Transferstelle politische Bildung

Aktuelle politikdidaktische empirische Forschung – Tagungsbericht

Zur diesjährigen Fachtagung des „Arbeitskreises Fachunterrichtsforschung Politik“ der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (AFP-GPJE) luden Prof. Dr. Carla Schelle (Universität Mainz) und Prof. Dr. Sabine Manzel (Universität Duisburg-Essen) am 28. und 29. April 2017 an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein. Während der zweitägigen Veranstaltung wurden in Vorträgen aktuelle empirische Forschungsarbeiten im Bereich Politikdidaktik vorgestellt und mit den Teilnehmenden der Tagung diskutiert. Darüber hinaus gab es in Werkstätten die Möglichkeit, insbesondere mit qualitativen Methoden, gemeinsam an empirischem Material zu arbeiten. Auch Vertreter_innen der Wirtschaftsdidaktik und der Erziehungswissenschaft brachten sich in die Tagung ein. Die Fachtagung fand in Kooperation mit dem Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung (ZBH) und dem Arbeitskreis Fachdidaktik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt.


Foto: Farina Nagel (links), Prof. Dr. Sabine Manzel (rechts)

v.l.n.r.: Farina Nagel, Prof. Dr. Sabine Manzel

Zur diesjährigen Fachtagung des „Arbeitskreises Fachunterrichtsforschung Politik“ der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (AFP-GPJE) luden Prof. Dr. Carla Schelle (Universität Mainz) und Prof. Dr. Sabine Manzel (Universität Duisburg-Essen) am 28. und 29. April 2017 an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein. Während der zweitägigen Veranstaltung wurden in Vorträgen aktuelle empirische Forschungsarbeiten im Bereich Politikdidaktik vorgestellt und mit den Teilnehmenden der Tagung diskutiert. Darüber hinaus gab es in Werkstätten die Möglichkeit, insbesondere mit qualitativen Methoden, gemeinsam an empirischem Material zu arbeiten. Auch Vertreter_innen der Wirtschaftsdidaktik und der Erziehungswissenschaft brachten sich in die Tagung ein. Die Fachtagung fand in Kooperation mit dem Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung (ZBH) und dem Arbeitskreis Fachdidaktik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt.

Mehrsprachigkeit im Politikunterricht

Prof. Dr. Sabine Manzel und Farina Nagel (wissenschaftliche Mitarbeiterin der Transferstelle politische Bildung und Promovendin der Universität Duisburg-Essen) eröffneten die Fachtagung mit einem Forschungsbericht aus dem interdisziplinären und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „SchriFT“ (LINK https://www.uni-due.de/schrift/projekt.php). Unter dem Titel „Mehrsprachigkeit im Politikunterricht“ präsentierten sie im ersten Teil des Vortrags einige Ergebnisse einer quantitativen Modellprüfung zum Konstrukt Fachsprache. Hierbei wurden sprachliche und fachliche Aspekte in Texten von Schüler_innen zur Bearbeitung einer politischen Schaubildaufgabe ausgewertet. Diese Befunde wurden u. a. mit sozioökonomischen Daten, wie beispielsweise Migrationshintergrund und Geschlecht, korreliert. Eine Erkenntnis daraus war, dass kein Gendereffekt nachzuweisen ist. Andere Ergebnisse sind noch interpretationsdürftig und benötigen weitere Analysen. Im zweiten Teil des Vortrags wurden mögliche Förderaspekte eines sprachsensiblen Fachunterrichts zur Diskussion gestellt. Dabei wurde kontrovers diskutiert, inwiefern Sprachbildung im Fach Politik erfolgen sollte oder Teil des Deutschunterrichts ist.

In weiteren Vorträgen wurden Ergebnisse einer qualitativen Studie zu Lernprozessen von Schüler_innen im Kontext von Wirtschaftsplanspielen präsentiert (Christian Fischer/Universität Rostock) und es wurde von fachdidaktischen Innovationen aus der wirtschaftspädagogischen Lehrer_innenbildung berichtet (u. a. Hannes Saas/Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Im Werkstattformat wurden Präsentationen von Schüler_innen zum Widerstand in der Zeit des Nationalsozialismus vorgestellt und mit den Teilnehmenden der Tagung mit einer hermeneutischen Methode interpretiert. Im Anschluss präsentierte Annika Rauch (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) ihr Forschungsvorhaben zu nationalen Identitätsentwürfen in deutsch-französischen Lehrwerken. Mithilfe der Objektiven Hermeneutik wurden Fotos aus einem Schulbuch gemeinsam rekonstruiert. Zum Abschluss des ersten Tages präsentierte Natalie Köhle (PH Karlsruhe) Ergebnisse der quantitativen Studie „Effekte von Tiefenstrukturen des Unterrichts auf das Fachwissen“, wie die überraschenderweise fehlenden Effekte von Tiefenstrukturen (z. B. positives Lernklima, Feedback, Selbstkonzepte) auf den Politikunterricht.

 

Werthaltungen von Schüler_innen gegenüber geflüchteten Menschen

Den Auftakt zum zweiten Tag machte erneut Farina Nagel mit einem Vortrag zu latenten Werthaltungen von Schüler_innen gegenüber geflüchteten Menschen. Im Rahmen der Forschung für ihre Dissertation zu diesem Thema konnte sie vier unterschiedliche Typen von politischen Werthaltungen herausarbeiten. Diese unterscheiden sich hinsichtlich der Art und Weise wie die Schüler_innen sich positionieren. Die herausgearbeiteten Typen sind teilweise politisch-fordernd oder aber auch stark ablehnend gegenüber geflüchteten Menschen. Sie konnte außerdem explorativ die unterschiedlichen relevanten Wissensbestände aufzeigen, auf die sich die Schüler_innen beziehen. Politikunterricht spielt für diese für die Bearbeitung des Themas Flucht und Asyl nur eine untergeordnete Rolle. Eine Exkursion in eine Flüchtlingsunterkunft führte hingegen zu einer starken Emotionalisierung bei den Schüler_innen.

In weiteren Vorträgen ging es um das Forschungsdesign einer Studie zur Inklusionsprozessen im Politikunterricht (David Jahr/Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und um quantitative Forschungsergebnisse zur Entwicklung politischer Argumentationsfähigkeit (Anja Schmidt/PH Karlsruhe). Im Werkstattformat stellte Michaela Hartmann, abgeordnete Lehrkraft an der TU Dortmund, die Textitems des PoWiS-Fragebogens (Politisches Wissen von Schüler_innen mit und ohne Migrationshintergrund) zur (kritischen) Diskussion. Im Anschluss ging Prof. Dr. Georg Weißeno (PH Karlsruhe) in einem Vortrag der Frage nach, welchen Einfluss epistemologische Überzeugungen auf das politische Wissen von Schüler_innen haben. Abschließend referierte Matthias Sowinski (Universität Duisburg-Essen) Forschungsergebnisse zur Diagnosefähigkeit von angehenden Lehrkräften, die sich im Übergang vom Sach- zum Politikunterricht befinden.

Die nächste Tagung des Facharbeitskreises findet voraussichtlich im Frühjahr 2019 an der Universität Duisburg-Essen statt.

Weitere Informationen zum „Arbeitskreises Fachunterrichtsforschung Politik“ der GPJE gibt es hier.