„Demokratielernen führt nicht automatisch zu höherem Interesse an der institutionellen Politik“ Fünf Fragen an Volker Reinhardt

Volker Reinhardt ist Professor für Politikwissenschaft und Politikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg sowie Gastprofessor für Bildungswissenschaft an der Steinbeis-Hochschule Berlin. Im Kurzinterview hebt er hervor, dass die Wirkungen von Politikunterricht mehr beforscht werden sollten und der Dialog von Wissenschaft und Praxis für gelingende politische Bildung von zentraler Bedeutung ist.


Prof. Volker Reinhardt (Foto: privat)

Prof. Volker Reinhardt (Foto: privat)

Volker Reinhardt ist Professor für Politikwissenschaft und Politikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg sowie Gastprofessor für Bildungswissenschaft an der Steinbeis-Hochschule Berlin. Im Kurzinterview hebt er hervor, dass die Wirkungen von Politikunterricht mehr beforscht werden sollten und der Dialog von Wissenschaft und Praxis für gelingende politische Bildung von zentraler Bedeutung ist.


1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt im Bereich politische Bildung?

Zurzeit arbeite ich zu den Chancen von politischer Bildung im Zusammenhang mit Rechtspopulismus sowie zu Wirkungsanalysen von Demokratielernen. Gemeinsam mit Hans-Peter Burth versuche ich, empirische und theoretische Untersuchungen zur Demokratiedidaktik in Schule und Hochschule zu bündeln. Die letzten Projekte hatten das Thema „Wirksamer Politikunterricht“ aus der Perspektive von Expert_innen im Fokus. Ein weiteres Forschungsprojekt widmete sich im Rahmen einer Interventionsstudie der Frage, ob Demokratieprojekte auf der Mikroebene Auswirkungen auf das politische Interesse, die politische Motivation und Handlungsbereitschaft von Jugendlichen haben.


2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse halten Sie für besonders relevant für die Praxis politischer Bildung?

Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass Demokratielernen auf der Ebene der Lebensform, also demokratischer Schul- und Unterrichtserfahrungen, nicht automatisch zu höherem Interesse an der institutionellen Politik führt. Es kommt vielmehr auf die Tiefenstrukturen dieser schulischen Demokratieerfahrungen und auf die Reflexion dieser Erfahrungen im Hinblick auf das politische System an. Nur dann können sie auf das politische System übertragen werden.


3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden?

Es müssten noch sehr viel mehr Wirkungsstudien entstehen. Wir brauchen mehr Studien zu den Fragen, was im alltäglichen Politikunterricht passiert und welche Wirkung er auf die politische Urteilsbildung, auf die Demokratiekompetenz und das Politikinteresse der Schüler_innen hat.


4. Welchen Gewinn für die politische Bildung kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis bringen sowie ein Austausch sowohl zwischen den Wissenschaftsdisziplinen als auch innerhalb dieser?

In meinem letzten Buchprojekt habe ich versucht, die Perspektiven von Politikdidaktiker_innen, Fachleiter_innen und erfahrenen Politiklehrer_innen zusammenzubringen. Denn genau dieser Dialog von Wissenschaft und Praxis ist meines Erachtens für gelingende politische Bildung besonders wichtig.

5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern: zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen, aber auch zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler_innen, Praktiker_innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Ich freue mich über den Austausch mit Interessierten aus Wissenschaft und Praxis, die an der Beforschung der Wirkung von alltäglichem Politikunterricht interessiert sind.

 

Veröffentlicht am 18.11.2019

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