AdB-Fachtagung „Polyphonic Encounters – Politische Bildung in einer pluralen Gesellschaft weiterentwickeln“

Im Rahmen des Projektes „Polyphon! Diversität in der politischen Bildung stärken“ lud der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB) in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung – Bundesstiftung Berlin am 2. Juni 2022 zur Fachtagung „Polyphonic Encounters“ nach Berlin ein.


Im Rahmen des Projektes „Polyphon! Diversität in der politischen Bildung stärken“ lud der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB) in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung – Bundesstiftung Berlin am 2. Juni 2022 zur Fachtagung „Polyphonic Encounters“ nach Berlin ein. Zusammen mit Expert*innen sollte über die Fragen diskutiert werden, wie sich politische Bildung in einer pluralen Gesellschaft weiterentwickeln sollte und welche rassismus- und antisemitismuskritischen Leerstellen in der Programmplanung, der Stellenbesetzung und der finanziellen Förderung überwunden werden müssen.

 

Der Essayist und Lyriker Max Czollek beschäftigte sich in einem ersten Input mit der Erinnerungskultur und dem Begriff der Vielfältigkeit. Letzterer werde viel zu häufig als Bereicherung und somit aus einer Perspektive der Dominanzgesellschaft betrachtet. Verloren gehe hierdurch die Eigenständigkeit derjenigen, aus denen sich die gesellschaftliche Vielfalt zusammensetzt. Czollek kritisierte die offizielle Erinnerungspolitik, die auf Versöhnung, Normalisierung und Entlastung abziele und mit symbolischen Handlungen eine Entschädigung der Opfer und eine strafrechtliche Verfolgung der Täter*innen zu ersetzen versuche. Er forderte stattdessen eine Erinnerungskultur, die sich mit Rassismuskritik verbindet. So könne akzeptiert werden, dass die Vergangenheit nicht „wieder gut wird“ und dass es darum gehe, die Gegenwart so einzurichten, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt.

Rassismus- und antisemitismuskritische Leerstellen in der politischen Bildung

Auf dem zentralen Panel diskutierten Prof.in Dr.in María do Mar Castro Varela (auch Mitglied im Beirat der Fachstelle) von der Alice Salomon Hochschule Berlin, Marina Chernivsky vom Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment, der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, Isidora Randjelović vom Verein RomaniPhen e.V. und Peggy Piesche von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb zum Bedarf einer strukturellen Neuausrichtung politischer Bildung in einer postkolonialen und postnationalsozialistischen Gesellschaft. Chernivsky merkte gleich zu Beginn an, dass das „post“ in den im Titel der Podiumsdiskussion verwendeten Begriffen kein „Danach“ bedeute, sondern die Gegenwart der Vergangenheit markiere und somit auch die Kontinuität von Gewaltverhältnissen mitdenke. Castro Varela wies daraufhin, dass es weniger um rassismus- und antisemitismuskritische Leerstellen gehe, sondern um Felder der „gestatteten Ignoranz“ und forderte, dass kritisch darauf geschaut wird, wo und wie diese aufrechterhalten und ausgeweitet werden. Weiter kritisierte sie, dass Diversity heute als Label überall zu finden sei, jedoch hauptsächlich darüber geredet, aber nicht entsprechend gehandelt werde. Institutionen machten sich etwa immun gegen Kritik, indem sie Diversitätsverlautbarungen veröffentlichen und dadurch denken, nichts weiter tun zu müssen. Dieser Kritik konnten sich alle Panelteilnehmer*innen anschließen. Randjelović problematisierte, dass Rassismus gegenüber Sinti*zze und Rom*nja in der politischen Bildung zu wenig bis gar nicht thematisiert und berücksichtigt werde. Peggy Piesche wiederum plädierte dafür, dass zivilgesellschaftliche Organisationen nicht nur als Adressaten oder zeitweilige Partner in den Blick genommen werden dürfen, sondern durch eine Stärkung der Selbstorganisationen ein Pluralismus der Strukturen gefördert werden müsse. Einig waren sich die Podiumsgäste, dass Diversität strukturell in der politischen Bildung auf allen Ebenen verankert werden sollte.

 

Im Anschluss teilten sich die Teilnehmer*innen in verschiedene Workshops auf, um etwa über die Demokratisierung von Gestaltungsprozessen, Nonperformativitiy of Diversity sowie rassismuskritische politische Bildungsarbeit zu diskutieren. Die Fachtagung wurde mit einem Zusammentragen der Workshopergebnisse und einem Lyrical Recording beendet.


Veröffentlicht am 08.06.2022

 

Zum Weiterlesen

  • Tagungsbericht des AdB mehr lesen
  • Weitere Informationen zum AdB-Projekt „Polyphon! Diversität in der politischen Bildung stärken“ mehr lesen
  • Weitere Informationen zur Fachtagung mehr lesen


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