2. Sitzung 2019 des Beirats der Fachstelle politische Bildung: Aktivitäten, Entwicklungen und Ausblick

Am 6. Dezember 2019 tagte der Beirat der Fachstelle politische Bildung in Berlin beim Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB), der auch Beiratsmitglied ist, im Haus der Jugendarbeit und Jugendhilfe.


Beiratssitzung am 6. Dezember 2019 in Berlin

Beiratssitzung am 6. Dezember 2019 in Berlin

Am 6. Dezember 2019 tagte der Beirat der Fachstelle politische Bildung in Berlin beim Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB), der auch Beiratsmitglied ist, im Haus der Jugendarbeit und Jugendhilfe.

Dr.in Helle Becker erläuterte zunächst, dass die Fachstelle politische Bildung angetreten ist, ein engeres Verhältnis von Wissenschaft und Praxis im Bereich der politischen Bildung zu unterstützen. Die Fachstelle möchte dazu beitragen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse, vor allem empirische, von Praxis und Politik stärker wahrgenommen werden, dass Wissenschaft mehr über die Praxis erfährt, bzw. sich dafür interessiert, und dass sich die Akteure von Praxis und Wissenschaft untereinander besser wahrnehmen und austauschen. Langfristiges Ziel ist eine Unterstützung und Qualifizierung der Praxis, auch Unterstützung bei der Qualifizierung, so wie sie im außerschulischen Bereich vor allem durch die Praxis, d.h. Träger und Verbände, bereits erfolgt.

Information, Beratung, Vernetzung und Politikberatung (2019)

Nachfolgend stellte Dr.in Helle Becker die Aktivitäten der Fachstelle 2019 vor. Exemplarisch seien hier einige genannt.

Anfragen nach Politikberatung haben 2019 deutlich zugenommen. Dabei geht es häufig darum, einen Überblick über das Feld der Forschung zur politischen Bildung oder zur Praxis der politischen Bildung zu geben. Grund ist vermutlich, dass die Fachstelle träger- und feldübergreifend arbeitet, einen weiten Überblick über Forschung und Praxis bieten kann und diese Expertise vermehrt wahrgenommen wird.

Verstärkte Anfragen gab es außerdem zum Thema Transferarbeit von Hochschulen. Ausgangspunkt ist die Situation, dass sich vor allem Hochschulen, aufgefordert oder proaktiv, zunehmend mit Fragen nach der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung beschäftigen. Die Auffassung von gesellschaftlicher Verantwortung, Verständnis davon und Erwartungen daran sind zahlreich und breit gefächert. Das Feld ist zurzeit noch unübersichtlich und es gibt großen Bedarf an Orientierung und Selbstverständigung, was unter Transfer verstanden werden kann. Allen Akteuren gemeinsam ist aber bereits jetzt Besorgnis, dass nicht unmittelbar anwendungsorientierte Forschung, etwa Grundlagenforschung, in Misskredit gerät und zukünftig neue Forschungsprojekte Transferaktivitäten ausweisen müssen, ohne dass schon grundsätzlich geklärt wäre, was Transfer bedeutet. Die Fachstelle wird diese Entwicklungen 2020 weiterverfolgen und begleiten.

Die Fachstelle leistet Fachberatung auch als Mitglied mehrerer unterschiedlicher Beiräte, Arbeitsgruppen und weiterer Foren.

Webseite und Newsletter sind die bewährten Informationsformate der Fachstelle. Die Auswertung der Klickzahlen bestätigt deren Relevanz und Beliebtheit. Auch 2019 sind Artikel der Fachstelle in diversen Fachpublikationen (z.B. Journal politische Bildung; POLIS; deutsche jugend; Außerschulische Bildung. Zeitschrift der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung; Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb: Beitrag in Besand, Anja / Overwien, Berns / Zorn, Peter (Hrsg.) Politische Bildung mit Gefühl; Beitrag in Lotz, Mathias / Pohl, Kerstin (Hrsg.): Gesellschaft im Wandel. Neue Aufgaben für die politische Bildung und ihre Didaktik), in Newslettern (z.B. Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB), CIVES School of Civic Education, Deutsches Kinderhilfswerk, Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe, Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Berlin e.V.) und auf Webseiten (z.B. verschiedene Hochschulen und Universitäten, Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten e.V. Baden-Württemberg (AGFJ), Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Träger und Verbände politischer Bildung, Forum Eltern und Schule, Engagementkalender Berlin, Erzdiözese München und Freising) erschienen.

Die Angebote der Fachstelle werden breit rezipiert, was sich exemplarisch anhand des Newsletterbezugs durch viele Multiplikator_innen belegen lässt. Abonnent_innen sind unter anderen: unterschiedliche Träger, Verbände, Einrichtungen und Initiativen der politischen Bildung auf internationaler, Bundes-, Landes- und lokaler Ebene, Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen, Organisationen anderer Bildungsbereiche, der Kinder- und Jugendarbeit und der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Erwachsenenbildung, z.B. der kulturellen Bildung, der internationalen Jugendbildung, der Jugendverbandsarbeit oder der Weiterbildung, städtische, kommunale, Landes- und Bundesbehörden, Stiftungen, Verlage, Fachzeitschriften, Fachwebseiten, Organisationen aus weiteren Feldern wie der entwicklungspolitischen Arbeit, der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen, Wohlfahrtsverbände, Organisationen aus Österreich und der Schweiz sowie einzelne Teamer_innen, Lehrer_innen und Schulen.

Landkarte der Forschung zur politischen Bildung, Topografie der Praxis politischer Bildung, Fachforen, Matching-Portal (2019)

Die Fachstelle politische Bildung stellt verschiedene Instrumente zur Verfügung, die Orientierung, Information und Überblick zu Wissenschaft und Praxis im Feld der politischen Bildung bieten. Sie dienen dazu, eine Verständigung zwischen den Wissenschaft- und Praxisfeldern, die mit politischer Bildung zu tu haben, zu initiieren. Die Instrumente wurden 2019 weiterentwickelt.

Die Landkarte der Forschung zur politischen Bildung (aktuell 67 Einträge, weitere sind in Bearbeitung) erweist sich als gefragte Informationsquelle und nützlicher Verweis auf Wissenschaftler_innen und Forschungseinrichtungen mit dem Forschungsgegenstand politische Bildung. Die Landkarte zeigt deutlich die Diversität der Wissenschaftsbereiche und Forschungsinteressen. Dies bestätigte auch eine Netzwerkanalyse von Prof. Dr. Thomas Goll, TU Dortmund, über die berichtet wurde. Sie zeigt die Konzentration der gegenseitigen Bezugnahme im Bereich der Politikdidaktik. Weitere Bereiche und Forscher_innen, die sich mit politischer Bildung befassen, bilden kaum einen einheitlichen Diskurs. Die Fachstelle dankt dem Redaktionsbeirat (Prof.in Achour, Prof. Klee, Prof. Thimmel), der 2019 in vier Fällen Einschätzungen bzw. einstimmige Empfehlungen abgegeben hat.

Die Topografie der Praxis politischer Bildung gibt einen Überblick über die Vielfalt und Differenziertheit der politischen Bildungslandschaft, deren Strukturen und Ansätze. Diejenigen Praxisfelder werden dargestellt, in denen politische Bildung mit unterschiedlichen Konzepten verortet ist. Die Nachfrage nach dieser Darstellung ist groß. Die Fachstelle hat deshalb Poster der Grafik drucken lassen. Einen Tag nach der Ankündigung im Newsletter war die Hälfte der ersten Auflage bereits vorbestellt. Eine interaktive Version, in der die einzelnen Praxisfelder formaler und nonformaler politischer Bildung mit Informationen zu Rechtsbereichen, Politikbereichen und Wissenschaftsbezügen hinterlegt sind, wird in Kürze auf der Webseite der Fachstelle veröffentlicht. Die Demoversion wurden von den Beirät_innen als äußerst hilfreiches Instrument bezeichnet und als bislang einmaliges Vorhaben, das die Komplexität des Feldes übersichtlich abbildet, gelobt.

Die Fachstelle hat ihre Arbeit in Fachforen fortgesetzt. In kleinen, intensiv vorbereiteten Expert_innenrunden wurden konzeptionelle Vorstellungen und Grundlagen in verschiedenen Bereichen ausgelotet und sich über die Schnittstellen zu politischer Bildung ausgetauscht sowie Gemeinsamkeiten und Grenzen ermittelt. Bisher fanden Fachforen zu den Themen Jugendarbeit / Politische Jugendbildung und Politische Bildung / Kulturelle Bildung /Kunst, Kultur statt. In Abstimmung mit den Teilnehmenden erarbeitet und veröffentlicht die Fachstelle nachfolgend Literaturlisten, Papiere und Dossiers, um den fachlichen Austausch zu unterstützen.

Aktuell in der Umsetzung ist das sogenannte Matching-Portal für Praxisvorhaben und Forschungsideen. Mit diesem Instrument schafft die Fachstelle eine Onlineplattform, auf der Forscher_innen, die eine Zusammenarbeit mit der Praxis suchen, und Praktiker_innen, die mit Forschungsstellen zusammenarbeiten möchten, zusammenfinden können. Verschiedene Filteroptionen für die Suchanfragen wurden von den Beirät_innen intensiv diskutiert.

Perspektive 2020

Im kommenden Jahr wird die Fachstelle die Forschungslandkarte, die Topografie der Praxis, das Matching-Portal und thematische Dossiers auf der Webseite weiter ausbauen. Zu verschiedenen Schnittstellenthemen der politischen Bildung werden Fachforen und Veranstaltungen (auch in Kooperationen) durchgeführt und für die Fachöffentlichkeit dokumentiert. Außerdem wird die Fachstelle vor dem Hintergrund der Transferdebatte der Hochschulen ihr Transferverständnis darlegen und sich konstruktiv in den Diskurs einbringen.

Die Fachstelle plant Ende 2020 eine Fachtagung „Neue Ansätze und Kooperationsmodelle in der politischen Bildung“. Sie wird sich bei zwei Großveranstaltungen einbringen: Im September 2020 findet der Bundeskongress Kinder- und Jugendarbeit des Bundesnetzwerks Kinder- und Jugendarbeit statt, und im Dezember 2020 die Youth Work Convention im Rahmen der Deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

Informationen zur Fachstelle politische Bildung

Informationen zum Beirat der Fachstelle

 

Foto: v.l.n.r.: Ina Bielenberg (Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten), Friedhelm Jostmeier (LLAW), Prof. Andreas Thimmel ( TH Köln), Prof. Bernd Overwien (Universität Kassel), Helmut A. Bieber (Deutsche Vereinigung für Politische Bildung), Barbara Menke (Bundesausschuss Politische Bildung), Dr.in Helle Becker (Fachstelle politische Bildung), Nino Löffler (Bundeszentrale für politische Bildung), Annabell Brosi (Fachstelle politische Bildung).



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