Fit für die Demokratie? Tagung zur ICCS-Studie

Auf der Fachtagung „Fit for democracy – Wie gut werden Jugendliche in der Schule auf ihre Rolle als Bürger*innen vorbereitet?“ wurden am 20. April 2018 die Ergebnisse der International Civic and Citizenship Education Study 2016 (ICCS Studie) an der Universität Duisburg-Essen diskutiert. Expert_innen der politischen Bildung aus Wissenschaft und Praxis bewerteten die Befunde aus politikdidaktischen, schulischen, zivilgesellschaftlichen und bildungspolitischen Perspektiven und diskutierten, was sie für Ausbilder_innen, Lehrer_innen, politische Bildner_innen und Forscher_innen bedeuten. Die Veranstaltung war eine Kooperation der CIVES! School of Civic Education, des Interdisziplinären Zentrums für Bildungsforschung (IZfB) und des Nationalen ICCS-Studienzentrums an der Universität Duisburg-Essen.


Fotos: Cives School of Civic Education

Fotos: Cives School of Civic Education

Auf der Fachtagung „Fit for democracy – Wie gut werden Jugendliche in der Schule auf ihre Rolle als Bürger*innen vorbereitet?“ wurden am 20. April 2018 die Ergebnisse der International Civic and Citizenship Education Study 2016 (ICCS Studie) an der Universität Duisburg-Essen diskutiert. Expert_innen der politischen Bildung aus Wissenschaft und Praxis bewerteten die Befunde aus politikdidaktischen, schulischen, zivilgesellschaftlichen und bildungspolitischen Perspektiven und diskutierten, was sie für Ausbilder_innen, Lehrer_innen, politische Bildner_innen und Forscher_innen bedeuten. Die Veranstaltung war eine Kooperation der CIVES! School of Civic Education, des Interdisziplinären Zentrums für Bildungsforschung (IZfB) und des Nationalen ICCS-Studienzentrums an der Universität Duisburg-Essen.

ICCS-Studie untersucht erstmalig auch Deutschland

Die Tagung wurde durch die Lehrstuhlinhaberin für die Didaktik der Sozialwissenschaften an der Universität Duisburg-Essen, Prof.in Dr. Sabine Manzel, eröffnet. Sie ist wissenschaftliche Leiterin der CIVES! School of Civic Education und Vorstandsmitglied des IZfB. Prof. Dr. Herman Josef Abs (Universität Duisburg-Essen) stellte die zentralen Ergebnisse zum politischen Wissen der 14-Jährigen in seiner Keynote vor. Zusammen mit Prof.in Dr. Katrin Hahn-Laudenberg (Bergische Universität Wuppertal) leitete er den deutschen Teil der Studie.

Die internationale Vergleichsstudie zur politischen Bildung wurde 2016 bereits zum vierten Mal durchgeführt. Nach 1971, 1999 und 2009 ist erstmalig mit Nordrhein-Westfalen auch Deutschland vertreten. 2016 untersuchten die Forscher_innen insgesamt 24 Bildungssysteme weltweit. In Deutschland wurden knapp 1.500 Schüler_innen befragt, die repräsentativ für Achtklässler_innen in Nordrhein-Westfalen sind. Die Ergebnisse schulischer und außerschulischer Lernprozesse wurden anhand der Dimensionen Wissen und Argumentieren, Identität, Einstellungen und Werte sowie Partizipationsabsichten erfasst.

Laut Prof. Dr. Abs zeigte sich, dass das politische Wissen der Schüler_innen in NRW im europäischen Vergleich gering ausgeprägt ist. In keinem anderen Schulsystem, außer dem in Bulgarien, ist das politische Wissen und Argumentieren so stark mit der familiären Herkunft der Schüler_innen verknüpft wie in Deutschland.

Im Anschlussvortrag vertiefte Prof. Dr. Jan van Deth (Universität Mannheim) die Aspekte Wissen und Partizipation. So zeigen die Auswertungen, dass sich Schüler_innen in Nordrhein-Westfalen am seltensten vorstellen können, sich in Zukunft politisch zu beteiligen.

 

Diskussion der Ergebnisse und ihre Bedeutung für politische Bildung in der Schule

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden in Workshops die vier Dimensionen der Studie (Wissen und Argumentieren, Identität, Einstellungen und Werte sowie Partizipationsabsichten) und interpretierten sie im Hinblick auf politikdidaktische Schlussfolgerungen. Im Workshop mit dem Titel „,Ich werde später sicher wählen gehen‘ – Partizipationsbereitschaft“ von Prof.in Dr. Tatiana Zimenkova (TU Dortmund) und Daniel Deimel (Universität Duisburg-Essen) wurde die Partizipationsbereitschaft von Schüler_innen diskutiert und wie man diese in der Schule fördern kann. Vorgeschlagen wurde u.a., vorhandene Partizipationsformen in der Schule, wie die Schüler_innenvertretung, zu stärken und die Demokratisierung von Schule voranzutreiben. Mit Verweis auf soziale Ungleichheiten wurde darauf hingewiesen, dass nicht alle Partizipationsangebote von den Schüler_innen gleichermaßen genutzt werden.

Nach dem Mittagessen konnten die Teilnehmenden die Ergebnisse aus den Workshops im Posterformat sichten. Bei einem Kaffee wurde teils an den Poster, teils am Buffet engagiert weiterdiskutiert.

Daniel Deimel zeigte im Anschluss weitere Forschungsmöglichkeiten mit den ICCS-Daten. Prof.in Dr. Eveline Gutzwiller-Helfenfinger (Gastprofessorin am Interdisziplinären Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen) präsentierte parallel dazu Ergebnisse der ICCS-Studie zu den schulischen Sozialbeziehungen im Prozess der politischen Sozialisation.

In der abschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Prof.in Dr. Sabine Manzel erörterten Prof. Dr. Tim Engartner (Goethe-Universität Frankfurt/M.), Prof. Dr. Thomas Goll (TU Dortmund), Prof.in Dr. Monika Oberle (Georg-August-Universität Göttingen), Prof.in Dr. Andrea Szukala (Universität Münster) und Prof. Dr. Herman Josef Abs die Konsequenzen der ICCS Studie für die politische Bildung. Dabei betonten sie die Wichtigkeit politischen Wissens, das in der Schule nur der Fachunterricht bieten könne. Sie reflektierten aber auch die hohen und vielfältigen Anforderungen an den sozialwissenschaftlichen Unterricht und an die Schule allgemein.

 

Zum Weiterlesen

  • Weitere Informationen zur ICCS-Studie 2016
  • Die gesamte Publikation in Form eines Sammelbandes zu den zentralen Ergebnissen gibt es zum freien Download beim Waxmann-Verlag.
  • In Kürze finden Sie zu der Studie auch einen Eintrag in unserer Online-Datenbank.