2. Beiratssitzung der Fachstelle politische Bildung – Transversalen 2021

In der digitalen Sitzung am 30. November 2021 stellte die Fachstelle politische Bildung – Transversalen Erkenntnisse und Ergebnisse ihrer Arbeit im zurückliegenden Jahr vor. Der Austausch mit dem Beirat über aktuelle Herausforderungen im Feld der politischen Bildung sowie zukünftige Arbeitsschwerpunkte der Fachstelle rundeten die Sitzung ab.


In der digitalen Sitzung am 30. November 2021 stellte die Fachstelle politische Bildung – Transversalen Erkenntnisse und Ergebnisse ihrer Arbeit im zurückliegenden Jahr vor. Der Austausch mit dem Beirat über aktuelle Herausforderungen im Feld der politischen Bildung sowie zukünftige Arbeitsschwerpunkte der Fachstelle rundeten die Sitzung ab.

Arbeitsstand 2021

Die Aktualisierung bestehender Transfertools und -materialien bleibt weiterhin ein Anliegen der Fachstelle politische Bildung. Die Landkarte zur Forschung zur politischen Bildung verzeichnet mittlerweile 104 Wissenschaftler*innen und Forschungseinrichtungen. Anhand der beliebten Kurzinterviews „Fünf Fragen an…“ konnten mittlerweile mehr als die Hälfte der in der Landkarte verzeichneten Wissenschaftler*innen vorgestellt werden. Dossiers zu Schwerpunkten der politischen Bildung, wie das Dossier zu politischer Bildung im Strafvollzug oder zu Russlanddeutschen wurden umfassend aktualisiert. Die Fachstelle politische Bildung nutzt verstärkt digitale Formate. So wurden längere Interviews auch als Videos veröffentlicht, um Forschungserkenntnisse einem breiteren Publikum verfügbar zu machen.

Beratungsarbeit, das Einbringen von Expertise in Gremien und Netzwerken sowie die Teilnahme und aktive Mitgestaltung von Veranstaltungen machen weiterhin einen wichtigen und großen Teil der Arbeit aus. In diesem Jahr waren es vor allem Einladungen zu Tagungen und Fortbildungen, die sich aus der Schnittstellenarbeit der Fachstelle politische Bildung zur Kinder- und Jugendarbeit sowie der Expertise von Dr.in. Helle Becker zum 16. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung ergaben. Hier war ein großer Beratungs- und Diskussionsbedarf in allen Praxisfeldern (Jugendverbandsarbeit Offene Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit) feststellbar (siehe unten).

Aufgrund der zahlreichen digitalen Veranstaltungsangebote haben alle Mitarbeiterinnen der Fachstelle dieses Jahr ihre Beteiligung an Netzwerken, Fachtagungen und Treffen zu politischer Bildung verstärken können. Sie haben sich vor allem zu inhaltlichen Schwerpunkten, wie Empowerment, diversitätsorientierte Bildungsarbeit, Jugendarbeit und zur europäischen Debatte zu politischer Bildung informiert. Darüber hinaus trug die Fachstelle selbst durch fachliche Beiträge bei, wie durch einen digitalen Messestand beim DJHT und Beiträge zum Bundeskongress Kinder- und Jugendarbeit.
Neben dem Ausbau und der Weiterentwicklung vorhandener Tools nimmt die Fachstelle politische Bildung Diskurse in den Blick, die bisher separiert und in spezialisierten Bereichen geführt werden, allerdings große Schnittstellen zu politischer Bildung haben oder weil sie aufgrund politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen besonders aktuell sind. Über zwei solcher Diskurse sprach die Fachstelle mit ihren Beirät*innen und bat um Einschätzungen.

Arbeitsschwerpunkte

Die neuen Schwerpunktsetzungen der Fachstelle politische Bildung – Transversalen (2021-2023) betreffen vor allem Forschungs- und Praxisfelder, die im etablierten Fachdiskurs politischer Bildung bisher wenig oder kaum beachtet werden. Dazu zählen Felder wie Bildung für nachhaltige Entwicklung und Menschenrechtsbildung, die europäische Debatte zu politischer Bildung sowie Empowermentarbeit, die oftmals mit Themen wie Rassismus, Gender, Migration etc. verknüpft ist.

Zur systematischen Beschreibung dieser Felder gehören die Recherche und Dokumentation von empirischer Literatur und Studien, politischen Dokumenten und Berichten von (Praxis-) Akteur*innen aus dem Feld sowie eigene Beiträge in Print- und Online-Medien. Ein Beispiel für eine Darstellung entsprechender Erkenntnisse ist der im November 2021 veröffentlichte Sonder-Newsletter zu politischer Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Zur Debatte veröffentlichte die Fachstelle den Artikel Politische Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) – Stand der Beziehung, der unter anderem danach fragt, inwiefern das Konzept einer Bildung für nachhaltige Entwicklung Raum lässt für das Hinterfragen unterschiedlicher politischer Interessen sowie Macht- und Herrschaftsverhältnisse – kurz: Ob und wie politische Bildung und BNE zusammengedacht werden. In diesem Kontext zeigten sich weitere Bezüge zu Umweltbildung, Globalem Lernen und Menschenrechtsbildung. Diese Verbindungen – in Praxis und Wissenschaft – werden eines der Arbeitsthemen im kommenden Jahr sein. 

 

Politische Bildung in Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit und Jugendsozialarbeit

Im Nachgang des 16. Kinder- und Jugendberichts der Bundesregierung gibt es in Praxisfeldern der Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit eine Stärkung des Diskurses über politische Bildung sowie das Bestreben, feldübergreifend zusammenzuarbeiten. Die Fachstelle politische Bildung leistet Informations- und Beratungsarbeit zu fachlichen und strukturellen Fragen. Der Bedarf von Wissenschaft und Praxis geht über die Informationen, die die (interaktive Version der) Topografie der Praxis politischer Bildung bietet, hinaus. Der Beirat diskutierte über die Herausforderung, wie zwischen verschiedenen Diskursen, Begriffsdefinitionen und politischen Bildungskonzepten verschiedener Akteure zielführend „übersetzt“ werden kann. Dank verschiedener Projekte der Transferstelle politische Bildung, wie OPEN und einer Fortbildung mit den Jugendämtern in NRW, kommt auch die Fachstelle politische Bildung regelmäßig in den Austausch mit Akteur*innen der Jugendarbeit und begegnet unterschiedlichen Auffassungen von politischer Bildung sowie verschiedenen fachlichen und strukturelle Arbeitsbedingungen. Die Beirät*innen bestätigten, dass politische Bildungsarbeit in den verschiedenen Feldern der Jugendarbeit stattfindet, ein Selbstverständnis über ihre eigene politische Bildungsarbeit aber nicht immer vorhanden ist und konzeptionelle Unterschiede zu beobachten sind. Für eine Weiterentwicklung politischer Bildung sei es wichtig, entsprechende Entwicklungsprozesse zu unterstützen. Aus diesen Gründen widmet sich die Fachstelle weiterer Übersetzungsarbeit im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Bereits in Planung ist ein „Wegweiser“ zu Organisationsformen und Settings der (politischen) Jugendarbeit und -bildung sowie ein Dossier zum Thema.

Europäische Debatte zu politischer Bildung

Forschungs- und Praxisfelder der politischen Bildung agieren nicht isoliert in einem nationalen Rahmen. Vor allem Diskussionen und Regelungen im Rahmen der Europäischen Union beeinflussen nationale Fachdiskurse und Praxis. Daher sollte politische Bildung auch im Hinblick auf ihre Profession transnationale Perspektiven berücksichtigen. Dennoch werden Diskussionen zu Begriffen, Theorien und empirischen Erkenntnissen zu politischer Bildung auf europäischer Ebene bisher meist innerhalb bestimmter „Communities“ geführt und kaum mit nationalen Debatten verbunden. Nur wenige Wissenschaftler*innen in Deutschland forschen zur Thematik und auch die Gruppe der Träger und politischen Bildner*innen, die mit den europäischen Diskussionen vertraut ist, ist eher klein. Hinzu kommt, wie der Beirat betonte, dass in anderen europäischen Ländern unterschiedliche Begrifflichkeiten verwendet werden, wenn über politische Bildung gesprochen wird, und unterschiedliche Konzepte gemeint sind. Forschungs-Praxis-Dialoge finden insbesondere zur europäischen Jugendarbeit statt, allerdings bedarf es auch hier mehr Transferleistungen, damit Wissen und Beteiligung in der deutschen Forschungs- und Praxislandschaft verbreitet wird. Der Beirat bestärkte, dass ein systematischer Zugang zu politischen Informationen, Papieren und wissenschaftlichen Beiträgen, beispielsweise vom Europarat oder europäischen (Forschungs-)Netzwerken, nicht vorhanden ist. Die Fachstelle politische Bildung plant, zur europäischen Debatte zu politischer Bildung zu informieren, einen Überblick zu geben, Materialien zugänglich zu machen und Diskurse abzubilden.

Ausblick

Die Fachstelle politische Bildung geht motiviert in das nächste Jahr und arbeitet weiter daran, die Vielfalt politischer Bildung in Forschung und Praxis sichtbar zu machen und entsprechend unserem Transferverständnis eine Plattform für den fachlichen Austausch zu bieten. Bei den neuen Schwerpunkten möchte die Fachstelle politische Bildung weiterhin mit Trägern und Projekten zusammenarbeiten, um Erfahrungen und Wissen zu teilen und gemeinsam zu verbreiten. Die Fachstelle bedankte sich beim Beirat und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit und Unterstützung im neuen Jahr.

 

veröffentlicht am 21.12.2021

 

Foto: v.l.n.r.: Melanie Dense (Robert Bosch Stiftung), Chantal Filipiak, Marita Klink, Julia Schreier, Dr.in Helle Becker, Annabell Brosi (alle Fachstelle politische Bildung), Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker (Universität Hamburg), Helmut A. Bieber (Deutsche Vereinigung für Politische Bildung e.V., DVPB), Ina Bielenberg (Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V., AdB), Danica Finger (Fachstelle politische Bildung), Thomas Krüger (Bundeszentrale für politische Bildung/bpb), Wilfried Klein (Bundesausschuss Politische Bildung (bap) e.V.), Prof. Dr. Andreas Thimmel (TH Köln), Prof. Dr. Andreas Klee (Universität Bremen), Thomas Thomer (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, BMFSFJ) , Sigrid Meinhold-Henschel (Bertelsmann Stiftung), Prof. Dr. Bernd Overwien (Universität Kassel), Prof. Dr. Karim Fereidooni (Ruhr-Universität Bochum), Prof.in Dr.in María do Mar Castro Varela (Alice Salomon Hochschule Berlin)



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