Transferstelle politische Bildung

„Unsere herausgeforderte Demokratie – Politische Bildung in Zeiten des Populismus“. Bericht von der 18. GPJE-Jahrestagung

In diesem Jahr war die Jahrestagung der GPJE (Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung in Essen. Vom 22. bis 24. Juni 2017 diskutierten Forscher_innen zum Thema „Unsere herausgeforderte Demokratie – Politische Bildung in Zeiten des Populismus“ an der Universität Duisburg-Essen. Im Vorfeld der GPJE-Jahrestagung besuchte Farina Nagel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Transferstelle politische Bildung und Doktorandin an der Universität Duisburg-Essen auf Einladung des Nachwuchssprechers der GPJE, Mathias Lotz (Universität Mainz), die Nachwuchstagung der GPJE in Duisburg.


Fotos: CIVES School of Civic Education/UDE

In diesem Jahr war die Jahrestagung der GPJE (Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung in Essen. Vom 22. bis 24. Juni 2017 diskutierten Forscher_innen zum Thema „Unsere herausgeforderte Demokratie – Politische Bildung in Zeiten des Populismus“ an der Universität Duisburg-Essen.

Im Vorfeld der GPJE-Jahrestagung besuchte Farina Nagel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Transferstelle politische Bildung und Doktorandin an der Universität Duisburg-Essen auf Einladung des Nachwuchssprechers der GPJE, Mathias Lotz (Universität Mainz), die Nachwuchstagung der GPJE in Duisburg. Im Rahmen der Mitgliederversammlung des wissenschaftlichen Nachwuchses der GPJE berichtete sie von der Arbeit der Transferstelle politische Bildung, beantwortete Fragen und gab einen Ausblick auf die geplante Jahrestagung der Transferstelle zum Thema „Gemeinsam stärker!? Kooperationen zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule“

Ausrichterinnen der GPJE-Jahrestagung in Essen waren Prof. Dr. Sabine Manzel (Universität Duisburg-Essen) und Laura Möllers (Cives School of Civic Education an der Universität Duisburg-Essen). Das Thema der Fachtagung vereinte die außerschulische und schulische politische Bildung sowie viele Vertreter_innen aus angrenzenden Disziplinen. Die Forscher_innen zeigten an dem Thema ein besonders großes Interesse. Das äußerte sich u. a. darin, dass im Vorfeld doppelt so viele Beiträge wie sonst üblich für eine GPJE-Jahrestagung eingereicht wurden.

Nach der Begrüßung sprach Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtspopulismus. Im Anschluss stellte Prof. Dr. Frank Decker (Universität Bonn) das Wahlverhalten zu rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien im europäischen Vergleich vor und bot Erklärungsansätze für den Erfolg der AfD.

„Populismus als Herausforderung für die Demokratie“

In der folgenden Podiumsdiskussion diskutierten Prof. Dr. Ursula Birsl (Universität Marburg), PD Dr. Oliver Decker (Universität Leipzig), Prof. Dr. Samuel Salzborn (Universität Göttingen) und PD Dr. Dennis Spies (Universität Köln) aus verschiedenen fachwissenschaftlichen Perspektiven das Thema „Populismus als Herausforderung für die Demokratie“. Dabei wurde der Populismusbegriff als unscharfe Analyseeinheit kritisiert, der als wissenschaftliche Kategorie nicht genüge. Salzborn plädierte dafür, mehr Fachwissen zu vermitteln, um politische Mündigkeit und antipopulistisches Denken zu fördern.
Am zweiten Tag fanden die Vorträge in drei parallelen Slots statt. Prof. Dr. Anja Besand (Universität Dresden und Mitglied im Expert_innenrat der Transferstelle politische Bildung) berichtete in ihrem Vortrag „,Nach PEGIDA – Rechtspopulismus als Herausforderung für die politische Bildung“ von der aktuellen Lage in Dresden. Dabei stellte sie anhand ihrer Beobachtungen unterschiedliche Strategien vor, wie von Seiten politischer Bildung mit Rechtspopulismus umgegangen wird. Sie machte darauf aufmerksam, dass eine Debatte in der politischen Bildung zum Umgang mit PEGIDA fehlt.

Dr. Thomas Pfeiffer vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen plädierte in seinem Vortrag „Der Rechtsextremismus als Erlebniswelt. Eine Perspektive für Aufklärung und politische Bildung?“ dafür, Rechtsextremismus aus der Perspektive von Jugendlichen wahrzunehmen, um die Bedeutung der „rechten Erlebniswelt“ und der Gemeinschaft, die die Szene bietet, zu erkennen. Die politische Bildung sollte entsprechend intervenieren, beispielsweise durch spezifische Diskursstrategien. Zur Anschauung zeigte er YouTube-Videos der Identitären Bewegung und eines Rechtsrockkonzerts.

„Populismus als Herausforderung für die politische Bildung"

In der darauf folgenden Podiumsdiskussion diskutierten Prof. Dr. Anja Besand, Prof. em. Dr. Benno Hafeneger (Universität Marburg), Dr. Gudrun Heinrich (Universität Rostock), Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer (Universität Duisburg-Essen) und Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Thema „Populismus als Herausforderung für die politische Bildung“. Die Moderation übernahm die Gastgeberin Prof. Dr. Sabine Manzel. Krüger betonte die Wichtigkeit der außerschulischen politischen Bildung und sprach sich für deren weitere Professionalisierung und Stärkung aus. Hufer kritisierte die Kurzfristigkeit der Projektorientierung in der politischen Bildung und die mangelnde Relevanz etablierter Strukturen. Die Diskutant_innen einigten sich darauf, dass schulische und außerschulische politische Bildung sich gegenseitig ergänzen sollten.

Der dritte Tag startete mit Workshops zum didaktischen Umgang mit Verschwörungstheorien, Kontroversität und rechtspopulistischen Äußerungen von Schüler_innen. Im Anschluss präsentierte Farina Nagel, ein Teilergebnis ihrer qualitativen Forschung. Sie präsentierte das Rekonstruktionsergebnis vier verschiedener Typen von Werthaltungen von Schüler_innen zum Thema „Flucht und Asyl“. In Bezug auf das Tagungsthema legte sie dar, inwiefern es sich bei den Positionierungen der befragten Schüler_innen um populistische oder antipopulistische Tendenzen handelt.

Am Ende der Tagung ging der Posterpreis für den wissenschaftlichen Nachwuchs an Timo Gertler von der Universität Gießen, der zu Museen als Räume politischer Bildung forscht.

 

Bildergalerie auf der Seite der CIVES School of Civic Education

 

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