„Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern auch die politische Bildung.“ Fünf Fragen an Stefan Marschall

Prof. Dr. Stefan Marschall ist Professor für Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Themen Wahlhilfen, der Wahl-O-Mat, Online-Partizipation und Politikvermittlung. Prof. Dr. Marschall verweist auf die Möglichkeiten der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz für die politische Bildung, aber auch darauf, dass mehr begleitende Forschung nötig ist.


Prof. Dr. Stefan Marschall (Foto: privat)

Prof. Dr. Stefan Marschall ist Professor für Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Themen Wahlhilfen, der Wahl-O-Mat, Online-Partizipation und Politikvermittlung. Prof. Dr. Marschall verweist auf die Möglichkeiten der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz für die politische Bildung, aber auch darauf, dass mehr begleitende Forschung nötig ist. 


1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung? 

Derzeit begleite ich die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb bei der Weiterentwicklung des Wahl-O-Mat für das kommende Jahr. 2021 werden wir voraussichtlich sechs Landtagswahlen und eine Bundestagswahl haben; das bedeutet einen Großeinsatz für dieses populäre Online-Tool der politischen Bildung. Parallel bauen wir die Wahl-O-Mat-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität weiter aus und sind am Einsatz des Lokal-O-Mats, eines Wahl-O-Maten für die kommunale Ebene, beteiligt. 


2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse halten Sie für besonders relevant für die Praxis politischer Bildung?

Ich finde es wichtig zu wissen, dass sich politische Bildung und „Spaß“ nicht ausschließen müssen, sondern dass man mit schlau konstruierten spielerischen Tools in der Lage ist, Menschen für Politik zu interessieren – mit durchaus nachhaltigen Effekten. 


3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden? 

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) verändern auch die politische Bildung – sowohl thematisch als auch methodisch. Die Digitalisierung der Politik und der politischen Öffentlichkeit, von Staat und Verwaltung sowie die Verwendung von KI in politischen Prozessen auf unterschiedlichen Ebenen sind Themen, die von politischer Bildung erschlossen werden müssen. Dabei gilt es, die Ambivalenz der Entwicklung herauszuarbeiten, die Risiken, aber auch die Chancen der Digitalisierung. Zugleich kann politische Bildung selbst auf digitale Medien und KI zurückgreifen, diese als Instrumente der Politikvermittlung begreifen, um ihre Zielgruppen effizienter zu erreichen. Hier bedarf es intensiver begleitender und gestaltender Forschung. Zudem müsste im Bereich der politischen Bildung die Evaluationsforschung generell stärker ausgebaut werden, um Maßnahmen besser bewerten und zielgruppengenauer gestalten zu können. Oft bleiben die Effektivität und Effizienz von Aktivitäten im Bereich politischer Bildung im Dunkeln, selbst wenn viel Geld in die Hand genommen wird. Dabei muss Evaluation, will sie aussagekräftig sein, wissenschaftlich-methodischen Standards entsprechen. Zu Projektbeginn müssen klare und messbare Kriterien definiert werden, die nachgehalten werden können. Direkte und indirekte Wirkungen von Maßnahmen müssen unterschieden und erfasst werden.


4. Welchen Gewinn für die politische Bildung kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis bringen sowie ein Austausch sowohl zwischen den Wissenschaftsdisziplinen als auch innerhalb dieser?

Politische Bildung ist von ihrer Anlage her inter- und transdisziplinär. Ohne die Kommunikation mit anderen Disziplinen, aber vor allem ohne den Austausch mit der Praxis, funktioniert die Beschäftigung mit politischer Bildung nicht. Es sind aber nicht nur die „üblichen wissenschaftlichen Verdächtigen“, die mit an Bord müssen, sondern in Zeiten der Digitalisierung und von Künstlicher Intelligenz auch und vor allem die Informatik.


5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern: zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen, aber auch zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler_innen, Praktiker_innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Interessant sind alle Projekte, die sich um die Digitalisierung von politischer Bildung drehen. Auch die Frage, ob und wie Künstliche Intelligenz bei Projekten politischer Bildung eingesetzt werden kann, beschäftigt uns hier in Düsseldorf; hier würden wir uns über mehr Austausch freuen.


Veröffentlicht am 19.06.2020


Zum Weiterlesen

  • Sie finden Stefan Marschall in der Landkarte der Forschung zur politischen Bildung.
  • Marschall, Stefan / Israel, Jonas (2014): Toy or Tool? Der Wahl-O-Mat als hybrides Angebot der politischen Bildung. mehr lesen
  • Datenbankeintrag: Hanel, Katharina / Marschall, Stefan (2014): Der Einsatz von Online-Tools durch Parteien. Am Beispiel von onlineantrag.spd.de mehr lesen


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