„Ich denke, dass der Gewinn im Regelfall in dem Maße ansteigt, wie aus einem bloßen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis auf Innovation zielende Kooperation erwächst.“ Fünf Fragen an Kurt Möller

Prof. Dr. Kurt Möller forscht an der Hochschule Esslingen zu seinen Schwerpunkten: Rechtsextremismus, Islamismus und Gewalt. Im Gespräch mit der Fachstelle spricht er über den Gewinn, den Wissenschaft und Praxis von mehr Kooperation mit- und untereinander erzielen können.


Prof. Dr. Kurt Möller (Foto: privat)

Prof. Dr. Kurt Möller forscht an der Hochschule Esslingen zu seinen Schwerpunkten: Rechtsextremismus, Islamismus und Gewalt. Im Gespräch mit der Fachstelle spricht er über den Gewinn, den Wissenschaft und Praxis von mehr Kooperation mit- und untereinander erzielen können.

1. Was ist Ihr aktuelles und was war Ihr letztes Forschungsprojekt zur politischen Bildung? 

Zurzeit laufen ein paar zum Teil kleinere Projekte zur politischen Bildung: ein Evaluationsprojekt politischer Bildung zu FakeNews im Jugendvollzug, im Rahmen eines „Demokratielabors“ mit kleineren Vorhaben u.a. ein Lehrforschungsprojekt zum Thema „Jugend und Politik“, aus dem ein Buch entstehen wird sowie die Erstellung einer Handreichung zum Lebensgestaltungsansatz in der politischen Bildung. Das letztgenannte Projekt ist Ausfluss zwei jeweils dreijähriger Wissenschaft-Praxis-Kooperationsprojekte. Dabei ging es um die Entwicklung und formative Evaluation von Ansätzen der sozialarbeiterischen und bildnerischen Bearbeitung Pauschalisierender Ablehnungskonstruktionen (PAKOs) in unterschiedlichen Arbeitsfeldern von Jugendarbeit (Jugendbildungsarbeit sowie Offene und Aufsuchende Jugendarbeit) und von Fort- und Weiterbildungsangeboten für Fachkräfte der Bildungs- und Sozialarbeit in verschiedenen ländlichen Regionen Deutschlands.

2. Welche Ihrer Forschungsergebnisse halten Sie für besonders relevant für die Praxis politischer Bildung?

Die faktische Relevanz von Forschungsergebnissen für die Praxis hängt erfahrungsgemäß ganz wesentlich davon ab, ob die Resultate in Zusammenarbeit mit Praxisträgern zustande gekommen sind. Wir  machen sehr gute Erfahrungen mit der wechselseitigen Anregung und der für beide Seiten weiterführenden Produktivität, die klug angelegte Wissenschaft-Praxis-Kooperationsprojekte mit sich bringen. Wir verfolgen in solchen Kontexten insbesondere den Lebensgestaltungsansatz und die KISSeS-Strategie und erfahren dafür aus der Praxis der politischen Bildungs- und Sozialarbeit viel positive Resonanz.

3. Welche Themen im Kontext politischer Bildung sollten Ihrer Meinung nach beforscht werden? 

Hier fällt es mir sehr schwer, eine Auswahl zu treffen. Zu den besonders vernachlässigten Themen dürften aber gehören: Politische Bildung in den erzieherischen Hilfen, politische Bildung mit behinderten Menschen, Politische Bildung im (Jugend)Strafvollzug, Chancen informeller politischer Bildung, der Zusammenhang politischer Erfahrung und politischer Bildung sowie politische Selbstbildungspotentiale im Rahmen neuer sozialer Bewegungen, in Jugendkulturen und innerhalb sozialen Engagements junger Menschen.

4. Welchen Gewinn für die politische Bildung kann ein Dialog von Wissenschaft und Praxis bringen sowie ein Austausch sowohl zwischen den Wissenschaftsdisziplinen als auch innerhalb dieser?

Ich denke, dass der Gewinn im Regelfall in dem Maße ansteigt, wie aus einem bloßen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis auf Innovation zielende Kooperation erwächst. Praxis kann darüber u.a. eine stärkere wissenschaftliche Fundierung, vertiefte Reflexion, verlässliche Evaluationsergebnisse, seriöse Legitimierung und eine gewisse Rationalisierung der Steuerung ihrer Arbeit erhalten. Wissenschaft wiederum wird gleichsam ‚auf den Boden der Tatsachen gezogen‘ und mit den (Alltags)Problemen der Praxis konfrontiert; sie sieht sich stärker dazu aufgefordert, anwendungsorientiert zu arbeiten und kann damit Resultate erzielen, die weniger Gefahr laufen, zwischen vergilbten Buchdeckeln in Regalen von Bibliotheken zu verstauben.

5. Die Fachstelle politische Bildung hat eine Landkarte der Forschung zur politischen Bildung entwickelt, um Austausch und feldübergreifende Zusammenarbeit zu fördern: zwischen und innerhalb der Wissenschaftsdisziplinen, aber auch zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie sind dort mit einem Eintrag vertreten. Über welche Kontaktaufnahmen oder Anfragen anderer Wissenschaftler_innen, Praktiker_innen oder sonstiger Interessierter würden Sie sich freuen?

Ich glaube, ehrlich gesagt, über (auch angesichts meiner zeitlichen Kapazitäten) genügend solcher Kontakte und Austauschmöglichkeiten zu verfügen, wobei auch ich von interdisziplinärer Zusammenarbeit immer sehr profitiere und insofern sagen würde, dass man eigentlich kaum zu viel Zugang zu solchen Möglichkeiten besitzen kann und ich mich über Kontaktaufnahmen deshalb freue.

 

Zum Weiterlesen:

Sie finden Kurt Möller in der Landkarte zur Forschung politischer Bildung 



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