbank der Fachstelle.

Dass das Engagement der Fachstelle allgemein sowie bei der Förderung gegenseitiger Wahrnehmung und Organisation des Wissenschaft-Praxis-Austauschs wahrgenommen wird, belegt unter anderem diese Einschätzung: „Den vermutlich derzeit besten Überblick zu dem Thema [i.e. Unterschätzte Räume – Ganztagsschule; Anm. TfB] und zugleich auch einen Beleg für die hier formulierte Beobachtung liefern die Ergebnisse des Jahresthemas 2017 der Transferstelle politische Bildung (vgl. Transferstelle politische Bildung 2017) […]. Neben einer Fachtagung, den Ergebnissen einer Umfrage zur Kooperation von Schule und außerschulischer politischer Bildung, Interviews, einem Literaturüberblick und der Vorstellung neuer einschlägiger Veröffentlichungen, spiegelt vor allem die Jahresbroschüre 2017 den Stand der Diskussion wider (Transferstelle politische Bildung 2017)“ (16. Kinder- und Jugendbericht, S. 41).

Als weiteres Beispiel sei der anerkennende Verweis auf eines der Dossiers der Fachstelle genannt: „In Bezug auf die Fachdiskussion offenbart sich allerdings auch an dieser Stelle noch erheblicher Entwicklungsbedarf. So muss wohl das verdienstvolle, von der Transferstelle für politische Bildung erstellte Dossier „Politische Bildung im Strafvollzug“ auch als Dokumentation einer fachpolitischen Leerstelle und als ein Impuls, das Feld zu sichten und die Debatte anzuregen, gelesen werden“ (a.a.O.: 492).

Der Bericht vermerkt weiter: „Politische Bildung und Demokratiebildung werden nicht systematisch und in sehr unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen wissenschaftlich beforscht und gelehrt. Diversität und Realität der Praxis werden von der Wissenschaft wenig wahrgenommen; umgekehrt werden wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis nur punktuell und sporadisch genutzt. Es fehlt ein kontinuierlicher und umfassender Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Dieser würde zu einer Qualitätsentwicklung der politischen Bildung/Demokratiebildung erheblich beitragen. Eine unabhängige Stelle wie das jetzige Projekt „Transferstelle politische Bildung“ könnte die gegenseitige Wahrnehmung fördern und den Wissenschafts-Praxis-Austausch organisieren. Sie würde damit die fachliche Weiterentwicklung und die weitgehend fehlende Aus- und Weiterbildung in der politischen Bildung/Demokratiebildung disziplin- und handlungsfeldübergreifend unterstützen“ (a.a.O.: 566).

Anlässlich einer abschließenden Reflexion der Erfahrungen aus drei Jahren Projektarbeit der Fachstelle politische Bildung Ende 2020 hat auch ihr Beirat die detaillierte, zielführende Zuarbeit zum Kinder- und Jugendbericht nachdrücklich gewürdigt. Zwei Beirät_innen gehörten der Sachverständigenkommission an.

Ergebnisse verbreiten, die Fachdebatte mitgestalten

Die Ergebnisse und Empfehlungen des 16. Kinder- und Jugendberichts werden in der Fachöffentlichkeit intensiv rezipiert und diskutiert. Die Fachstelle politische Bildung beteiligt sich durch aktive Teilnahme an Veranstaltungen und durch eigene Veröffentlichungen daran.

Auf ihrer Webseite hat die Fachstelle politische Bildung in der Datenbank einen Eintrag zum 16. Kinder- und Jugendbericht veröffentlicht. Sie beschreibt darin unter anderem den konzeptionellen Analyserahmen des Berichts, das Forschungsdesign und die Befunde der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sowie zu sozialen Räumen, deren Möglichkeiten, Chancen und Herausforderung für politische Bildung analysiert werden. Für viele der sozialen Räume konstatiert der Bericht ein Forschungsdesiderat, beispielsweise wird für Jugendarbeit und politische Jugendbildung ein Ausbau der praxisorientierten Forschung und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der außerschulischen politischen Bildung gefordert, um gesicherte Daten und Analysen zu erhalten, mit denen die „Praxis im Interesse der Kinder und Jugendlichen“ (16. Kinder- und Jugendbericht, S. 364) weiterentwickelt werden kann.

In der Datenbank informiert die Fachstelle über aktuelle empirische Forschungsarbeiten zu politischer Bildung, liefert Analysen der Forschungsergebnisse und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen für die Praxis, angereichert durch Literaturquellen, Veröffentlichungen, Zusammenfassungen, Querverweise und Kontakte. Sie umfasst über 200 Einträge (Stand: März 2021). 2020 verzeichnete die Datenbank mehr als 3.100 Zugriffe. Neue Einträge bewirbt die Fachstelle umfangreich über ihre digitalen Kanäle und ihr Netzwerk. So erreicht etwa der monatliche Newsletter 1.000 Abonennt_innen (Stand: Februar 2021). Zu ihnen gehören unter anderem Vertreter_innen zahlreicher Organisationen und Institutionen, bei denen von einer Multiplikator_innenfunktion auszugehen ist. Anhand dieser Zahlen lässt sich exemplarisch belegen, dass die Informationsarbeit der Fachstelle politische Bildung ansehnlich dazu beiträgt, den 16. Kinder- und Jugendbericht bekannt zu machen sowie Einordnung und Bewertung anzuregen.

Den fachpolitischen, öffentlichen Austausch über die Erkenntnisse und Empfehlungen des 16. Kinder- und Jugendberichts hat die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) begonnen. Auf einer Fachtagung am 28./29.01.2021 stellten Mitglieder der Sachverständigenkommission Ergebnisse des Berichts vor. An der anschließenden Diskussion mit Vertreter_innen aus Praxis, Wissenschaft, Verwaltung und Politik, der Kinder- und Jugendhilfe sowie der politischen Bildung beteiligte sich auch die Fachstelle politische Bildung.

Am 19. Februar 2021 erörterte Hanna Lorenzen, Bundestutorin der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) und Mitglied der Sachverständigenkommission für den 16. Kinder- und Jugendbericht, welche neuen Perspektiven und Ansätze der Bericht für die Arbeit mit Jugendlichen eröffnet. Die Fachstelle nahm an der Veranstaltung im Rahmen des Formats „Aufgeweckt! Das zweite Frühstück mit…“ teil.

Die „Gemeinsame Initiative der Träger Politischer Jugendbildung im Bundesausschuss für politische Bildung (bap)“ GEMINI veranstaltete am 25. Februar 2021 einen digitalen Fachtag: „Politische Bildung in der Kinder- und Jugendarbeit – Perspektiven des 16. Kinder- und Jugendberichts". Die Fachstelle politische Bildung war auch hier an der Diskussion unter der Leitfrage: „Welche Konsequenzen ergeben sich für das Handlungsfeld der politischen Jugendbildung aus dem Bericht, welche neuen Perspektiven öffnen sich, welche Desiderate bleiben und wo sind neue Kooperationen notwendig?“ beteiligt.

 

Der 16. Kinder- und Jugendbericht

Die Bundesregierung gibt in jeder Legislaturperiode einen Bericht „über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Jugendhilfe“ (SGB VIII, § 84) heraus. Der Berichterstattung einer Sachverständigenkommission fügt sie eine Stellungnahme hinzu. Jeder Bericht widmet sich einem eigenen Thema. So lautete das des 15. Kinder- und Jugendberichts (2017): „Zwischen Freiräumen, Familie, Ganztagsschule und virtuellen Welten – Persönlichkeitsentwicklung und Bildungsanspruch im Jugendalter“. Schon dieser Bericht konstatierte: „Um Jugendliche in ihren Lebenswelten zu erreichen, demokratieförderndes Verhalten zu stärken und Radikalisierung präventiv zu begegnen, werden vielfältige Ansätze der politischen Bildung und der Stärkung der Zivilgesellschaft benötigt“ (S. 26). Aber auch: „Der Begriff politische Bildung umfasst ein weites Bedeutungsfeld und ist innerhalb der Kinder- und Jugendarbeit mit sehr heterogenen Inhalten verknüpft“ (S. 424).

Damit war quasi der Auftrag des 16. Kinder- und Jugendberichts formuliert. Unter dem Titel „Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter“ beauftragte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) eine 14-köpfige Sachverständigenkommission, eine forschungsbasierte Analyse, Strukturierung und Beschreibung des Feldes der demokratischen Bildung im Kindes- und Jugendalter vorzunehmen. Ziel war es, „eine fundierte Grundlage“ zu schaffen, „um vorhandene institutionelle Kontexte, Strategien und Konzepte der Demokratiebildung und Demokratieförderung für die Altersgruppe der bis 27-Jährigen zu bilanzieren und bedarfsgerecht weiterentwickeln zu können. Der Bericht soll auch dazu beitragen, das Themenfeld in der Öffentlichkeit zu profilieren, die vielfältigen Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe dafür zu gewinnen und die gesellschaftliche Einbindung und Bedeutung der Kinder- und Jugendhilfe nachhaltig zu stärken“ (16. Kinder- und Jugendbericht, S. 41).

Angesicht der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und Herausforderungen müsse politische Bildung im Kindes- und Jugendalter mehr Gewicht erhalten. Der Bericht fordert deshalb eine „Aufwertung und Stabilisierung des Praxisfeldes sowie eine breitere Verankerung politischer Bildung für junge Menschen“ (a.a.O.: 8). Die Expert_innen der Sachverständigenkommission bündelten dies in acht zentralen Erkenntnissen mit zugehörigen Empfehlungen: Politische Bildung ist (1) demokratische Bildung, (2) findet während der gesamten Kindheit und Jugend statt, ist (3) ein Recht aller jungen Menschen, (4) mehr als Extremismusprävention, (5) transnational. (6) Politische Bildung und politische Mitsprache gehören zusammen. (7) Politische Bildung für junge Menschen ist Jugendpolitik. (8) Corona schafft Herausforderungen und Lernanlässe für politische Bildung.

Zum Weiterlesen

  • Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend (BMFSFJ) (2020): 16. Kinder- und Jugendbericht. Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter und Stellungnahme der Bundesregierung (Drucksache 19/24200). [ PDF | 6,8 MB ]
  • Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2017): 15. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland und Stellungnahme der Bundesregierung (Drucksache 18/11050). [ PDF | 6,8 MB ]
  • Becker, Helle (2020): Demokratiebildung und politische Bildung in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendarbeit (SGB VIII § 11-13). Studie. Hrsg. vom Deutschen Jugendinstitut e.V.: Materialien zum 16. Kinder- und Jugendbericht (Januar 2020). [ PDF | 1 MB ]
  • Datenbankeintrag: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2020): 16. Kinder- und Jugendbericht. Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter. Berlin (673 S.) mehr lesen


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