„Rassismus muss im Verhältnis zu gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen reflektiert werden.“ Fünf Fragen an Lara Möller

Dr.in Lara Möller ist am Zentrum für Lehrer*innenbildung, Arbeitsbereich Didaktik der Politischen Bildung, der Universität Wien tätig. In ihrer Dissertation untersuchte sie Vorstellungen Lehramtsstudierender zum Thema Rassismus und zieht daraus Schlussfolgerungen für die Fachdidaktik politischer Bildung. Aktuell beschäftigt sie sich unter anderem mit (Selbst-)Reflexivität innerhalb subjektiver Vorstellungen von Lernenden.


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Dr.in Lara Möller (Foto: privat)

Dr.in Lara Möller ist am Zentrum für Lehrer*innenbildung, Arbeitsbereich Didaktik der Politischen Bildung, der Universität Wien tätig. In ihrer Dissertation untersuchte sie Vorstellungen Lehramtsstudierender zum Thema Rassismus und zieht daraus Schlussfolgerungen für die Fachdidaktik politischer Bildung. Aktuell beschäftigt sie sich unter anderem mit (Selbst-)Reflexivität innerhalb subjektiver Vorstellungen von Lernenden.

 

1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung?

Meine letzten Projekte haben sich viel mit Subjekt- und Alltagsorientierung in der subjektorientierten politischen Bildung beschäftigt. Dabei wurden Themen wie Diskriminierung, spezifisch Rassismus, sowie Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit, Demokratie und Teilhabe in den Fokus gerückt. Darüber hinaus arbeite ich mit unterschiedlichen Zielgruppen wie Lehramtsstudierenden, Berufsschullehrkräften, Berufsschüler*innen, Lehrkräften und Schüler*innen anderer Schultypen sowie Freizeitpädagog*innen.

Aktuell beschäftige ich mich weiterhin mit subjektiven Vorstellungen von unterschiedlichen Lernendengruppen und möchte einen Beitrag zur didaktisch motivierten Vorstellungsforschung bzw. zur subjektorientierten politischen Bildung leisten, indem ich mich insbesondere mit sogenannter (Selbst-)Reflexivität innerhalb der subjektiven Vorstellungen von Lernenden auseinandersetze. Dadurch möchte ich auch wichtige Verbindungslinien zu einer kritisch-emanzipativen politischen Bildung herstellen.


2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse schätzen Sie als besonders relevant für die Praxis politischer Bildung ein?

Meine Doktorarbeit leistet einen wichtigen Beitrag für die Hochschuldidaktik. In einem mehrstufigen empirischen Forschungsprozess habe ich die subjektiven Vorstellungen von Rassismus aus Perspektive Lehramtsstudierender untersucht und daraus fachdidaktische Impulse für eine rassismuskritische politische Bildung entwickelt. Obwohl Rassismus ein wichtiges gesellschaftliches Thema ist und angehende Lehrkräfte eine wichtige Zielgruppe für unsere Disziplin sind, sind 1. im Bereich der subjektorientierten Didaktik der politischen Bildung subjektive Vorstellungen von Lehramtsstudierenden bzw. angehenden Lehrkräften und 2. der Themenschwerpunkt Rassismus bislang verhältnismäßig wenig erforscht. In meiner Doktorarbeit werden neben den subjektiven Lernendenperspektiven der Studierenden schließlich auch Bildungskontexte im Zusammenhang mit Macht- und Herrschaftsverhältnissen reflektiert. Damit habe ich untersucht, wie die zielgruppenspezifischen Subjektivierungsprozesse im Kontext von Rassismus innerhalb hegemonialer Bedingungen und Strukturen erfolgen und welche Konsequenzen die politische Bildung daraus ziehen muss. Meine Doktorarbeit wird voraussichtlich 2023 publiziert.


3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?

Aktuell sollten besonders die Themenbereiche Rassismus und Umwelt vertiefend beforscht werden, weil sie (neben anderen wichtigen Themen) eine hohe gesellschaftliche Relevanz haben. Hier interessiert mich die subjektive Dimension, wie diese Themen von Lernenden verstanden und verhandelt werden und welche politischen Orientierungs-, Urteils-, und Handlungsstrategien sie dazu eröffnen. Ebenso interessiert mich die strukturelle Dimension und wie sich diese innerhalb subjektiver Vorstellungen von Lernenden widerspiegelt.

Schließlich halte ich es für sehr wichtig, dass subjektive Vorstellungen nicht „autonom“ und auf rein individueller Ebene diskutiert werden, sondern dass ihr Verhältnis zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen und Normen etc. reflektiert und auch kritisiert wird. Deshalb halte ich die Auseinandersetzung mit (Selbst-)Reflexivität und wie sie in den Lernendenvorstellungen immanent ist, insbesondere aus hegemoniekritischer Perspektive, insgesamt für wichtig.

 

4. Welchen Gewinn kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis und ein Austausch zwischen den Wissenschaftsdisziplinen für die politische Bildung bringen?

Dialog und Austausch sind meiner Meinung nach sehr wichtig, denn 1. braucht die Wissenschaft einen Bezug zu diversen gesellschaftlichen Zielgruppen, um sich weiterzuentwickeln. Das gilt insbesondere für die politische Bildung, die von einem Austausch mit unterschiedlichen Lernenden- und Lehrendengruppen profitiert, so dass möglichst vielseitige Perspektiven, Erfahrungen, Bedürfnisse und auch Betroffenheiten sichtbar gemacht werden. Dasselbe gilt 2. auch für trans- und interdisziplinäre Perspektiven. Ich halte auch den Austausch zwischen Fachwissenschaften und Fachdidaktiken für wichtig, um wissenschaftliche Diskurse gemeinsam zu entwickeln.


5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Besonders interessiert mich der Austausch mit Personen, die mit unterschiedlichen Lernendengruppen arbeiten und sich dabei auch mit Subjektorientierung befassen. Freuen würde ich mich insbesondere über eine Zusammenarbeit bei der Forschung zu (Selbst-)Reflexivität, Macht- und Hegemoniekritik in der subjektorientierten politischen Bildung.

 

Veröffentlicht am 19.10.2022

 

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