„In Fächern wie Gesellschaftslehre fehlt der Blick ins Klassenzimmer weitestgehend.“ Fünf Fragen an Marcel Grieger

Marcel Grieger ist Projektmanager des Schlözer-Programms-Lehrerbildung und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Politikwissenschaft / Didaktik der Politik an der Universität Göttingen. In seiner Dissertation hat er Selbstwirksamkeitserwartungen von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften zum Unterrichten in Gesellschaftslehre untersucht. Im Bereich politischer Bildung sieht er Forschungsbedarf zu den Auswirkungen fachfremden Unterrichtens.


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Foto: Christoph Honig

Marcel Grieger ist Projektmanager des Schlözer-Programms-Lehrerbildung und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Politikwissenschaft / Didaktik der Politik an der Universität Göttingen. In seiner Dissertation hat er Selbstwirksamkeitserwartungen von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften zum Unterrichten in Gesellschaftslehre untersucht. Im Bereich politischer Bildung sieht er Forschungsbedarf zu den Auswirkungen fachfremden Unterrichtens.

 

1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung?

Gegenwärtig bin ich vor allem als Projektmanager des Schlözer-Programms-Lehrerbildung tätig. Ziel des Programms ist eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung an der Universität Göttingen. Ich werde mich perspektivisch aber (wieder) Fragen der Qualität des Politikunterrichts sowie des fachfremden/fächerübergreifenden Unterrichtens zuwenden. In meiner Dissertation habe ich die Selbstwirksamkeitserwartungen von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften zum Unterrichten in Gesellschaftslehre untersucht. Meine Veröffentlichungen und Vorträge werden fortlaufend aktualisiert.

 

2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse schätzen Sie als besonders relevant für die Praxis politischer Bildung ein?

Für relevant halte ich die Erkenntnis, dass sich die von mir befragten Lehramtsstudierenden und Lehrkräfte das größtenteils fachfremde Unterrichten in Gesellschaftslehre durchaus zutrauen – Lehrkräfte trauen sich das am meisten zu, Bachelorstudierende am wenigsten. Das Vertrauen nimmt ab, wenn es um die Fachdidaktik der nicht studierten Fächer geht. Sowohl in fachdidaktischer als auch fachwissenschaftlicher Hinsicht scheinen die geografischen Anteile in Gesellschaftslehre die größte Herausforderung darzustellen.

 

3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?

Die Auswirkungen der Fachfremdheit auf die Konzeption des Unterrichts und die Lernleistungen der Schüler*innen sind meiner Ansicht nach spannende Forschungsfragen. In Fächern wie Gesellschaftslehre fehlt der Blick ins Klassenzimmer weitestgehend. In methodischer Hinsicht würde ich mir mehr repräsentative Arbeiten, systematische Reviews und Meta-Studien wünschen, sofern dies die Datenlage (und Ressourcen) erlauben.

 

4. Welchen Gewinn kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis und ein Austausch zwischen den Wissenschaftsdisziplinen für die politische Bildung bringen?

Im Austausch mit den Nachbardisziplinen (z.B. Geschichts- und Geografiedidaktik) kann politische Bildung ihre Konturen schärfen (z.B. Handlungsorientierung, Wertebezug) und gleichzeitig über und von Prinzipien anderer Didaktiken lernen (z.B. Geschichtskultur), so geschehen etwa im Rahmen der Tagungsreihe „Historisch-politische Bildung. Gegenwärtige Herausforderungen und Perspektiven“ oder im Verein „Netzwerk Fach Gesellschaftswissenschaften“. Ferner ist die Rückkopplung mit „der Praxis“ (Referendar*innen, Lehrkräften, Fach- und Studienseminarleiter*innen etc.) unabdingbar.

5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Stimmen aus der Unterrichtspraxis von Verbundfächern (Gesellschaftslehre, Sachunterricht o. ä.) aus der zweiten und dritten Phase der Lehrkräfteausbildung empfinde ich stets als äußerst gewinnbringend. What works, what doesn’t? Grundsätzlich freue ich mich aber über jede Kontaktaufnahme zu meinen Forschungsschwerpunkten und -interessen.

 

Veröffentlicht am 10.01.2022

 

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