Transferstelle politische Bildung

Neues im Dossier „Forschung zum Thema Flucht und Asyl“

In unserem Online-Dossier „Forschung zum Thema Flucht und Asyl“ gibt es neue Einträge zu wissenschaftlichen Informationsquellen, Umfragen und laufenden Forschungsprojekten. Beispielsweise gibt es mittlerweile erste Ergebnisse aus der BAMF-Analyse zu Fluchtmotiven und die Auswertung der „Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit“ Studie von der Stiftung Mercator. Wir freuen uns weiterhin über Hinweise zu Forschungsprojekten zu diesem Thema, die für die politische Bildung relevant sein können.


In unserem Online-Dossier „Forschung zum Thema Flucht und Asyl“ gibt es neue Einträge zu wissenschaftlichen Informationsquellen, Umfragen und laufenden Forschungsprojekten. Beispielsweise gibt es mittlerweile erste Ergebnisse aus der BAMF-Analyse zu Fluchtmotiven und die Auswertung der „Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit“ Studie von der Stiftung Mercator. Wir freuen uns weiterhin über Hinweise zu Forschungsprojekten zu diesem Thema, die für die politische Bildung relevant sein können.

 

Abgeschlossene Forschung

Einstellungen zur Integration in der Bevölkerung. Kurzbericht zum Projekt „ZuGleich – Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit“

Auftraggeber: Stiftung Mercator

Durchführendes Institut: Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld

Kontakt: Prof. Dr. Andreas Zick und Madlen Preuß (Universität Bielefeld), Katharina Tesmer und Anna Dieterle (Stiftung Mercator)

Erhebungszeitraum: ZuGleich I: Nov. 2013 - Jan. 2014, ZuGleich II: Dez. 2015 – Jan. 2016

Grundgesamtheit: repräsentativ ausgewählte Personen ab 18 Jahren

Stichprobe: ZuGleich I: 2006, ZuGleich II: 1502

Erhebungsverfahren: Telefonische Befragung durch das Sozialwissenschaftliche Umfrageinstitut (SUZ), Duisburg

Die Einstellungen der Bevölkerung in Deutschland zur Zuwanderung wurden in zwei Messzeiträumen erhoben. Dabei zeigte sich, dass der Zuspruch zur Willkommenskultur zum Teil stark gesunken  ist (S. 3). Der Anspruch auf Vorrechte der etablierten Bevölkerung hat sich zwischen den beiden Erhebungszeiträumen verdreifacht und wird von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen geteilt. Einige Kriterien für Zugehörigkeit, wie beispielsweise die Achtung von Gesetzen und Deutschkenntnisse, haben  an Bedeutung gewonnen. Andere Kriterien wie die deutsche Staatsangehörigkeit oder die christliche Konfession verlieren dagegen an Bedeutung. In der Einstellung zum Zusammenleben zeigt sich, dass der Erhalt der eigenen Kultur als Kriterium an Zuspruch verliert. Bei Menschen ohne Migrationshintergrund sinkt die Zustimmung von 59,6 Prozent auf 50,7 Prozent und bei Menschen mit Migrationshintergrund von 66,5 Prozent auf 64,9 Prozent. „Im Vergleich zur Bevölkerung ohne MH [Migrationshintergrund, Anm. TpB] schätzen Deutsche mit MH/Migrant*innen auch weiterhin auf einem hohen Zustimmungsniveau die Aufrechterhaltung kultureller Wurzeln“ (S. 15). Es wird verstärkt Assimilation, im Sinne einer einseitigen Anpassung an die deutsche Mehrheitsgesellschaft, aber auch Separation gefordert. Zwar befürwortet eine große Mehrheit „ein Recht auf Asyl, jede*r Zweite lehnt aber ein Bleiberecht auf Dauer ab“ (S. 21). Die Ergebnisse weisen auf eine konflikthafte Auseinandersetzung hin und werfen die Frage auf, wie Integration von eingewanderten Menschen und Gruppen in Deutschland gelingen kann, wenn die Aufnahmegesellschaft auf den Erhalt von Vorrechten beharrt?

Download der Studie [ PDF | 176 KB ]

Weitere Informationen

 

BAMF-Kurzanalyse: Flucht, Ankunft in Deutschland und erste Schritte der Integration
Auftraggeber: Forschungszentrum Migration, Integration und Asyl des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF)

Durchführende Institute: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) und das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) am Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin

Erhebungszeitraum: Juni–Oktober 2016

Stichprobe: für den vorliegenden Teilbericht nur 2.349 Befragte

Grundgesamtheit: repräsentative Befragung von insgesamt 4.500 Menschen mit Fluchterfahrung ab 18 Jahren die seit 2013 in Deutschland angekommen sind

Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl / Randomstichprobe

Erhebungsverfahren: Fragebogen in sieben verschiedenen Sprachen, „Face-to-Face“ von geschulten Interviewer_innen von KANTAR Public (früher: TNS Infratest Sozialforschung) mit Computerunterstützung

Die Befragten nennen als wichtigste Motive für ihre Flucht Angst vor Krieg, Gewalt und Verfolgung. Es zeigt sich, dass die Kosten und Risiken der Flucht hoch sind. Der Stand der Allgemeinbildung der geflüchteten Menschen ist sehr unterschiedlich. Der Anteil der Personen mit Berufs- und Hochschulabschlüssen ist zwar gering, es zeigt sich jedoch dass die Befragten eine hohe Bildung als erstrebenswert ansehen. In ihren Wertvorstellungen, wie beispielsweise Einstellungen zu Demokratie und Rechtsstaat, weisen die Geflüchteten sehr viel mehr Gemeinsamkeiten mit der deutschen Bevölkerung auf, als mit der Bevölkerung aus den Herkunftsländern. Die Autor_innen der Studie folgern: „Vor dem Hintergrund ihres geringen durchschnittlichen Alters und ihrer hohen Bildungs- und Erwerbsaspirationen bestehen erhebliche Potenziale für die Integration in das Bildungssystem und den Arbeitsmarkt“ (BAMF 2016, S. 17).

Download der Studie [ PDF | 650 KB ]

 

Was wirklich wichtig ist: Einblicke in die Lebenssituation von Flüchtlingen

Auftraggeber: Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) und Robert Bosch Stiftung

Kontakt: Dr. David Schiefer (SVR-Forschungsbereich) und Raphaela Schweiger (Robert Bosch Stiftung)
Erhebungszeitraum: seit Februar 2016

Sampling: Variation nach Geschlecht, Alter, Herkunftsland und Form der Unterbringung (Gemeinschaftsunterkunft oder individuelle Wohnung) und der soziale Rahmen der Flucht
Fallzahl: 21 (von insgesamt 60) Erwachsenen mit Fluchterfahrungen

Erhebungsverfahren: Interviews

Auswertungsverfahren: Qualitative Inhaltsanalyse

Die qualitative Befragung von Menschen mit Fluchterfahrungen zeigt, dass diese vor allem die Zeit vor der Flucht (Vergangenheit), ihre konkrete Lebenssituation in den Kommunen (Gegenwart) und die Frage, wie sich ihre Perspektiven gestaltet (Zukunft), beschäftigt. Besonders betont wird der Wunsch nach einem intakten Sozialleben. Die Befragten berichten vergleichsweise viel von Begegnungen mit den Menschen in Deutschland und von emotional belastenden Trennungen der Familie, aber auch von dem Wunsch, eine Arbeit anzutreten. Nicht nur Sprachkurse werden benötigt, auch andere Informationen: „So zeigt es sich als sehr wichtig, Flüchtlingen bereits zu einem frühen Zeitpunkt transparent zu machen, welches die nächsten Verfahrensschritte sind und welche Handlungsmöglichkeiten und Zukunftschancen sie haben. Dies muss ihnen sprachlich verständlich sowie bildungsadäquat vermittelt werden“ (SVR 2016, S. 5). Hohe Dankbarkeit und Wertschätzung äußern sie über die professionelle und ehrenamtliche Unterstützung durch die Aufnahmegesellschaft. Die Kommunen spiele eine wichtige Rolle: „Wieder einmal zeigt sich: Integration findet vor Ort statt“ (a.a.O., S. 6). Die Gesamtergebnisse der Studie werden im November 2017 veröffentlicht.

Download der Studie [ PDF | 474 KB ]

 

Einstellungen gegenüber nationaler Identität, Einwanderung und Flüchtlingen in Deutschland

Auftraggeber: Purpose Europe, Social Change Initiative, Human Dignity Foundation

Durchführendes Institut: Ipsos

Kontakt: More in Common

Erhebungszeitraum: 20.–27. September 2016

Grundgesamtheit: repräsentative Stichprobe in Deutschland

Stichprobe: 2.000 Erwachsene

Erhebungsverfahren: Online Umfrage und zwei Fokusgruppen

Die Ergebnisse der Umfrage in der deutschen Bevölkerung zeigen, dass die Mehrheit der Befragten keine eindimensionale Meinung hinsichtlich ankommender geflüchteter Menschen hat. Die Autor_innen der Studie teilen die Befragten in fünf Gruppen („radikale Gegner“, „gemäßigte Gegner“, „humanitäre Skeptiker“, „wirtschaftliche Pragmatiker“ und „liberale Weltbürger“). Die Antworten der Befragten spiegeln eine komplexe Mischung aus Verantwortungsgefühl, Skepsis, Sorgen und Empathie wider. Insgesamt kommen die Verfasser_innen der Studie  zu dem Schluss, dass eine überwältigende Mehrheit der Deutschen an eine Verpflichtung von Staaten glaubt, flüchtende Menschen aufzunehmen. 69 Prozent der Befragten finden, dass sogenannte Kriegsflüchtlinge in Deutschland und anderen Ländern Schutz finden sollen. Nur acht Prozent widersprechen dieser Aussage. Eine der größten Sorgen der befragten Personen ist, ob sich geflüchtete Menschen erfolgreich in die deutsche Gesellschaft integrieren werden. 46 Prozent der Befragten sind diesbezüglich skeptisch und nur 23 Prozent sind überzeugt, dass eine erfolgreiche Integration stattfinden wird. Auch das eigene Engagement wurde befragt: „40 Prozent der Deutschen haben im vergangenen Jahr Flüchtlinge aktiv unterstützt, meist durch Kleider und Lebensmittelspenden. Die meisten von ihnen empfinden eine menschliche Verpflichtung zu helfen und sind bereit, mehr zu tun, wenn es einfacher wäre“ (S. 7).

Download der Studie [ PDF | 2,3 MB ]  (Seitenangaben beziehen sich auf den gesamten Bericht)

Download Zusammenfassung [ PDF | 467 KB ]

 

Laufende Forschungsprojekte

Aktuelle europäische Binnen- und Flüchtlingsmigration nach Deutschland: Zuzugsprozesse und frühe Integrationsverläufe

Projektleitung: Prof. Dr. Claudia Diehl (Universität Konstanz), Prof. Dr. Matthias Koenig (Georg-August-Universität Göttingen) und Prof. Dr. Cornelia Kristen (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)

Finanzierung: Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Dauer: 2017–2020

Weitere Informationen

 

Deutung und Bewältigung von Diskriminierungserfahrungen beim Übergang von der schulischen in die berufliche Bildung

Projektleitung: Prof. Albert Scherr und Mitarbeiterin: Helen Breit (Pädagogische Hochschule Freiburg)

Finanzierung: Baden-Württemberg-Stiftung

Dauer: 2017-2018

Weitere Informationen

 

zum Dossier „Forschung zum Thema Flucht und Asyl“

 

Forschen Sie selbst zu dem Thema? Oder kennen Sie relevante Forschungsarbeiten? Dann schicken Sie gerne eine Nachricht an Farina Nagel