Fachaustausch zum Modellprojekt „Politische Partizipation als Ziel der Politischen Bildung”

Die Fachstelle politische Bildung beteiligte sich als Mitglied der Steuerungsgruppe des Modellprojekts „Politische Partizipation als Ziel der Politischen Bildung“ am 28. und 29. Mai 2018 am Fachaustausch im Haus am Maiberg in Heppenheim. In dem von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb geförderten Modellprojekt sollen durch eine enge Verzahnung von Institutionen der schulischen und außerschulischen Bildung und die Verknüpfung der Kompetenzen beider Disziplinen neue lerntheoretische Erfahrungen zur selbstgesteuerten Partizipation von Jugendlichen generiert werden.


Foto 2 und 3: Haus am Maiberg, Paul Marsch

Foto 2 und 3: Haus am Maiberg, Paul Marsch

Die Fachstelle politische Bildung beteiligte sich als Mitglied der Steuerungsgruppe des Modellprojekts „Politische Partizipation als Ziel der Politischen Bildung“ am 28. und 29. Mai 2018 am Fachaustausch im Haus am Maiberg in Heppenheim. In dem von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb geförderten Modellprojekt sollen durch eine enge Verzahnung von Institutionen der schulischen und außerschulischen Bildung und die Verknüpfung der Kompetenzen beider Disziplinen neue lerntheoretische Erfahrungen zur selbstgesteuerten Partizipation von Jugendlichen generiert werden. Es soll die Frage beantwortet werden, „durch welche Themen, Formate, Methoden und Zielsetzungen politische Partizipation […] für die Schüler_innen […] praktisch erfahrbar gemacht werden kann“ (Broschüre zum Modellprojekt des Haus am Maiberg, S. 3). Träger des Modellprojekts ist das Haus am Maiberg.

Projektleiter Alexander Mack berichtete zu Beginn des Fachaustauschs über die Projektpraxis des letzten Jahres. Dr. Alexander Wohnig, Heidelberg School of Education, gab im Anschluss einen Überblick zum gegenwärtigen Stand der Begleitforschung des Modellprojekts und erläuterte anhand einiger Beispiele aus den Projekten das politische Handeln der Schüler_innen und ihre damit verbundenen Erfahrungen.

Die Schüler_innen setzen sich in den Projekten mit politischen Inhalten auseinander, legen ihre Themen selbst fest und entwickeln Ideen und Konzepte für politische Aktionen. In Seminaren der außerschulischen politischen Bildung sowie im politisch bildenden Schulunterricht werden sie dabei pädagogisch unterstützt. Die Schüler_innen setzen ihre Aktionen eigenständig um und werten sie abschließend aus.

In der wissenschaftlichen Begleitung werden die in der Kooperation entstehenden politischen Lernprozesse und die Partizipationskonzepte der Schüler_innen (und Lehrer_innen) analysiert. Die in der Kooperation zwischen Schule und außerschulischem Bildungsort entstehenden didaktischen Spannungsverhältnisse werden ebenfalls untersucht.

Am Fachaustausch beteiligten sich verschiedene Akteur_innen der außerschulischen politischen Bildung, Lehrer_innen, eine Schulsozialarbeiterin, zahlreiche Schüler_innen aus den Projekten sowie weitere Mitglieder der Steuerungsgruppe. Darüber hinaus nahmen auch Ruth Grune und Peter Zorn aus dem Fachbereich „Zielgruppenspezifische Angebote“ der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Benedikt Widmaier, Direktor des Haus am Maiberg, teil.

Ruth Grune erörterte in ihrem Vortrag das Thema „Partizipation und Heterogenität: Zugang zu ‚bildungsfernen‘ Zielgruppen“.

Praxisaustausch und Projektberichte der Schüler_innen

In einer Art Marktplatz berichteten die am Projekt beteiligten Schüler_innen in Kleingruppen über ihre Erfahrungen, Vorgehensweisen und (Miss-)Erfolge der politischen Aktionen. Dazu brachten sie Plakate, Bilder und Ausdrucke sowie Webseiten zu ihren Projekten mit und stellten ihre Arbeit in Kleingruppen vor. Die anschaulichen und engagierten Präsentationen der Schüler_innen unterschiedlicher Schulformen und Altersstufen fanden großen Anklang: Sie beschäftigten sich beispielsweise mit Infrastruktur im ländlichen Raum, Müllentsorgung oder Engagement gegen Rassismus.

In schulisch-außerschulisch besetzen Gesprächen berichteten die Teilnehmenden über die Ziele der Kooperationen und diskutierten, wann und unter welchen Bedingungen Projekte erfolgreich sind . Schulische wie außerschulische Akteur_innen plädierten dafür, Grenzen zu erweitern - des Politikbegriffs, des Begriffs politischer Bildung, des Erfolgs, der Freiwilligkeit. Erfolg sei nicht mit einem positiven Ergebnis gleichzusetzen, wichtiger seien der Prozess und die Reflexion.

Aus schulischer Perspektive wurde besonders hervorgehoben, dass Kooperationen Möglichkeiten und Räume für Partizipation eröffnen, die im Rahmen schulischer politischer Bildung sonst nicht stattfinden. Sie geben Anstöße, innerschulische Grenzen zu erweitern und erlauben reales politisches Handeln. Die außerschulischen Akteur_innen betonten die Bedeutung klarer Absprachen bei der Rollen- und Aufgabenverteilung. Sie wünschen sich Fortbildungen für alle Kooperationspartner_innen, eine Intensivierung des Dialogs aller Akteur_innen und eine Verzahnung schulischer und außerschulischer Strukturen. Die Schüler_innen hoben die Vorzüge des Arbeitens in außerschulischer Umgebung, ihre persönliche Weiterentwicklung, die Möglichkeit der Eigenverantwortung sowie die Unterstützung und Wertschätzung durch die begleitenden Pädagog_innen und Wissenschaftler_innen hervor.

Ausblick

Als nächste Schritte sind eine Abschlussveranstaltung des Modellprojekts sowie zwei Publikationen geplant. In einem Band der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb sollen die wissenschaftlichen Ergebnisse des Modellprojekts vorgestellt und analysiert werden. Darüber hinaus soll ein Praxisleitfaden herausgegeben werden, der Methoden und die Erkenntnisse aus dem Modellprojekt für Lehrer_innen und außerschulische Praktiker_innen nutzbar machen wird.

 

Weitere Informationen

  •  Haus am Maiberg: Politische Partizipation als Ziel der politischen Bildung. Modellprojekt 2016-2019 mehr lesen
  • Wohnig, Alexander (2017): Mit Kooperationen politischer Bildung politische Aktion ermöglichen. Potenziale und Herausforderungen. In: Transfer für Bildung e.V. (Hrsg.): Gemeinsam stärker!? Kooperationen zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule. S. 35-41 mehr lesen





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